Enttäuschende Autos 2014 Die missratenen Vier

2014 sind unzählige neue Fahrzeuge auf den Markt gekommen - mindestens vier davon haben unsere Erwartungen enttäuscht. Die subjektiv größten Flops aus Sicht des Auto-Ressorts von SPIEGEL ONLINE.

Daimler

BMW i3: Das falsche Konzept
BMW

BMW i3: Das falsche Konzept

BMW i3: Harte Strafe

Er sollte das iPhone unter den Autos werden. Doch so richtig gezündet hat die Idee vom BMW i3 nicht: Kurz vor dem Jahreswechsel eingeführt, hat BMW von Januar bis November in Deutschland gerade mal 2130 Exemplare des Karbon-Kastens mit Akku-Antrieb verkauft.

In meinen Augen liegt das nicht nur an den üblichen Hemmnissen für ein Elektroauto (hoher Preis, geringe Reichweite, dürftige Infrastruktur). Sondern es liegt daran, dass der i3 aus meiner Sicht eine Fehlkonstruktion und für mich deshalb der Flop des Jahres ist.

Über das Design kann man vielleicht noch streiten, selbst wenn ich den schmalen Kasten einfach nur hässlich finde. Aber das größte Problem ist, dass die Kunden von der aufwendigen Karbon-Konstruktion keinerlei Vorteile haben: Die Reichweite ist nicht größer als bei "konventionellen" Elektroautos, das Platzangebot ist mäßig und vor allem die Türkonstruktion ist völlig daneben. Warum muss ich mich auf dem Fahrersitz erst abschnallen und meine Türe aufmachen, nur damit mein Hintermann durch seine eigene Tür aussteigen kann, ohne mich mit dem Gurt zu würgen? Praktisch geht anders.

Nur bevor sie bei VW, Nissan, Renault oder Smart jetzt vorschnell jubeln: In meinen Augen ist die ganze Elektromobilität gefloppt. Erst recht, wenn die Hersteller sich jetzt auch noch mit viel besseren und billigeren Plug-in-Hybriden selbst das wenige Wasser abgraben. Weshalb dann ausgerechnet der i3 mein Flop des Jahres ist? Weil kein anderer Hersteller dafür so einen großen Aufwand getrieben hat und das Auto einem als Strafe für den Glauben an den Fortschritt auch noch an die Gurgel geht.

Von Tom Grünweg

---------------------------------------------------------------------------------------

Smart Fortwo: Breiter ist nicht gleich besser
Daimler

Smart Fortwo: Breiter ist nicht gleich besser

Smart Fortwo: Deine Nase passt mir nicht

Der neue Smart Fortwo macht vieles richtig: Er bleibt bei seiner bisherigen Länge (2,69 Meter) und durch die Kooperation mit Renault wird der Daimler-Stadtwagen vermutlich eine Spur wirtschaftlicher. Von vorne, finde ich, hat das Auto an Ausdruckskraft gewonnen. Aber im Profil fehlen mir die Worte: Die Nase des Smarts wirkt am Fortwo unpassend, dem Viersitzer-Bruder Forfour steht sie viel besser. Die klobigen Heckleuchten tragen zu sehr auf und schränken zudem unnötigerweise die Breite der Kofferraumöffnung ein. Über Geschmack lässt sich nicht streiten - über Nutzwert schon.

Ein an sich gutes Konzept des Zweisitzer-Stadtautos wird nicht dadurch besser, dass man es einfach immer breiter macht (plus zehn Zentimeter im Vergleich zum Vorgänger). Überhaupt: Der neue Smart hätte meiner Ansicht nach gar nicht mehr als klassischer Verbrenner auf die Straßen kommen dürfen, sondern nur noch als Elektroauto. Denn der Fortwo ist wie kein anderes Auto für die Stadt gemacht - nirgendwo sonst ist Elektromobilität sinnvoller. Schade, dass Daimler hier der Mut fehlte: Einen voll elektrischen Smart in dritter Generation wird es stattdessen wohl erst 2016 geben.

Von Sören Harder

--------------------------------------------------------------------------

Mini One: Langweiliger Superhero
Jürgen Pander

Mini One: Langweiliger Superhero

Mini: Von allem zu viel

2001 kam der erste Mini unter BMW-Regie auf den Markt. Damals war es überfällig, das Auto, dessen Grundprinzip von 1959 stammte, rundum zu modernisieren. Aber 13 Jahre später wäre es an der Zeit gewesen, den Mini wieder als puristisch-durchdachten Solitär unter den Kleinwagen zu positionieren.

Stattdessen rollt die dritte Generation weiter auf der vom Marketing gut ausgebauten Lifestyle-Trasse dahin und entfernt sich damit immer weiter vom genialen Urmodell. Das war auf charmante Art einfach, robust, originell und maximal durchdacht. Die aktuelle Mini-Generation, dreist beworben als "The New Original", kann keinen einzigen dieser Vorzüge mehr bieten.

