Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Florian Scharf über das Leben mit seinem Audi 80 2.0 Automatik, Baujahr 1992 .
Es war ein Problem mit den Bremsen, das mich 2002 von meinem alten Audi 80 B3, einem seltenen 1.9 E, trennte. Spritzwasser und Salz hatten die Sättel zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre unbrauchbar gemacht, hinzu kamen weitere anstehende Reparaturen. So lieb mir der 1.9er auch geworden war, es war Zeit für einen neuen Alten.
Völlig klar war, dass der würdige Nachfolger nur wieder ein Audi werden konnte. Ich studierte damals in Ulm; meine finanziellen Mittel waren daher eher begrenzt. Mehr durch Zufall stolperte ich in einem Online-Portal über den grauen Audi 80 aus dem Jahr 1992. Der günstige Preis erregte sofort meine Aufmerksamkeit. Optisch schien er ebenfalls in tadellosem Zustand zu sein, und er hatte nur 54.000 km auf der Uhr. Das zunächst einzige Manko war das Automatikgetriebe.
Ich fuhr mit dem Zug vom Süden in die Nähe von Braunschweig, um mir den Wagen anzusehen. Der günstige Kaufpreis wäre auch mit einem Bahnticket immer noch gut. Nach kurzer Besichtigung war für mich klar: Der Audi wird es. Neben dem Automatikgetriebe offenbarte sich allerdings ein weiterer Wermutstropfen: Der Vorbesitzer war offensichtlich starker Raucher. Obwohl der gesamte Innenraum nahezu makellos aussah, der Geruch erinnerte eher an eine Bahnhofskneipe.
Tiefenreinigung für den Innenraum
Lüften allein half da nicht. Eine Polstertiefenreinigung und alles, was die chemische Industrie sonst noch zu bieten hatte, eliminierten den Nikotingeruch letztendlich. Ich war froh, dass der Limousine zum Glück wenigstens Brandlöcher oder ein grauer Aschenbecher erspart geblieben waren.
Die Sonderausstattung des anthrazitfarbenen Audi war recht sparsam. Velourssitze, Drehzahlmesser und Nebelscheinwerfer mussten reichen, und auf eine Klimaanlage hatte der Erstbesitzer bei der Bestellung leider verzichtet. Dafür gab es bei Audi Anfang der Neunziger procon-ten (programmed contraction und tension). So hieß ein Seilzugsystem, das versuchte, das Lenkrad bei einem Aufprall rechtzeitig verschwinden zu lassen, bevor der Fahrer zu spüren bekam, dass es noch keine Airbags gab.
Ein echter Fortschritt war die umklappbare Rückbank, die so ausreichend Laderaum bot. Ansonsten merkte ich kaum, dass ich in einem neuen gebrauchten Auto saß. Das Interieur erinnerte stark an seinen Vorgänger, die Armaturentafel unterschied sich nur in Details. Um das Cockpit modisch ein wenig aufzupeppen, hatte der Vorbesitzer den Instrumenten Chromringe spendiert.
Blaue Rauchwolken auf der A 7
An den Vorzügen des Audi wie der Zuverlässigkeit, der Laufruhe und der Verarbeitung hatte ich nichts auszusetzen, lediglich das Automatikgetriebe habe ich bald bereut. Zum einen sind die 115 PS des Zwei-Liter-Aggregats nicht sehr üppig bemessen für das deutlich höhere Gewicht des Fahrzeuges. Die Sport-Taste sorgte allenfalls für einen späteren Schaltpunkt der Vierstufenautomatik und vor allem für einen höheren Kraftstoffverbrauch.
Damit wären wir beim zweiten Schwachpunkt dieser Fahrzeug-Getriebe-Kombination: Ich habe es nicht einmal geschafft, den Verbrauch von 10 Liter auf 100 km zu unterschreiten. Da war ich vom Vorgänger anderes gewohnt. Nach oben hin war die Verbrauchskurve hingegen flexibler, 13 Liter auf 100 Kilometer waren durchaus machbar.
Sonst konnte ich mich allerdings nie über den neuen Audi 80 beschweren. Mehr als übliche Verschleißreparaturen ereilten mich nie, auch die problematischen Bremssättel hielten stand. Lediglich ein Simmering am Getriebe verabschiedete sich einmal auf der A7. Blaue Rauchwolken wiesen meine Spur, so konnte mich der Abschleppdienst zumindest zügig aufspüren.
Heute fahre ich nach wie vor Audi, allerdings einen Avant. Die stetig steigenden Benzinkosten ließen mich schließlich doch zu einem TDI wechseln, 2005 habe ich das Sport-Tasten-Wunder verkauft. Das war im übrigen ein zähes Unterfangen. Das mit dem Getriebe hatte sich wohl herum gesprochen.
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