Günstige Oldtimer - Audi 200 Bond-Auto zum Billigpreis

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Audi 200.

Audi

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Audi 200

Audi 200 Quattro 20V
Audi

Audi 200 Quattro 20V

Allgemeines zum Modell: Anfang der Achtzigerjahre haftete Audi das Image vom Hersteller biederer Spießerautos an. Fahrzeuge aus Ingolstadt galten zwar als solide, typisches Accessoire der Besitzer war aber die umhäkelte Klopapierrolle auf der Hutablage. Das wollte die Marke ändern: Erklärtes Ziel war der Vorstoß in die Oberklasse, mehr Chic, weniger Schnarch. Das Modell Audi 200 sollte es richten.

Die erste Generation des 200 (Typ 43) war bereits 1980 auf den Markt gekommen, entpuppte sich wegen mangelnder Rostvorsorge allerdings als untauglich für den Aufbruch ins Premiumsegment. 1983 legte Audi deshalb nach: Die zweite Baureihe des 200 (Typ 44) verfügte über Innovationen wie den Allradantrieb Quattro, mit dem Audi zu dieser Zeit die Rallye-Weltmeisterschaft aufmischte. Hinzu kam ein 182 PS starker Fünfzylinder-Turbomotor, der den Audi 200 zwischenzeitlich zur schnellsten Serienlimousine der Welt machte. Spitzengeschwindigkeit: 230 km/h.

Was sich nach kompromisslosem Neustart anhört, war in Wahrheit eine geschickte Weiterentwicklung. "Im Prinzip war der Audi 200 nichts anderes als ein stark aufgewerteter Audi 100", sagt Andrea Teetzen vom Verein "Freunde des Audi Typ 44 e.V.".

Mit dem Mitteklassemodell 100 - immerhin "Auto des Jahres 1982" - war der 200 nahezu baugleich. Ein bestehendes Modell mit Extras aufmotzen und damit kostenschonend ein neues Flaggschiff konstruieren - diese Strategie hatte Opel kurz zuvor schon angewendet und auf Basis des schlichten Rekord den vergleichsweise luxuriösen Senator geschaffen.

Ab 1984 war der Audi 200 auch als Kombivariante Avant erhältlich. Dennoch blieb der 200 weiterhin eng an den 100 angelehnt, und damit auch Defizite in der Konstruktion bestehen. Vor allem der relativ kurze Radstand wurde den Ansprüchen der Oberklasseklientel nicht gerecht. Ändern sollte sich das erst mit einer umfangreichen Modellpflege im Jahr 1988: Unter der Regie von Designer Peter Schreyer wurde der komplette Innenraum modernisiert. Neu waren zum Beispiel das geschwungene Armaturenbrett und die Türverkleidungen. Bequem gepolsterte Velourssitze gab es ab Werk, edleres Ledermobiliar als Sonderausstattung. Hinzu kamen Extras wie elektrisch verstellbare Sitze und eine Klimaautomatik.

An der damals schon unzeitgemäßen Dreigang-Automatik hielt Audi dagegen über den gesamten Produktionszeitraum bis 1991 fest. Die meisten Kunden entschieden sich deshalb für das Fünfgang-Schaltgetriebe. Zwar etwas knochig, passte es ganz gut zum sportlich abgestimmten 200. Krönung der Modellreihe war ab 1989 der Audi 200 Quattro 20 V mit 2,2-Liter-Vierventil-Fünfzylinder und 220 PS, ausgestellten Radläufen, Tieferlegung und Sportsitzen. "Ein Porsche-Schreck" nennt Andrea Teetzen ihn, unter den "Freunden des Audi Typ 44 e.V." werden dem 200 Quattro 20 V Zwischenbeschleunigungswerte eines Ferrari Testarossa attestiert.

Mit Verkaufspreisen um die 75.000 Mark auch für weniger stark motorisierte 200 inklusive Extras (Basis-Motorisierung war in späteren Jahren ein 2.2 Turbo mit 165 PS und Kat) war Audi dann auch preislich in der Oberklasse angekommen.

