"Jeder verdient eine zweite Chance", findet Ronen Wasserman. Der Künstler aus Israel meint damit nicht bloß Menschen. Sondern auch Fahrzeugteile. Deswegen zieht er über die Schrottplätze seines Heimatlandes und sammelt ein, was andere entsorgen: Bremsscheiben, Felgen, Nummernschilder, Kofferraumdeckel oder ganze Karosserien. Aus dem Müll macht er Möbel.
Das Besondere dabei: Die Werke des 39-Jährigen sehen so elegant aus, als ob die dafür verwendeten Fahrzeugteile für nichts anderes geschaffen worden wären. Wenn er zum Beispiel das ausgefräste Stück eines Motorradtanks für einen Glastisch nutzt, dann schmiegt sich die Glasscheibe förmlich um den Entlüfter des Tanks.
Vielleicht liegt es an seinem liebevollen Umgang mit dem Schrott. "Ich hoffe, den ausrangierten Teilen neuen Lebensmut zu geben", schreibt er auf seiner Webseite. Schon bei der ersten "Begegnung" mit den Rädern, Karosserien und Kühlern erfahre er sofort, "was diese rostigen, verbeulten Dinger werden möchten".
Verständnis für den Blechmann
Klingt so, als ob Wasserman ein Verständnis für die Bedürfnisse von Altmetall entwickeln kann - und vor allem nach einem charmanten Marketingkonzept: Wasserman, der Schrottversteher. Passend dazu hat er sich den Künstlernamen Ronen "Tinman" ("Blechmann") gegeben, nach der gleichnamigen Figur aus der Geschichte "Der Zauberer von Oz". In dem Märchen wünscht sich der Blechmann nichts sehnlicher, als dass in seiner hohlen Dosenhülle ein Herz schlägt.
Ein rührendes Schicksal. Und so erfüllt Wasserman alias "Tinman" die Wünsche seiner Sammelobjekte: Die Motorhaube eines Volvo 240 GL wollte offenbar ein Spültisch werden, die Heckklappe eines Toyota-Lasters hatte Lust, als Schrank wiederzukehren, und einigen Teilen eines BMW 318 stand der Sinn danach, zu einer Schatztruhe zu verschmelzen.
Auf der Suche nach dem sexy Daimler
Als gelernter Maschinenbauer verstehe er sein Handwerk, sagt Wasserman. Seine Schubladentische haben massive Eisenrahmen, auf denen die Blechteile der Autos aufgezogen werden. Manche Stücke werden von ihm auf Hochglanz poliert und frisch lackiert - "natürlich mit Farben aus Geschäften für Autozubehör". Andere Stücke, wie die Tischplatte aus einer völlig zerschrubbten Tür eines Nissan-Transporters, überzieht er nur mit Klarlack und lässt sie in ihrem verlebten Zustand.
Im Grunde, so Wasserman, gehe es ihm um Nachhaltigkeit. "Für die Herstellung der Autoteile wurden eine Menge Ressourcen verbraucht, man sollte sie nicht einfach wegwerfen." Seine Möbel erfüllen deshalb seiner Ansicht nach einen doppelten Sinn: "Sie sind nützlich. Und sie bewahren den Hauch einer glanzvollen Automobilgeschichte in sich."
Am besten gefallen ihm Mercedes-Modelle aus den Fünfzigern und Sechzigern. "Das Design dieser Autos war genial. Die Kurven waren sexy geschwungen." Deshalb hofft er, auf seinen Streifzügen über die Schrottplätze auch mal einen wohlproportionierten Daimler zu finden. Welchen Wunsch er diesen Teilen erfüllen würde, weiß er schon: "Aus ihnen mache ich Luxusmöbel."
cst
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