Alternative Antriebe Pack den Grüntee in den Tank

Supermagneten als Räder, überdachte Solarautobahnen, Tee im Tank: Hobbytüftler und selbst ernannte Visionäre haben alternative Antriebe als neues Betätigungsfeld entdeckt. Seit Elektroautos boomen, lernt Thomas Hillenbrand mehr über abgefahrene Autopien, als ihm lieb ist.


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Abgewürgt: Pack' den Grüntee in den Tank
Kurz vor Gelsenkirchen ging mir der Sprit aus. Ferdi, mein grüner Golf, gab noch ein letztes asthmatisches Röcheln von sich, dann schaltete er ab. Einen Ersatzkanister hatte ich natürlich nicht an Bord - nur eine 1,5-Liter-Flasche Cola Light. Aber die wollte Ferdi nicht, weshalb ich den langen Fußmarsch zur nächsten Tanke antrat.

Auf dem Weg dorthin musste ich an die Zeitmaschine aus "Zurück in die Zukunft" denken. Die betankt der genialische Dr. Emmett Brown in der Schlussszene des Films mit Bier und Bananenschalen. Warum, dachte ich mir, ist noch niemand auf die Idee gekommen, einen derartigen Motor zu bauen?

Einige Tage später stellte ich fest, dass sehr wohl schon jemand darauf gekommen ist.

Die japanische Firma Genepax stellte vor einiger Zeit einen Wassermotor vor. Das revolutionäre Aggregat könne man mit Leitungswasser betanken, gerne auch mit "Tee oder Limo", verkündet das Unternehmen. Das Watercar wandle H2O ohne Zufuhr weiterer Energie in Wasserstoff um. Mit einer Literbuddel, behauptete Genepax in diesem Reuters-Video, könne man eine Stunde lang durch die Stadt kurven.

Wer fährt schon mit Benzin?

Man muss keine Doktorarbeit in Thermodynamik geschrieben haben, um an dieser Darstellung zu zweifeln. Wenn man Wasser in Wasserstoff konvertieren möchte, benötigt man Energie, und die muss irgendwo herkommen. Das US-Magazin "Popular Mechanics" bezeichnete das Wasserauto folglich als "Quatsch". Inzwischen hat Genepax die Entwicklung des Fahrzeugs eingestellt.

Seit Alternativen zum Verbrennungsmotor schwer en vogue sind, vergeht kaum eine Woche, in der kein neues "revolutionäres Mobilitätskonzept" in meiner Mailbox landet. Die angepriesenen Vehikel fahren mit Wasser, Strom oder dank kugelförmiger Magnetfelder. Einige sehen aus wie Altglascontainer, andere wie Insekten.

Die Entwicklung einzelner Fahrzeuge ist freilich etwas für Techniktüftler. Großvisionäre halten sich nicht mit derlei Kleinklein auf, sondern schicken gleich Entwürfe für komplette Verkehrsinfrastrukturen. Die Firma Schorr Power etwa werkelt an einer Lösung, die nach Unternehmensdarstellung "genial und einleuchtend" ist: Schorr möchte auf Deutschlands Straßen Stromabnehmer für E-Autos installieren und die Autobahnen damit in eine Art gigantische Carrera-Bahn im Maßstab 1:1 verwandeln.

Konzeptpapiere und komische Zeichnungen

Der Solarfan Frank Lessing wirbt unterdessen für seine "Sonnenbahn": Er würde gerne sämtliche Schnellstraßen mit Solarpanels überdachen und dadurch so viel Strom erzeugen, dass man alle Kraftwerke abschalten könnte. Hat er alles schon durchgerechnet.

Mir gefällt die Idee. Das Konzept hätte nämlich den positiven Nebeneffekt, dass einem beim Cabriofahren nicht mehr die Sonne auf den Schädel knallt.

Im Ernst: Enthusiasmus in Sachen alternative Antriebe ist ja zu begrüßen - und natürlich muss man ein wenig herumspinnen, um originelle Lösungen auf die Straße zu bekommen. Was die "revolutionären" Konzepte freilich allen gemein haben, ist Folgendes: Sie existieren stets ausschließlich auf dem Papier. Nie kann man sie anschauen, nachprüfen oder gar ausprobieren.

Selbst bei hartnäckigem Nachfragen gibt es in der Regel nicht einmal Claymodelle oder Datenblätter zu sehen - aber stets folgt die Bitte, trotzdem etwas zu veröffentlichen: "Eine Publikation wird mir helfen, das Projekt zum richtigen Zeitpunkt bekanntzumachen".

Nichts als Luft im Tank

Mitunter ist es allerdings gar nicht so einfach, die ernstzunehmenden Tüftler von den Irrlichtern zu unterscheiden. Die Idee der Sonnenbahn klingt zwar gaga - man muss sich aber vor Augen halten, dass auch Friedrich Dencker, der ehemalige Präsident des ehrwürdigen Verkehrsgerichtstages, die Überdachung aller deutschen Radwege fordert. Damit man auch bei Regen radeln kann. Das klingt, mit Verlaub, kaum weniger bescheuert.

