Sicherheit Acht Alltagsfehler, die Autofahrer das Leben kosten können

Die Einkäufe auf der Rückbank verstauen - das ist praktisch. Leider aber auch sehr gefährlich. Welche Leichtsinnigkeiten man im Auto vermeiden sollte.

Das Tragen von Flipflop-Sandalen im Auto kann gefährlich werden
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Das Tragen von Flipflop-Sandalen im Auto kann gefährlich werden


Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal den Luftdruck der Reifen kontrolliert? Sind mit Flip-Flops gefahren oder haben die Winterreifen aus der Werkstatt im Kofferraum nach Hause transportiert? Kleine Nachlässigkeiten, die ein großes Risiko bedeuten.

Hier erfahren Sie, welche Alltagsgefahren man im Auto unbedingt beachten sollte:

  • Reifentransport: Jedes Jahr das gleiche Prozedere - zweimal im Jahr müssen die Reifen beim Auto gewechselt werden. Doch wohin mit den Sommer- oder Winterreifen? Wer seine Pneus nach dem Werkstattbesuch in den Wagen packt, sollte höchste Sorgfalt walten lassen. Selbst im geschlossenen Kofferraum können diese im Falle eines Crashs für die Insassen lebensgefährlich werden - wie ein Versuch der Allianz-Versicherung im eigenen Zentrum für Technik zeigt. Bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 40 km/h schossen die ungesicherten Reifen in die Fahrerkabine. Zuvor hatten sie die Rückenlehnen durchbrochen. Das Gewicht eines Rades von 15 bis 20 Kilogramm steigert sich durch die Wucht des Aufpralls enorm und kann wie 750 Kilo auf die Passagiere wirken - das Gewicht einer ausgewachsenen Kuh.

"Die Reifen gehören für den Transport zwar in den Kofferraum", erklärt der Leiter der Sicherheitsforschung Carsten Reinkemeyer. "Aber auch dort müssen sie zusätzlich mit einem Zurrgurt befestigt werden. Am besten den Gurt durch die Reifen und die vorgesehenen Zurrösen im Kofferraum führen und festziehen", so der Sicherheitsexperte. Damit die Reifen immer an Ort und Stelle bleiben, sollten die Sicherheitsgurte der Rückbank kreuzweise fixiert werden. Reißen die Zurrösen, bieten die Gurte zusätzliche Sicherheit.

Hier gibt es den Crashtest im Video:


  • Unpassende Schuhe: Mit Flipflops oder Stöckelschuhen zu fahren, ist nicht verboten. Fest steht aber: Sicher ist man mit diesen Schuhe nicht hinterm Steuer. Laut einer Umfrage der CosmosDirekt-Versicherung aus dem Sommer 2015 tragen 25 Prozent der weiblichen und 13 Prozent der männlichen Autofahrer gelegentlich Flipflops beim Autofahren. Doch jeder vierte Befragte gab an, sich mit Flipflops oder Sandalen schon mal in der Fußmatte verhakt zu haben; jeder fünfte sei vom Pedal abgerutscht.

Kommt es zu einem Unfall, werden die Kosten von der Kfz-Haftpflichtversicherung übernommen, egal ob der Fahrer barfuß, in Flipflops oder Pumps unterwegs war. Die Vollkaskoversicherung, die für Schäden am eigenen Fahrzeug aufkommt, könnte aber die Leistung einschränken oder verweigern. Und zwar dann, wenn grobe Fahrlässigkeit zum Unfall führte. Doch das muss im Einzelfall nachgewiesen werden, heißt es bei der Versicherung.


  • Streit im Auto: Erklären Sie Ihren Pkw zur Friedenszone! Denn Auseinandersetzungen zwischen Fahrer und Beifahrer(n) steigern das Unfallrisiko enorm, davor warnt unter anderem der TÜV Süd in München. Nach Expertenmeinung ist jeder zehnte Unfall mit Getöteten im Straßenverkehr auf Ablenkung zurückzuführen. 2015 starben fast 3500 Verkehrsteilnehmer auf deutschen Straßen, etwa 350 kamen durch Ablenkungsunfälle ums Leben, heißt es in einer Pressemitteilung der Allianz. Streit gehört dazu, vor allem aber auch die Bedienung technischer Geräte wie Smartphones.

  • Falsche Sitzposition: Wer falsch hinter dem Lenkrad sitzt, riskiert nicht nur Rückenschmerzen und Verspannungen im Nacken, sondern auch schlimmere Verletzungen - beispielsweise, wenn bei einem Unfall der Airbag ausgelöst wird. Nach einer gemeinsam Untersuchung des TÜV SÜD und der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2009 saßen 75 Prozent der Autofahrer nicht korrekt in ihrem Fahrzeug. 500 Autofahrer wurden überprüft. Deshalb noch einmal zum Nachlesen und Nachmachen: Sitzhöhe so wählen, dass die Augen etwa auf halber Höhe der Frontscheibe und alle Instrumente gut ablesbar sind. Etwa 100 Grad beträgt der Neigungswinkel zwischen Rückenlehne und Sitzfläche. Der Po sollte so dicht wie möglich an die Lehne rücken. Bei durchgetretenen Pedalen müssen die Kniegelenke noch leicht angewinkelt sein, ebenso wie die Arme beim Lenken. Die Schultern halten stetig Kontakt zur Sitzlehne und die Kopfstütze befindet sich dann in richtiger Höhe, wenn deren Oberkante auf Scheitelhöhe ist.

