Günstige Oldtimer - Audi Cabriolet Reisen mit Lichtgeschwindigkeit

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Wir stellen sie vor. Diesmal: das Audi Cabriolet.

Michael Gericke

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Audi Cabriolet

Ein schöner Rücken kann schon entzücken: Audi Cabriolet
Michael Gericke

Ein schöner Rücken kann schon entzücken: Audi Cabriolet

Allgemeines zum Modell: 1991 brachten die Ingolstädter ein für die Marke fast schon fesches Cabriolet auf den Markt, das auf dem Audi Coupé (Typ 89) basierte. Ein Vierteljahrhundert ist das jetzt her, und streng genommen ist der erste offene Audi damit noch kein Oldtimer (Mindestalter 30 Jahre). Die Pläne für den eleganten Frischluft-Gleiter gehen aber bis weit in die Achtzigerjahre zurück. Damals war Audi noch der Inbegriff biederer, wenngleich sehr zuverlässiger Fahrzeuge: auf der Ablage eine umhäkelte Rolle Klopapier, am Steuer ein Fahrer mit Hut.

Audi Coupé und Audi Cabriolet basieren auf dem Audi 80 (B3), der ab 1986 verkauft wurde. Dieses Auto hat seinen Ruf als fades Rentnerauto bis heute nicht abgelegt, dafür ist es grundsolide. Von Anfang an wurde der B3 mit einer vollverzinkten Karosserie ausgeliefert. Dadurch hat man mit Rost - anders als bei den meisten anderen Oldtimern - nahezu keine Probleme. Bis heute sind unzählige Audi 80 B3 auf den Straßen unterwegs.

Der Nachfolger B4 (ab 1991) war kein neues Auto, aber auch mehr als ein Facelift: Neben optischen Korrekturen (in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger, neu designte Motorhaube) wurde dem B4 eine neue Verbundlenkerachse spendiert, wodurch sich der Radstand und der Kofferraum vergrößerten. Die Fahrzeuglänge wuchs um acht Zentimeter. Zudem waren in der Baureihe erstmals Sechszylinder erhältlich.

Audi Sportcoupé und Audi Cabriolet ähneln dem B4, basieren aber auf einer eigenständigen Plattform (Typ 89), die gegenüber dem B4 einen verkürzten Radstand hat. Während das Coupé nur bis 1996 gebaut wurde, lief das Cabriolet bis 2000 vom Band - in den letzten zwei Produktionsjahren nicht mehr in Ingolstadt, sondern beim Cabrio-Spezialisten Karmann im westfälischen Rheine. Zu Beginn gab es das Cabriolet nur mit einem 2,3-Liter-Fünfzylindermotor (133 PS). Wenig später folgte der große 2,8-Liter-Sechszylinder (174 PS), es gab aber auch kleinere Vierzylinder. Ansonsten wurde der Wagen knapp zehn Jahre fast unverändert gebaut.

Das ist doch die Krönung: Top-Motorisierung war ein V6
Michael Gericke

Das ist doch die Krönung: Top-Motorisierung war ein V6

Warum ausgerechnet der? In Bezug auf Cabrios gibt es eine einfache Regel: Sie sehen mit ihrer Stoffmütze im Vergleich zum Blechdach immer traurig aus. Und auch mit heruntergelassener Haube fließen die Linien selten so wie bei der geschlossenen Variante. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Audi Cabrio. Mit seiner vollkommen humorfreien, schnörkellosen Seitenlinie, die vom Bug bis zum bulligen Heck sanft ansteigt, ist es ein Traum für Fans minimalistischen Designs. Oder, anders gesagt: Offen gestanden sieht der Wagen einfach geil aus. Und selbst zu ist er kein Schmu: Während die Verdecke anderer Cabrios oft aussehen wie ein windgebeuteltes Iglu-Zelt kurz vor dem Kollaps, kann sich das Audi-Stoffdach durchaus sehen lassen.

Vor dem begehrten 3er BMW Cabrio (E30), vor 25 Jahren praktisch DAS Cabrio der Mittelklasse, braucht sich der Audi jedenfalls nicht verstecken. Gut, der E30 hat klassischen Hinterrad- und der erste offene Audi "nur" Vorderradantrieb. Dafür ist der Viersitzer mit den vier Ringen heute deutlich günstiger zu haben als ein offener 3er BMW. Selbst ein Golf Cabriolet ist teurer, dabei ist der VW viel kleiner und mit dem sperrigen Überrollbügel für viele eher ein Weg- als ein Hingucker.

