Altmetall Polo GT, Baujahr 1991: Diva, Lieferwagen, Tattoo-Objekt

Die Beziehung zu ihrem Polo GT geht SPIEGEL-ONLINE-Leserin Laura Neiße unter die Haut. Sie verewigte die Erinnerung an ihr Fahrzeug mit einer Tätowierung - außerdem glaubt sie, dass ihr Coupé eine Diva sein muss. Die geräumige Kleine zickt, wenn sie nicht beachtet und gepflegt wird.

Polo GT Baujahr 1991: Die Lady ist ein Möbelpacker Fotos
Laura Geraldine Neiße

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Laura Neiße über das Leben mit ihrem Polo GT , Baujahr 1991.

Der perlgraue Polo GT ist mein erstes eigenes Auto und hatte bereits 186.000 Kilometer auf dem Tacho, als ich es kaufte. Der Zustand des Wagens war sehr gut, auch weil der Vorbesitzer ihn nur als reines Winterauto nutzte.

Für mich ist das der perfekte Wagen. Ich finde die alten Polo-Modelle einfach gelungen. Sie sind so klein, dass sie in nahezu jede Parklücke passen und trotzdem innen so geräumig, dass man mit ihnen auch größere Fracht transportieren kann. Außerdem sieht ein 91er Polo einfach gut aus.

Anfangs war meine Freude über ein eigenes Auto, das für seine 1,3 Liter und 75 PS tatsächlich recht spritzig fuhr, enorm. Leider gab es nach kurzer Zeit einige Wehwehchen. Zum Glück ist der Polo noch ein richtiges Auto und kein Computer mit vier Rädern. Deshalb kann man kleinere Reparaturen und Wartungsarbeiten meist selber erledigen oder sich von Freunden helfen lassen. Ersatzteile habe ich immer günstig im Zubehörhandel oder auf den örtlichen Schrottplätzen gefunden.

Schrauberwissen aus dem Netz

Mein Schrauberwissen habe ich aus dem Internet oder von guten Freunden und repariere möglichst viel in Eigenregie. Das schaffe ich aber eher mit kleineren Dingen wie Sicherungen wechseln, Innenteile ausbauen, Öl und Wasser prüfen und Fehlerquellen zu finden.

So viel Hinwendung zahlt sich aus. Mit jeder Panne und jeder Beule wuchs meine Zuneigung zu dem Youngtimer, der kaum jünger ist als ich. Meinem Polo widme ich nicht nur jeden zur Verfügung stehenden Euro, sondern auch ein Tattoo, das mir irgendwann das Leben ohne mein geliebtes Coupé erleichtern wird.

Ein neues Auto kommt für mich noch lange nicht in Frage. Dieser Wagen vermittelt noch einen Charme, den ich bei Neuwagen einfach vermisse. Außerdem fährt er sich weitaus besser als einige seiner Nachfolger. Die Lenkung ist präzise und direkt, das Fahrwerk vermittelt einen perfekten Eindruck der Fahrbahnbedingungen und lässt mich den Zustand der Straße spüren. Das finden einige vielleicht nicht besonders komfortabel, mir gibt das jedoch Sicherheit. Außerdem lenkt mich im Polo kein elektronisches Gepiepe und Geblinke vom Straßenverkehr ab.

Küsschen aufs Lenkrad für die flotte Diva

So begeistert ich von meinem Polo bin, muss ich trotzdem gestehen, dass er einige Macken hat. Der Kleine ist nicht der Zuverlässigste - an wichtigen Tagen hat er mich zum Glück noch nicht hängen gelassen. Mal spinnt der Anlasser oder der Motor geht einfach aus.

Deshalb glaube ich, dass mein Wagen eine Seele besitzt - und zwar eine weibliche. Mein Polo springt nur an, wenn er möchte. Er hat Launen wie ein Mensch. An einem guten Tag läuft er zügig und zugleich sparsam und an einem schlechten Tag gehen gleich diverse Motorteile kaputt. Deswegen ist der Wagen meine Diva. Natürlich muss ein solches Wesen auch Zuwendung bekommen. Und wenn wir von einem langen Ausflug zurückkommen, gibt es auch mal ein Küsschen auf das Lenkrad.