  • Falscher Luftdruck: Jedem Reifen geht im Laufe der Zeit ein wenig die Luft aus, deshalb sollten Autofahrer regelmäßig den Reifendruck checken. Seit November 2014 müssen ohnehin alle neu zugelassenen Autos und Wohnmobile in der EU mit Kontrollsystemen ausgestattet werden, die den Fahrer warnen, wenn der Reifendruck nicht stimmt. Ein falscher Wert kann schwerwiegende Konsequenzen haben: So können diese Autos schneller ins Schleudern kommen oder Reifen platzen, weil sie durchgewalkt werden und sich erhitzen. Ganz abgesehen davon, dass durch zu geringen Reifendruck ein früherer Verschleiß, ein höherer Spritverbrauch und ein längerer Bremsweg vorprogrammiert sind.
Messung des Reifendrucks
TÜV-SÜD

Messung des Reifendrucks

Außerdem wichtig: Wer den Bordstein rammt, sollte rasch in der Werkstatt vorbeischauen - auch, wenn äußerlich kein oder nur ein kleiner Schaden in Form einer Beule am Reifen zu erkennen ist. Denn ein vorgeschädigter Pneu kann im schlimmsten Fall platzen.


  • Regenschirm auf der Hutablage: Was für den Regenschirm auf der Hutablage gilt, trifft auch auf andere kleinere Gegenstände im Auto zu - sie entwickeln bei einem Aufprall brachiale Kräfte und werden zu lebensgefährlichen Geschossen. Selbst ein 300 Gramm leichtes Handy entwickelt bei einem Aufprall mit Tempo 50 ein Gewicht von 15 Kilogramm, ein fünf Kilo schwerer Rucksack fliegt einem mit 250 Kilo um die Ohren. Deshalb hatte der Auto Club Europa (ACE) vor fünf Jahren eine Aktion "Sicher Transportieren" gestartet und an Einkaufszentren, Möbelhäusern und Baumärkten Autos kontrolliert. Fast bei jedem zweiten Auto war die Ladung nicht korrekt gesichert.

  • Schnee auf dem Dach: Auch wenn jetzt gerade Frühling ist: Die nächsten kalten Tage kommen sicher. Wer sein Auto pflichtbewusst von vereisten Scheiben befreit, sollte den Schnee auf dem Dach nicht vergessen. Sonst werden laut Bußgeldkatalog 25 Euro fällig. Schlimmer wiegt, dass es durch den Schnee zu einem Unfall kommen kann. Etwa, weil nach einem Bremsmanöver der Fahrer durch den herunterrutschenden weißen Teppich die Sicht und damit die Kontrolle über seinen Wagen verliert.

mhu



insgesamt 217 Beiträge
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Seite 1
Grübler 26.05.2017
1. Alles richtig,
aber das mit den Sommer/Winterreifen ist schon etwas übertrieben. Die paar km zwei mal im Jahr, wirds ja wohl auch so gehen. Hatte nicht vor ein Rennen zu fahren! Außerdem möchte ich mal wissen, welche Ösen im Kofferraum gemeint sind. Diese gibt es ja nicht in jedem Auto. Also mal nicht übertreiben. Einfach den Verstand einschalten und das Messerset nicht auf der Hutablage transportieren...
marthaimschnee 26.05.2017
2. kenne dein Fahrzeug!
sollte hier auch dazu. Wie reagiert das Auto bei starkem Beschleunigen, wieviel Leistung kann man im Ernstfall (Überholvorgang und plötzlich auftauchender Gegenverkehr) rausholen? Wie verhält es sich bei starkem Bremsen, bei Nässe, bei Glätte? Wie verändert sich das Fahrverhalten mit zu hohem Reifendruck (das senkt nämlich den Spritverbrauch, veringert aber auch die Bodenhaftung)? Hier wäre schön, wenn zB das Fahren auf einer Eisfläche zur Fahrschulausbildung gehören würde. Leider hierzulande sehr unpraktikabel.
ckliver 26.05.2017
3. Und der achte Fehler?
Ich zähle nur sieben.
kronk 26.05.2017
4. Rückbanklehne war umgeklappt?
Also im Video sieht das aber mächtig so aus als wäre die Lehne aus ihrer Halterung entfernt und leicht umgeklappt. Da ist es klar, dass die Reifen nach vorne rollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie eine eingerastete Lehne aus dem Stand runterdrücken können.
schmuella 26.05.2017
5. Die wichtigsten Tipps fehlen!
- Ausreichender Abstand zum vorderen Fahrzeug; Immer wieder gerne gesehen: mit 160 km/h auf der Autobahn und 20 Meter Abstand (halbe Sekunde braucht man für 20 Meter bei dieser Geschwindigkeit). - Öfters nach hinten gucken; In den Rückspiegel gucken reicht nicht. Man sollte sich immer umdrehen beim Abbiegen, Spurwechsel oder beim Aussteigen. Fahrradfahrer z. B. haben keine Knautschzone und tauchen manchmal aus dem Nichts auf. - Langsam aber sicher fahren; Man kommt vielleicht ein bisschen frührer an, wenn man rast. Aber das Risiko wird stark erhöht. Mit ein bisschen Pech kommt nie mehr an. - Kein Handy am Steuer; Besonders gefährlich: Mal eben lesen, was jemand geschrieben hat oder selber was schreiben. In wenigen Sekunden, in denen man abgelenkt ist, kann viel passieren um einen herum. Das unterschätzt man gerne.
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