Land Rover Serie III, Baujahr 1982: Der Unkaputtbare

Land Rover Serie III, Baujahr 1982: Die Wüste lebt Fotos
Marc Obrowski

Frisch nach Australien übersiedelt, suchte SPIEGEL-ONLINE-Leser Marc Obrowski ein wüstentaugliches und robustes Fahrzeug, das einfach zu reparieren ist. Als perfekt für die Geisterstadt-Suche im
Outback erwies sich der Geländeklassiker - ein Land Rover.

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Marc Obrowski über das Leben mit seinem Land Rover Serie III, Bj. 1982, 2,3 Liter, vier Zylinder, Benzinmotor.

Im Jahr 1996 hatte ich vom Herumgebastele an Blech und Eisen aus den Siebzigern genug. Vorgabe für den Autokauf war etwas Neues und Bequemes. Und da ich gerade nach Australien gezogen war, sollte der Neuerwerb gleichzeitig wüstentauglich sein. Ich entschied mich zunächst für einen Land Rover Defender der ersten Modellreihe. Bei Probefahrten zeigte sich der zwar modern und bequem, verfügte über Servolenkung, Klimaanlage und Fensterkurbeln. Genau diese Teile aber empfand ich bald als unnützen Ballast.

Ich wollte einen richtigen Land Rover - mit großem Lenkrad, einfachen Lüftungsklappen und Schiebefenstern. Denn in dieser Mager-Ausstattung war der große Geländewagen mit 1,5 Tonnen Leergewicht sogar leichter als so mancher VW Golf. Und zwar trotz der zwei Ersatzräder, die platzsparend auf Motorhaube und Heckklappe angebracht waren, einer direkt vom Motor angetriebenen Winde und eines extra hohen Wagenheber als zusätzliches Bergungswerkzeug an Bord.

Das Leben kann so einfach sein

Der Zusatzstoßfänger, 'roo bar (kurz für Kängurufänger) genannt, ist ein Originalteil für australische Armee-Land-Rover. Ein großes Känguru ist bis zu 70 Stundenkilometer schnell und damit nur 40 km/h langsamer als der 2¼-Liter Vierzylindermotor, der den 4,5 Meter langen Dreisitzer beschleunigt.

Alles, was ich unter der Motorhaube fand, sah so aus, als ob ich es mit einem Leatherman-Werkzeug reparieren könnte. Auch von unten war die Welt in Ordnung. Zwei Starrachsen auf Blattfedern und fünf Trommelbremsen (die Handbremse hat ihre eigene Bremstrommel deren Bremskraft auf wahlweise zwei oder vier Räder übertragen wird). Dazu ein paar feine Details, wie die drei integrierten, abschließbaren Werkzeugkästen oder die geteilte Windschutzscheibe. Wenn sie ein Stein trifft, hat man noch die andere Hälfte (die man dann mit einem Leatherman nötigenfalls auf die Fahrerseite setzten kann). Die Karosserie ist aus Aluminium.

Was mich aber letztlich zum Kauf bewegte, war eine der praktischsten Erfindungen der Automobilgeschichte, heute wie anno 1885: eine Kurbel zum Anlassen. Sie verhindert den Tod in der Wüste, wenn Anlasser oder Batterie ausfallen und ein Anschieben am Sand scheitert. Ich ließ noch einen zweiten Tank und eine Differenzialsperre für die Hinterachse einbauen, dann ging es los.

Auf Geisterstadtsuche im australischen Niemandsland

Meine erste Geländetour mit dem Rover führte mich für ein paar Tage in die Goldfelder Victorias. In einem Buchladen hatte ich eine Sammlung fotokopierter Blätter gekauft, sie zeigten die mehr als 50 Geisterstädten auf, die es in Australien gibt - die wollte ich erkunden.

Zusammen mit Sean, einem Briten, den ich in der Jugendherberge getroffen hatte, und etwas Zeltausrüstung fuhr ich los. Wir fanden verlassene Orte mit Namen wie BB Township, Aberfeldy und Walhalla. Steile und rutschige Waldwege führten zu alten Häusern und Friedhöfen, neben den Stollen alter Goldminen lag verrostetes Bergbaugerät.

Auf einem besonders glitschigen Weg blieben wir stecken. Die Räder drehten im Schlamm durch, und der Wagen rutschte dem Abhang entgegen. Die Winde half nur wenig, weil die Hinterachse vom Weg abgekommen war, und der Wagenheber, ein Hi-Lift-Jack, entpuppte sich als eingerostet. Während ich es trotzdem mit dem Wagenheber versuchte, erwies sich Sean als erfinderischer. Er hebelte mit Baumstämmen den Wagen Zentimeter für Zentimeter wieder auf die Spur.

Von da ab fuhr ich regelmäßig auf Geisterstadtsuche. Mal allein, mal mit Freunden, immer im Land Rover. Nach den Goldfeldern war das endlose Outback dran. Wer geschickt mit allen sechs Hebeln - Gangschaltung, Vierradantrieb, Getriebeuntersetzung mit zweitem Leerlauf, Kupplungshebel für Windenabtrieb zwischen Haupt- und Untersetzungsgetriebe, Kupplungshebel für Windenantrieb und Handbremse - und dem pneumatischen Knopf für die hintere Differentialsperre hantiert, kommt mit diesem Auto überall durch.

Jedes Jahr was Neues zu reparieren

Ich bin beruflich viel unterwegs, daher steht der Wagen oft - manchmal sogar ein, zwei Jahre. Aber wenn ich dann Hand an die Benzinpumpe lege (die mittels eines kleinen Hebels auch manuell pumpt) und kurbele, springt der Motor sofort an. Immer.

Trotzdem klappert und rasselt alles, und jedes Jahr gibt es etwas Neues zu reparieren. Motor, Getriebe, Lenkung, Kupplung, Antriebsstrang: Das Leatherman (und manche Werkstatt) hat viel zu tun.

Aber niemals blieb der Wagen wirklich liegen. Was auch immer kaputt war, er fuhr weiter. Manchmal tausende von Kilometern zurück nach Melbourne. Defekt und gleichzeitig voll einsatzbereit. Land Rover sind nicht normal. Nichts kann mich dazu bringen, das 30 Jahre alte Auto durch etwas Neueres und Bequemeres zu ersetzten. Die nächste Reise in die Wüste ist bereits geplant.

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Markus Gölzer
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