Von Tom Hillenbrand
Es gibt Autos, bei denen wird einem schlecht. Manchem bereiten aufgespoilerte Kleinwagen Magenschmerzen; andere fühlen sich durch Familienvans mit "Mark-Oliver on Tour"-Aufklebern beleidigt. Mir hingegen geht immer dann die Kappe hoch, wenn ich einen Geländewagen sehe. Der Cayenne? Wohl der hässlichste Porsche aller Zeiten. Audis Q7? Blech gewordene Bräsigkeit. Sport Utility Vehicle (SUV) sind für mich die Moonboots unter den Pkw: Sie sind zu groß, sie sind uncool, sie beleidigen das Auge.
Dieses Sentiment hat inzwischen erfreulich viele Anhänger. Zunächst waren es erwartungsgemäß nur ein paar professionelle Nörgler und Umweltschützer, die sich an den Allradlern störten, etwa die Schweizer Jungen Grünen. Die bastelten schon vor einiger Zeit Anti-SUV-Buttons und verteilten Aufkleber mit Aufdrucken wie "Nieder mit dem Klima, Tropen für die Schweiz" oder "Ich bin auch ein Panzer".
Inzwischen ist Allradler-Verunglimpfung ein Breitensport. Seit der Absatz von SUVs einbricht, schmieren auch die Sympathiewerte dieser Autogattung ab. Der größtmögliche Geländewagen, so die bei vielen Menschen neuerdings vorherrschende Überzeugung, ist akut vom Aussterben bedroht. Und wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen.
Im Verkehr mit dem Hummer
In Blogs und Foren versuchen sich die Leute an Allradler-Witzen. Eine Kostprobe: "Warum werden Offroader immer höher und breiter? Damit die Leinwand für den Beamer Platz findet." Etliche der Spötteleien gehen der Frage nach, ob es eine inverse Korrelation zwischen den Abmessungen eines SUV und dem primären Geschlechtsorgan des Fahrers gibt.
Deftig geraten ist auch die Web-Seite "I humped your Hummer". In selbstgedrehten Videos posieren SUV-Hasser dort mit ausladenden Beckenbewegungen hinter dem notorischen GM-Geländewagen, der angesichts seiner grotesken Dimensionen (ein H1 braucht mitunter zwei Spuren) die Hass-Ikone der Geländewagen-Gegner geworden ist. Das dokumentiert auch die Seite fuh2.com, auf der bis dato mehr als 450 Einsender dem Humvee den Stinkefinger entgegenrecken.
Man kann so etwas als randseitiges Zelotentum abtun, aber das wäre falsch. Vielmehr zeigt es, dass nicht der Spritpreis dem Allradler den Garaus machen wird, sondern der Mangel an gesellschaftlicher Akzeptanz und das soziale Stigma, welche neuerdings mit dem Fahren dieser Autos verbunden sind.
Ein weiteres Indiz: Die SUV-Verhohnepipelung ist inzwischen im Mainstream angekommen. Im "Stern" zeichnet Cartoonist Haderer Allradautos als todgeweihte Riesenechsen; in der australischen Comedyshow "The Chaser's War on Everything" lief eine Parodie des Musicals "Grease", in der ein Tanzensemble den "Gas Guzzler Song" zum Besten gibt: "Ich verfeuer' Benzin, bis der Planet verreckt, und überfahre kleine Kinder."
Suzuki erfindet den SUVosaurus
Selbst Autohersteller versuchen, die Anti-SUV-Welle für sich zu nutzen. Suzuki schaltete in den USA einen recht kurzweiligen Werbespot, in dem Allradler als Brontosaurier dargestellt werden, die in einer Autokarosserie stecken und sich ungehemmt mit Benzin vollaufen lassen.

Nach meiner letzten Geländewagen-Polemik schrieb mir ein Leser trotzig, sein Dickschiff garantiere ihm "Street Credibility" und "neidische Blicke". Inzwischen muss man sich als urbaner Panzerpilot eher auf Kratzer, Aufkleber und Getuschel der Nachbarschaft gefasst machen.
Ziemlich deplaziert wirkt inzwischen die Herstellerwerbung mancher Geländewagenproduzenten. Auf der Seite der Firma Land Rover etwa heißt es: "Das Erscheinungsbild des Range Rover" werde "in der ganzen Welt bewundert".
Da ist wohl mal ein Update fällig.
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