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insgesamt 13 Beiträge
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1. polo gt
thaddy 26.07.2010
Zitat von sysopDie Beziehung zu ihrem Polo GT geht SPIEGEL-ONLINE-Leserin Laura Neiße unter die Haut. Sie verewigte die Erinnerung an ihr Fahrzeug mit einer Tätowierung -*außerdem glaubt sie, dass ihr Coupé eine Diva sein muss. Die geräumige Kleine zickt, wenn sie nicht beachtet und gepflegt wird. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,707599,00.html
ich hatte damals das gleiche fzg. und hab es bis zum familienzuwachs gehegt und gepflegt..einfach und reparabel aufgebaut.würde mich gern mit der halterin des autos austauschen.
2. meiner 1992
Dazzle 26.07.2010
letztes Jahr mit km Stand 118500 für 150€ als Winterauto zugelegt. Navi für Neupreis von 145€ war auch drin. Bilanz bisher: ca 150€ an Reparaturen investiert, davon 100€ an Blechteilen vom Schrottplatz in passender(!) Farbe um Unfallschäden rechts (Tür+Kotflügel/Stoßstange) zu beseitigen. Bissl Rost am Batteriefach (Problem Billigbatterie) ruhiggestellt, Bremsschläuche vorn ausgetauscht. Technisch sonst TipTop, TüV bemägelt zu tief eingestellen rechten Scheinwerfer, Reifen an Verschleißgrenze und einen Tropfen Öl am Getriebe. O-Ton TÜV Prüfer: diese Autos machen eigentlich keine Probleme, das ist noch gute Arbeit und die halten lange. Neuere Autos sind meist schon nach 10 Jahren reif für die Presse so verrostet sind die... Keine Zicke aber nur 45 Pferde.
3. Zicke auf Rädern
Dummschnaker 26.07.2010
Richtig erkannt: Der/die Polo ist das Auto für die Egalitäre-Gesellschaft. (In Frankreich sind Autos weiblich!). Siehe hierzu auch Walhöö. Kleine Anekdote hierzu: Zwei Lesben wollen mit Campingwagen in den Urlaub. Jetzt streiten sie, welche die Anhängerkupplung an ihrem Auto nachrüstet. (Siehe Walhöö).
4. Danke!
laura86c 27.07.2010
Vielen Dank für die lieben Beiträge! Ich darf dankend feststellen, dass wohl nicht nur ich Polo-bekloppt bin :) @Dazzle: Ähnliche Meinungen habe ich von MFZ-Meistern der alten Schule auch gehört. Es freut mich immer, wenn meine Diva auch mal gelobt wird, die meisten Menschen können einen jedoch nicht verstehen, was man an einem so alten und so unzuverlässigen Auto findet.
5. Du bist nicht allein... ;-)
86Chaster 27.07.2010
Danke für Deinen Beitrag, der Artikel könnte von mir sein. Auch wenn es nur ein Polo CL mit 55PS war, aber es war auch mein erstes Auto, dass ich mir selbst gekauft habe. Winter 1995/96: In einer Scheune stand er, DER Polo, meiner war männlich, kernig. Vom Vorbesitzer als 2. oder Drittwagen (mehr oder weniger) genutzt, hatte ich die Chance diesen Wagen zu meiner Nummer 1 zu machen. Gesagt, gekauft. 40000km und knapp 4 Jahre alt. Top Zustand. Sommer 1996: Die ersten Veredelungen mussten sein. Für dieses zuverlässige, kleine, flinke Auto war nichts zu teuer. Breitreifen, Alufelgen, Auspuffanlage mussten sein. Motto der Veredelung: auffällig aber nicht protzig! 1997/98: Der hat den Tiger im Tank. Mit Rückenwind und Heimweh greift bei 185km/h im 4. Gang (mehr gab es nicht) der Drehzahlbegrenzer ein. Was für eine Rakete :-) Im Laufe der Zeit kamen neben zahlreichen Kilometern, Sport-Fahrwerk, noch schöneren Felgen, weiße Blinker, rote Rückleuchten und ein CD-Wechsler dazu. Wie es in jungen Jahren halt so ist, schrauben am Auto führt zu Beziehungsstreß mit der Freundin. Wer erhält mehr der kostbaren Freizeit? Klar, der Polo. Gehegt und gepflegt verrichtete das Auto seinen Dienst bis 2004. Nach insgesamt 220000km auf dem Tacho, neuem Benzintank, wegen Durchrostung ausgetauschter Kofferraumklappe, etwas Flugrost an den Kotflügeln, einer neuen Kupplung und der mittlerweilen anstehenden 2 Reparatur der Zylinderkopfdichtung verkaufte ich meinen Traum vom Auto letztendlich an einen Kfz-Schrauber. Gesehen habe ich den Wagen dann noch 1-2 mal. Jeder Blick weckte Erinnerungen, an die Zeit, als ich den Wagen selber durch die Landschaft steuerte. Heute fahre ich wieder einen Polo, aber aus der neuesten Generation. Wie sich das anfühlt? Eher geschlechtslos. Das Auto. Das trifft es am besten. Goodby 86C.
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