Atlas der schrägen Ortsnamen Ab nach Blödesheim

Schräges Deutschland: Wer sich über anzügliche Sprüche im Fernsehen echauffiert, sollte erst mal auf eine Landkarte Deutschlands schauen. Dort gibt es Wollüstiges, Phantastisches oder die perfekten Orte für eine Sauftour. Der "Atlas der 999 Seltsamen Ortsnamen" liefert eine amüsante Übersicht.

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Kalimedia

Zuerst in Pichelsdorf ordentlich einen heben und sich dann in Kotzen übergeben. Das ist zwar keine erstrebenswerte Unternehmung, aber durchaus möglich, denn diese Orte gibt es tatsächlich. Der Start des zweifelhaften Vergnügens ist ein Ortsteil im Westen Berlins. Natürlich entspringt der Name nicht den Trinkgewohnheiten der Bewohner, sondern bezieht sich auf Pichel, eine alte Bezeichnung für Pech. Denn in dem erstmals 1375 erwähnten Pichelsdorf wurde unter anderem dessen Vorstufe Holzteer gewonnen.

Das Ziel unserer Tour liegt rund 70 Kilometer westlich. Der Name der Gemeinde hat nichts mit Erbrechen zu tun, sondern hat sich aus dem ursprünglich slawischen Namen Cossym (Haarbüschel) und Cossa (Ziege) zur heutigen Bezeichnung Kotzen entwickelt.

Auf der Deutschlandkarte gibt es skurrile Ortsnamen zuhauf - die wildesten sind nun im "Atlas der 999 Seltsamen Ortsnamen" zu finden. An der Faltkarte mit 24 Kategorien wie etwa "Notdurft", "Gruseliges" und "Erfreuliches" haben der Kartograph Stephan Hormes und seine Ehefrau Silke Peust aus Lübeck sechs Wochen gearbeitet.

Das Werk sollte kein weiteres Buch über schräge Bezeichnungen werden. "Wir kamen auf die Idee, die Ortsnamen in eine Deutschlandkarte einzutragen. Verwundert blickten wir auf das Ergebnis - wir schauten auf ein seltsames Land", sagt Hormes. Zur besseren Orientierung ergänzte das Ehepaar den Plan um einige größere Städten wie Berlin, Hamburg und München. Leider gibt es zu den köstlichen Beispielen nur wenige Herleitungen, sondern lediglich eine eher generelle Abhandlung der Sprachentwicklung.

Ursache für die teils absurden Bezeichnungen ist oft das Prinzip der stillen Post. So wurde zum Beispiel der Ort Blatmarisheim 788 benannt nach einem Franken namens Blatmar. Bereits 1070 kannte man das Nest unter dem Namen Blettenesheim und rund 200 Jahre später wurde daraus Bleidinsheim. Im Jahre 1613 bekam es dann die wenig schmeichelhafte Bezeichnung Blödesheim.

Die räumliche Verteilung offenbart zahlreiche Kuriositäten. Für eine Gemeinde oder einen Ort kann ein alberner Name durchaus vorteilhaft sein, wie ein Beispiel aus Oberösterreich belegt. Besonders Touristen aus dem englischsprachigen Raum pilgern gerne nach Fucking - der Grund dürfte offensichtlich sein. Und die Fuckinger sind konsequent, wenn es um ihren Ortsnamen geht. Im März 2010 ließen sie sich den Namen für ein Bier im europäischen Markenamt eintragen: Fucking Hell. Übrigens: Fucking liegt rund 31 Kilometer nördlich von Petting.

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