Burnout-Wettbewerbe Laut, dreckig, schön

Die Reifen quietschen, die Motoren brüllen, dichter Qualm steigt auf: Bei Burnout-Wettbewerben machen Autofahrer all das, was im Straßenverkehr verboten ist. Der Fotograf Simon Davidson war dabei.

Simon Davidson

Von


Was im normalen Straßenverkehr als Erregung öffentlichen Ärgernisses eingestuft würde, wird auf sogenannten Burnout-Wettbewerben zur Kunst erhoben und löst frenetischen Jubel bei den Zuschauern aus: Reifen, die durchdrehen, bis sie qualmen.

Dazu braucht es erst mal nicht mehr als ein Auto mit drehmomentstarkem Motor und Feingefühl in den Füßen: Der Fahrer tritt auf die Bremse und dann aufs Gas. Weil die hinteren Bremsen nicht so stark wirken wie die vorderen, kann der Motor ihre Bremskraft überwinden. Die Hinterreifen drehen durch, das Auto bleibt stehen, die Pneus gehen durch die Reibungshitze in Rauch auf. Bei Wettbewerben müssen die Teilnehmer den Burnout eine fest definierte Zeit halten, dann die Bremse lösen und losdonnern - oder kunstvoll Figuren zirkeln.

Besonders beliebt sind diese Wettbewerbe in Australien. Der Fotograf Simon Davidson entdeckte sie eher zufällig, war aber sofort in ihren Bann gezogen: "Der Lärm, die Leidenschaft und Energie auf dem Platz ist berauschend. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen." 2008 entdeckte er diese Autoszene und fotografiert sie seitdem. Besonders begeistert ist er von den Oldtimern, die dort oft mitfahren. Kein Wunder: In seiner eigenen Garage steht ein Ford Falcon Coupé von 1964.

Jetzt wird es bunt

Davidson zeigt in seinen Fotos aber nicht nur die laute und dreckige Seite der Veranstaltungen, sondern auch deren bizarre Schönheit. Viele Teilnehmer verwenden spezielle Reifen, die mit Chemikalien behandelt sind. Wenn sie sich in Luft auflösen, färben die Chemikalien den Rauch bunt ein - die oft ohnehin schillernd bemalten Fahrzeuge werden dann noch in kunterbunten Qualm gehüllt.

Fotostrecke

15  Bilder
Burnout-Wettbewerbe: Wer raucht, wird selig

Dabei geht es Davidson bei allem Spektakel darum, die Ruhe im Sturm der Eindrücke zu finden. Er nennt es den "Zen-Moment", die perfekte Balance aller visuellen Elemente. Unter den vielen Tausend Fotos, die er bereits gemacht hat, erfüllen nur wenige dieses Kriterium.

Die Wettbewerbe zu fotografieren und den Zen-Moment zu finden, sei nicht einfach, sagt Davidson. Er muss einerseits nah an die Fahrzeuge rangehen - und gleichzeitig vermeiden, immer im Rauch zu stehen.

Burnout-Wettbewerbe waren einst eine Untergrundbewegung, heute gelten sie als ernsthafte Disziplin - mit Geld- und Sachpreisen. Dafür müssen die Fahrer in verschiedenen Kategorien überzeugen: Fahrfähigkeiten, Intensität des Rauchs, aber auch die Präsentation der Autos oder die Reaktionen des Publikums fließen in die Wertung ein.

Bei der Wahl der Fahrzeuge haben die Teilnehmer freie Hand, besonders verbreitet sind aber die sogenannten Muscle-Cars der Fünfziger-, Sechziger-, und Siebzigerjahre. "Ich habe auch mal ein Bestattungsfahrzeug und einen Abschleppwagen gesehen", sagt Davidson.



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.