Trotz der Bemühungen, zu Herstellern wie Mercedes und BMW aufzuschließen, blieben die Verkaufszahlen des 200 letztlich bescheiden. Heute sind sich selbst viele Fans der Marke mit den vier Ringen einig, dass Audi erst 1994 so richtig in der Oberklasse ankam - dank der Luxuslimousine A8.

Weder James Bond noch der berühmteste TV-Arzt der Bonner Republik konnten da helfen: 007 war 1987 gleich in zwei Audi 200, einer Limousine und einem Kombi, im Auftrag ihrer Majestät unterwegs. In dem Film "Hauch des Todes" war das. Den damaligen Bond-Darsteller Timothy Dalton ereilte das gleiche Schicksal wie den Audi 200: Beim Publikum kam er nie so richtig an. Und auch das Product Placement in der "Schwarzwaldklinik" brachte nicht den erhofften Erfolg. Der Hüpfer von Sascha Hehn alias Dr. Udo Brinkmann ins Golf Cabrio ist heute legendär. Aber wer erinnert sich schon daran, dass Chefarzt Professor Klaus Brinkmann einen Audi 200 fuhr?

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Günstige Oldtimer - Audi 200: Als Audi fast mal Oberklasse war

Warum ausgerechnet der? Der Glamour eines Bonds oder Brinkmanns passte gar nicht zu den wahren Tugenden des Audi 200: Dieser war wegen seines kantig-schlichten Designs nämlich eher ein Auto des Understatements, gleichzeitig aber mit einer robusten und langlebigen Technik gesegnet. Und wer mit einem Exemplar mit Fünfzylinder-Turbomotor unterwegs ist, kann heute noch jede Menge Fahrspaß erleben.

Von außen mögen zwar nur kundige Betrachter den Unterschied zum Brot-und-Butter-Modell Audi 100 erkennen; aber es gibt zahlreiche Details, die den Audi 200 von seinem kleinen Bruder abgrenzen. Zum Beispiel die hochwertigeren Türdichtungen, die bessere Dämmung und die zusätzliche Sicke in der Motorhaube, die das Auto kraftvoller wirken lässt.

"Der Audi 200 wurde immer schon unterschätzt", sagt Fanclubmitglied Andrea Teetzen. Und gilt das nicht irgendwie auch für Timothy Dalton als Bond-Darsteller?

Verfügbarkeit: Wegen der einst überschaubaren Produktionszahlen ist das Angebot heute recht dünn. Gute Audi 200 befinden sich inzwischen in Liebhaberhand und werden selten weggegeben, schon gar nicht unter Wert. Hinzu kommt, dass viele der Autos wegen ihrer Verlässlichkeit auch Vielfahrern dienten und schlicht verbraucht wurden. Eine Exportwelle von Gebrauchtwagen Mitte der Neunzigerjahre schmälerte den Bestand endgültig. Etliche Audi 200 gingen damals nach Osteuropa, wo man die Vorzüge des Wagens - eine verzinkte, rostbeständige Karosserie und Technik aus dem VAG-Regal - zu schätzten wusste.

Ersatzteilversorgung: Auch wenn die Traditionsabteilung von Audi sich bemüht, Ersatzeile heran- oder wiederzubeschaffen: Die Teilesituation ist für 200-Fahrer angespannt. Im Vergleich zu Haltern klassischer Mercedes oder BMW haben es die Audi-Besitzer schwer - gängige Verschleißteile wie Bremsbeläge oder einzelne Fahrwerksteile mag es noch günstig auf dem Zubehörmarkt geben, bei Interieur oder Karosserieteilen wird es aber schwierig. Selbst Scheinwerfer sind nicht mehr original über Audi erhältlich.

Nahezu hoffnungslos ist die Suche nach speziellen Teilen, wie ausgestellte Kotflügel für den Quattro 20 V. Da ist viel Eigeninitiative gefragt, ähnlich wie bei Opel, wo der Hersteller auch nicht viel für den Erhalt seiner Oldtimer tut und die Fans sich selbst organisieren müssen: über Clubs, Foren und regelmäßige Treffen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Kotflügel vorn: gebraucht ab 80 Euro

Innenausstattung komplett: gebraucht ca. 300 Euro

Scheinwerfer: gebraucht ca. 200 Euro

Ersatzmotor: gebraucht ca. 1.000 Euro

Schlicht, aber übersichtlich: Das Armaturenbrett eines Audi 200
Audi

Schlicht, aber übersichtlich: Das Armaturenbrett eines Audi 200

Schwachstellen: Trotz einer mindestens teilverzinkten Karosserie kann Rost beim Audi 200 ein Problem sein. Anfällig ist beispielsweise das innenliegende Blech rund um den Tankstutzen. Aber auch Radläufe, Endspitzen oder Wagenheberaufnahmen gammeln häufig.