Was Platzangebot, Alltagsnutzen, Komfort und Sicherheit angeht, ist der Mini ein durchschnittlicher Kleinwagen; als Imagebeschleuniger müssen grotesk übermotorisierte Varianten wie die neue Sportversion mit 231 PS herhalten. Was dem Auto und wohl auch der Marke fehlt, ist eine überzeugende Idee für ein Alleinstellungsmerkmal, so wie damals. Ob darüber nachgedacht wird, ist fraglich. Im BMW-Konzern gilt der neue Mini als "Superhero" mit teils zweistelligen Zuwachsraten auf manchen Märkten. Es gibt also nicht den geringsten Grund, irgendwas zu ändern.

Von Jürgen Pander

---------------------------------------------------------------------------------------

Mercedes GLA: Nachzügler ohne Stil
Daimler

Mercedes GLA: Nachzügler ohne Stil

Mercedes GLA: Da wären wir wieder

Der GLA hat gerade noch gefehlt. Jedenfalls bei Mercedes. Während die Konkurrenz von Audi und BMW mit den Kompakt-SUV Q3 oder X1 Erfolge feierte und in einer Preisklasse drunter VW mit dem Tiguan den Absatz ankurbelte, hatten die Schwaben nichts Vergleichbares zu bieten. Mit dem GLA ist diese Lücke gestopft worden. Was die Unternehmensplanung betrifft, ergibt dieser Wagen durchaus Sinn - das Komische an ihm ist aber, dass er einerseits zu spät kommt und gleichzeitig ein Rückschritt ist.

Als ich das Auto zum ersten Mal auf der Straße gesehen habe, wunderte ich mich zunächst, warum die A-Klasse plötzlich so seltsam verquollen und aufgebockt ausschaut. Ach ne, ist ja der GLA, kam mir dann in den Sinn. Aber eine A-Klasse, in der man etwas höher sitzt, gab es doch schon mal: Bei den ersten beiden Baureihen des Modells. Abgesehen davon (und dem Elchtest-Desaster) fielen diese Autos vor allem durch ihr langweiliges Design auf. Da ist Mercedes jetzt beim GLA wieder angekommen.

Das ist umso ärgerlicher, als Daimler mit dem GLK eigentlich ein gelungenes SUV-Modell im Programm hat. Wo der GLA die A-Klasse zum Vorbild hat, orientiert sich der GLK aber eher an der zeitlos-kantigen G-Klasse. Mit diesem Geländewagen ist Mercedes übrigens mal der Konkurrenz von Audi und BMW voraus gewesen.

Von Christoph Stockburger

Die gesammelten Fahrberichte von SPIEGEL ONLINE finden sie hier.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 269 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ae1 23.12.2014
1. ...
Leute, denen das Aussehen eines Autos egal ist, wollen nach meiner Meinung auch nicht viel Geld dafür ausgeben. Den BMW finde ich hässlich und vielleicht viele andere auch. Und dann noch so viel Geld ausgeben, wo man doch für diese erhebliche Summe auch ein schöneres Auto bekommen könnte.
frank@franmedia.de 23.12.2014
2. Geistig flexibel bleiben
und mal über den eigenen Schatten springen, nicht nur meckern. Ich hatte ein Jahr lang sehnsüchtig auf meinen i3 gewartet und fahre ihn nun ein Jahr. Abgesehen von ein paar Kinderkrankheiten ist er genial und ich bin begeistert. Wie lange hat Apple gebraucht, um zur Weltmarke zu werden? Als ich vor 30 Jahren meinen ersten Mac gekauft hatte, gab es auch nur wenige Kunden. Der i3 IST das iPhone auf Rädern!
connaisseur 23.12.2014
3. geschmackssache
au contraire: der glk ist potthässlich der gla ist (zumindest im vergleich zum glk) ein echter beau das ist halt ansichtssache, herr autor mit dm seltsamen geschmack. aber das hat ja auch sein gutes, wenn man ein gegen-den-strom-schwimmer sein möchte ;) nichts für ungut und frohe festtage!☺☻
heinz.murken 23.12.2014
4. wenn es um Äußerlichkeiten,
also um Design geht, müßten fast alle Mercedes sofort vom Markt genommen werden. Inklusive der bei den meisten Modellen unmöglichen Art den Monitor des Bordcomputers an prominenter Stelle wie ein in Wasser aufgequollenes iPad aussehen zu lassen. Im Designteam von Daimler scheinen viele Freunde des Barock zu arbeiten. Die Ergebnisse sind für das Auge Zumutung! Lediglich die S-Klasse ist ansehnlich, alles darunter eine Zumutung. Wie man Premium Fahrzeuge so designt, daß sie zumindest nicht negativ auffallen, sieht man bei BMW. Wie man SUVs und Geländewagen anständig zeitgemäß aussehen läßt zeigt Land Rover.
hajofroh 23.12.2014
5. Sorry,
aber diese "Kritiken" erscheinen mir (Ausnahme i3) recht oberflächlich, zumal SPON doch sonst sehr fundiert testet und kommentiert. Seltsam auch, dass zum einen ein reiner Elektro-Smart gefordert wird, einige Zeilen zuvor aber der gesamten Elektromobilität bescheinigt wird, dass diese gefloppt sei.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.