Und der Audi ist voll alltagstauglich, selbst im Winter. Denn es gab ihn auch mit Sitzheizung - "und die ist ganz hervorragend", bestätigt Michael Gericke vom Audi Cabrio Club. Für den Sommer bot Audi zudem ein optionales Windschott an, das unangenehme Luftverwirbelungen (die kommen während der Fahrt nie von vorne, sondern immer von hinten) komfortabel von den Insassen fernhält. Bei Fahrzeugen mit kargerer Ausstattung kann man das Windschott übrigens nachrüsten, der Preis liegt bei etwa 200 Euro. Viele Audi Cabriolets sind so das ganze Jahr als Daily Driver im Einsatz.

Fotostrecke

13  Bilder
Günstige Oldtimer - Audi Cabriolet: Das Cabrio fürs ganze Jahr

Verfügbarkeit: Mehr als 26.000 Audi Cabriolets sind laut Kraftfahrzeugbundesamt noch zugelassen, die Auswahl ist also groß. Allerdings trennt sich bei näherem Hinsehen oft die Spreu vom Weizen. Nicht wenige Exemplare wurden durchgereicht und von den Dritte- und Vierte-Hand-Besitzern mitunter nur einen Sommer gefahren, ohne in den langfristigen Erhalt des Fahrzeugs zu investieren. Entsprechend groß kann dann der Reparatur- und Wartungsstau bei diesen Resterampen sein.

Bei der Motorisierung sind eigentlich alle Varianten empfehlenswert, selbst der Zweiliter-Vierzylinder mit 115 PS ist zum Cruisen vollkommen ausreichend. Einzig von der Turbodiesel-Version ist abzuraten, jedenfalls für diejenigen, die auch mal in die Umweltzonen der Großstädte fahren möchten. Der Selbstzünder lässt sich nicht mit einem Partikelfilter nachrüsten, folglich gibt es auch keine grüne Plakette.

Ersatzteilversorgung: Karosserieteile sind allesamt noch über den Volkswagen-Konzern erhältlich. Aber aufpassen: Die Komponenten der B3-Limousine passen wegen des unterschiedlichen Radstands größtenteils nicht. Cabrio-spezifische Teile sind teilweise nicht mehr lieferbar. Das betrifft aber eher banale Features wie die elektrische Kurzstab-Motorantenne, die sich auch durch eine gewöhnliche Antenne ersetzen lässt. Dann ist der Wagen zwar nicht mehr zu 100 Prozent original. Aber es ist unwahrscheinlich, dass der Kfz-Prüfer dem offenen Audi deswegen in ein paar Jahren das H-Kennzeichen verweigern wird. Vordere Zierleisten mit Audi-Emblem sind ebenfalls rar, genau wie die Bolero-Alufelgen mit zehn Speichen in 17 Zoll. Unterstützung bei der Ersatzteilsuche und bei technischen Problemen bietet der hilfsbereite Audi Cabrio Club, der auch ein Forum für Frischluft-Fans unterhält.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorn: ca. 120 Euro
  • Satz Bremsbeläge vorn: ca. 100 Euro
  • Kotflügel vorn: ca. 220 Euro
  • Lichtmaschine: ca. 280 Euro

Schwachstellen: Wegen der vollverzinkten Karosserie ist Rost beim Audi Cabriolet kein Thema. Blüht doch irgendwo die braune Pest, deutet das auf einen Unfallschaden hin. Anfällig sind die zwei Kabelbäume, die in die Heckklappe münden. Beide werden im Alter brüchig und verlieren ihre Funktion: Entweder das elektrische Verdeck schließt nicht mehr oder die Lichter am Heck hören auf zu leuchten. Audi bietet für mehrere Hundert Euro komplette Ersatzkabelbäume. Die deutlich günstigere Alternative ist, die brüchige Stelle selbst mit einem Stück Reparatur-Kabel zu flicken. Das bekommt man im Elektro-Zubehörhandel für 1,50 Euro.

Preis: Ab etwa 1000 Euro findet man fahrbereite Audi Cabriolets, teils sogar mit gültiger HU-Plakette. Diese Autos sind aber oft in schlechtem Zustand oder durch Tuning verschandelte Bastelbuden. Ab circa 3000 Euro gibt es gepflegte Exemplare, bei denen sich auch der langfristige Erhalt lohnt.