Die Karosserie beim Audi 200 ist sehr weich konstruiert, daher stellt sich im Alter eine deutliche Verwindung ein. Auch Risse im Vorderwagenbereich kommen vor, insbesondere bei den leistungsstarken Modellen, weil das hohe Drehmoment in Kombination mit dem sehr weit vorne liegenden Fahrzeugschwerpunkt für Verzug sorgt.

Mechanisch gilt der Audi 200 dagegen als extrem robust, wobei sich bei hohen Kilometerständen jenseits der 200.000 Kilometer zumindest die Nebenaggregate auch jederzeit verabschieden können.

Preis: Bereits ab 2000 Euro findet man Audi 200 in den Gebrauchtwagenbörsen, manche darunter sind vielleicht noch brauchbar, andere Ruinen mit Reparatur- und Wartungsstau. Wegen der mangelhaften Verfügbarkeit von Ersatzteilen empfiehlt es sich, lieber gleich in das bessere zu Auto investieren - für 4000 bis 6000 Euro gibt es bereits ordentliche Exemplare, auch die potenten Turbos. Deutlich teurer sind die Quattro 20 V. Hier gehen die Preise bei aktuell etwa 10.000 Euro los.

Wo Audi in den Achtzigern sein Budget geschont hat und den Audi 200 auf Basis des Audi 100 aufbaute, können Oldtimerfreunde heute natürlich den Spieß umdrehen: Alternativ zum Audi 200 bietet sich zum Beispiel der Audi 100 Turbo an. Den gibt es schon für um die 2500 Euro, teils sogar mit noch gültiger HU-Plakette.

Anlaufstellen im Internet:

www.langzeitauto.de (Freunde des Audi Typ 44 e.V.)

forum.group44.de (Forum für Audi 100 und Audi 200)

www.audi-club-international.de Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
ExigeCup260 02.09.2017
1.
Das waren noch Zeiten: Oberklasselimousinen mit einem Leergewicht unter 1300kg... Aber wer möchte schon Autos mit einer Gewichtsverteilung von >60:40 fahren???
redneck 02.09.2017
2.
Grauslige Spiesserkiste. Das Spiesserimage ist noch krasser als früher. Mangelnde Quali, fährt sich besch.... keine E-Teile. Besser mit kleinem Engländer anfangen.
Susi Sorglos 02.09.2017
3. Das waren noch Zeiten
als die Audi ihren "Audi Advent" bauten (den mit den 5 Kerzen) und alle Audi eiterfarbenes Metallicgrün hatten, auf der Heckklappe das Alter des Fahrers.....
bibabuzelmann 02.09.2017
4. @2 redneck Heute, 11:02
Zitat von redneckGrauslige Spiesserkiste. Das Spiesserimage ist noch krasser als früher. Mangelnde Quali, fährt sich besch.... keine E-Teile. Besser mit kleinem Engländer anfangen.
Wo haben sie bitte die Mär her, dass es keine Ersatzteile gäbe? Der Audi 200 ist nur ein aufgebrezelter Audi 100, der millionenfach gebaut wurde. Ersatzteile gibts deshalb genug. Und die Motoren halten auch ihre 400-500T Kilometer. Damals in den 80igern wurde noch auf Qualität geachtet.
Fritz.A.Brause 02.09.2017
5. Als Teilespender...
...unschlagbar :-) Den Fünfzylinder 20V Turbo findet man nicht mehr so leicht und man kann herrliche Umbauten daraus mache. Z.B. einen A4 B5 Sechzylinder seines *gähn* Motors berauben und den Fünfzylinder reinbauen. Super Basis und mit entsprechendem Einsatz für 500+ PS gut. So hat der olle 200er dann wenigstens noch einem guten Zweck gedient.
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