Selbst ein fahrtüchtiger Prototyp ist übrigens kein Garant dafür, dass eine extravagante Technologie funktioniert. Das beste Beispiel liefert die französische Firma MDI. Sie tüftelt seit über 15 Jahren am sogenannten Air Car, das mittels Druckluft fahren soll. Testwägelchen gibt es schon länger, und Firmengründer Guy Negré schafft es nicht nur regelmäßig in die Medien - er überzeugte 2007 sogar den indischen Konzern Tata Motors, die Serienfertigung seines Luftikus-Autos zu übernehmen.

Inzwischen droht das Projekt allerdings unter die Räder zu geraten. Die Tata-Entwickler sind dem Vernehmen nach konsterniert, weil vieles am Air Car nicht so funktioniert wie anfangs erhofft. Die Reichweite etwa soll kümmerlich sein. Einen Zeitplan für den Launch gibt es bisher nicht, erklärt ein Tata-Sprecher.

MDI reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme, aber jüngste Äußerungen des Tata-Chefingenieurs S. Ravishankar legen nahe, dass die Probleme mit Negrés Wundertechnologie äußerst grundlegender Natur sind. Dem indischen Wirtschaftsblatt "DNA Money" sagte Ravishankar, man kämpfe eben mit dem Umstand, dass "Luft kein Treibstoff ist".



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Laserstrahl 15.01.2010
1. "Zukunft Elektroauto"
Die Zukunft der Elektrofahrzeuge hat begonnen. Ein interessantes Buch "Zukunft Elektroauto" bei amazon.de gesehen. Noch mehr alternative Antriebe auf www.stirlingmotoren.at
Laserstrahl 15.01.2010
2. Elektrofahrzeuge werden...
sich durchsetzen. Das Problem mit den Akkus ist auch schon gelöst, nur vom Komfort heutiger Fahrzeuge müssen wir uns verabschieden.
kosi, 15.01.2010
3. Erbärmlich!
Zitat von sysopSupermagneten als Räder, überdachte Solarautobahnen, Tee im Tank: Hobbytüftler und selbst ernannte Visionäre haben alternative Antriebe als neues Betätigungsfeld entdeckt. Seit Elektroautos boomen, lernt Thomas Hillenbrand mehr über abgefahrene Autopien als ihm lieb ist. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,671317,00.html
Das ist eine klare Kritik an den Autor! Er nehme mal als Referenz eine Folge der "Sendung mit der Maus" wo auf die Frage eines Kindes geantwortet wird, ob man auch mit Tannenzapfen fahren kann. Man kann übrigens. Hier wurden keine Konzepte vorgestellt und diskuttiert sondern nur polemisiert. Dieser Artikel wurde als Lückenfüller aus der Hüfte geschossen, und das merkt man nur zu deutlich.
john mcclane, 15.01.2010
4. Ich gebe keinen Titel mehr an
Zitat von kosiDas ist eine klare Kritik an den Autor! Er nehme mal als Referenz eine Folge der "Sendung mit der Maus" wo auf die Frage eines Kindes geantwortet wird, ob man auch mit Tannenzapfen fahren kann. Man kann übrigens. Hier wurden keine Konzepte vorgestellt und diskuttiert sondern nur polemisiert. Dieser Artikel wurde als Lückenfüller aus der Hüfte geschossen, und das merkt man nur zu deutlich.
Haben Sie sich mal die anderen Artikel aus dieser Reihe durchgelesen? "Abgewürgt" ist mit Abstand die schwächste Rubrik bei SpOn
Relation 15.01.2010
5. Verstehe ich jetzt nicht
Zitat von Laserstrahlsich durchsetzen. Das Problem mit den Akkus ist auch schon gelöst, nur vom Komfort heutiger Fahrzeuge müssen wir uns verabschieden.
Da bin ich mir nicht so ganz sicher. Ich habe mich bisher nicht so viel mit Elektroautos befasst, aber ich sehe bei den Akkus Probleme mit der Massenherstellung (Lithium soll ja knapp sein), der Lebensdauer (haelt ein Akku wirklich 10 oder mehr Jahre mit einer akzeptablen Speichermenge und was kostet ein Ersatzakku?). Das sehe ich bisher nicht am Horizont: die Elektroautos von denen ich gehoert habe hatten jedenfalls keine Einschraenkungen im Komfort sondern waren voll ausgestattet. Was die Reichweite angeht werden sich wohl Elektroautos ala Volt durchsetzen die ihren Strom mit einem Aggregat selbst erzeugen koennen, wenn die Batterie leer ist. Auch in Punkto Beschlaeunigung sehe ich grundsaetzlich nicht so viele Einschraenkungen: Elektroantriebe sind ja nicht gerade eben beschlaeunigungsschwach.
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