Anlaufstellen im Internet:

Audi Cabrio Club Ersatzteile für klassische Audi

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
meinemeinungistdas 21.01.2017
1.
Ich finde das BMW E30 Cabrio sieht aber um einiges besser aus als das Audi Cabrio, obwohl das auch nicht schlecht aussieht ;-) Einen E30 fahren ist einfach ein Gedicht!
Bobby Shaftoe 21.01.2017
2. ein wirklich schöner Audi
Damals konnte Audi noch schöne Autos bauen. Leider sind die meisten günstigen Audi Cabrios gnadenlos kaputtgetuned oder in widerwärtigsten Farben lackiert. Lufthutzen auf der Motorhaube bei Preisen unter 6000 Euro genauso häufig zu finden wie hässliche Tieferlegungen, modifizierte Front- und Heckschürzen oder Lackierungen in Violett-Metallic.
Hupert 21.01.2017
3. Yep...
Zitat von meinemeinungistdasIch finde das BMW E30 Cabrio sieht aber um einiges besser aus als das Audi Cabrio, obwohl das auch nicht schlecht aussieht ;-) Einen E30 fahren ist einfach ein Gedicht!
...ich fuhr 3 Jahre eines der späten E30 Cabrios, schon mit E-Verdeck und dank Hardtop im Sommer wie im Winter und liebte den Wagen. Ich habe mich damals gern in eher linksalternativer Subkultur rumgetrieben und musste die Kiste bei Konzerten immer ein paar Straßen weiter abparken, aber das Auto war einfach Traum in Mauritiusblau. Ein Taxifahrer ist mir dann irgendwann ungebremst hinten rein gefahren und der Traum war aus, aber ich schaue seit dem immer mal wieder nach einem gepflegten unverbastelten Exemplar. Der Markt ist jedoch mittlerweile klein und ziemlich teuer. Das Audi Cabriolet hab ich letztens schon versucht meiner besseren Hälfte ein wenig schmackhaft zu machen, aber sie finden den hässlich, ich fand den früher auch nicht so toll aber mittlerweile freue ich mich echt wenn ich mal einen auf der Straße sehe.
veccctor 21.01.2017
4. Warum dieser auf den Bildern?
Das Audi Cabrio hat definitiv eines der zeitlostesten Designs ever. Allerdings wurde dies erst mit dem letzten Facelift 1998 erreicht. Bei den Modellen davor hat mich immer etwas gestört, erst das letzte Modell kam wirklich wie aus einem Guss daher. Das ist nahezu perfekt! Von daher kann ich dem Autor auch nicht zustimmen, von wegen es wäre die gesamte Zeit fast unverändert gebaut worden. Was ich aber gar nicht verstehe, warum müssen zu diesem eigentlich tollen Text solche Bilder herhalten? Da wird noch erwähnt das leider die meisten verbliebenen Audi Cabrios verbastelt sind, und dann wird als Fotomodell genau so eines genommen. Schade. Der Wagen auf den Bildern hat nicht einmal die Original Rückleuchten, da sind diese unsäglichen US Rückleuchten dran. Und auch wenn die Felgen original sein könnten, schön sind sie trotzdem nicht (und zu klein) Im Text werden die einzigen Felgen, die auf dieses Auto gehören, doch sogar erwähnt: Die original 17 Zoll Bolerofelgen. So muss das, inkl. Original LE Scheinwerfer, aussehen: http://www.autoevolution.com/cars/audi-cabriolet-1991.html#agal_0 http://www.autoevolution.com/cars/audi-cabriolet-1991.html#agal_1
rw550 21.01.2017
5. Ein guter Beitrag, sachlich und zutreffend
Ich selbst fahre zwar seit 10 jahren den hier auch erwähnten Hauptkonkurrenten, den BMW E30, würde aber auch bei Bedarf den AUDI kaufen und den AUDI zum Kauf empfehlen. Der AUDI ist einfach jünger, technisch besser als der BMW und auch von der Qualität her hat AUDI gegenüber dem BMW E30 noch eine Schüppe draufgelegt. Guter Artikel, wie ich finde. Eine einzige Gegenrede sei erlaubt: Die vierzylinder Benziner würde ich nicht kaufen. Auch wenn die kleinen Motoren objektiv und subjektiv für Alles genügen: Wertsteigerung werden nur die Modelle mit großem Motor haben, die fünf,- und Sechszylinder. Ich prognostiziere: In wenigen Jahren ist der Fünfzylinder am Wertvollsten. Weil der typisch ist für AUDI, zu der Zeit. Ich behaupte: Prio1: Fünfzylinder, 2.Wahl: Die Vollfettstufe mit sechs Zylindern, letzte Wahl Vierzylinder Benziner, Diesel: sämtlich tot.
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