Auto-Report Die gefährlichsten Straßen der Welt

Schmale Schotterpisten, tiefe Schluchten, Haarnadelkurven und schlechte Sichtverhältnisse: Manche Straßen sind derart gefährlich, dass schon die kleinste Unachtsamkeit oder eine falsche Lenkradbewegung den Tod bedeuten können. Einige Fahrer finden gerade das besonders reizvoll.

Getty Images

Von Andrea Jonischkies


Sie sind gleichsam die modernen Klebebildchen auf den Koffern der Weltenbummler: Reisebilder im Internet. Allerdings sind Kirchtürme oder Rathausportale dabei längst aus der Mode gekommen. Aufmerksamkeit gewinnt man vielmehr mit spektakulären Fotos - oder mit spektakulären Routen.

Besondere Faszination genießen die gefährlichsten Straßen der Welt. Die Bilder liefern Wagemutige, die sie selbst befahren haben, oder den Fotografen kennen, der das Wagnis unternommen hat. Ein Blogger will 50 verschiedene gezählt haben: Gebirgsstraßen, Pisten oder Dschungel-Tangenten. Im Internet haben einige Routen bereits eine gewisse Berühmtheit erlangt: der Srinagar-Leh Highway in Indien, die North Yungas Road in Bolivien, der Guoliang Tunnel in China oder die Neelum Valley Road in Pakistan.

Die Yungas Road in den bolivianischen Anden gilt als die bei weitem gefährlichste Straße. Der "Camino del Muerte" führt von der bolivianischen Hauptstadt in den Norden. Bis vor wenigen Jahren war die schmale, einspurige und ungeteerte Straße die einzige Möglichkeit, von La Paz bis Coroico zu gelangen. Der Großteil der Strecke ist nur 3,50 Meter breit. Gleich nach La Paz geht es steil bergauf zum La Cumbre Pass in 4650 Meter Höhe, bis Coroico besteht die Straße aus einer langen Abfahrt, die auf 1200 Meter über dem Meer endet.

Oben wird die Sicht durch Nebelschwaden und dicht überwucherte Hänge beeinträchtigt. In der Regenzeit weicht die Fahrbahn auf und verwandelt sich stellenweise in eine Schlammrutsche. Oder es fegen unvermittelt starke Windböen um die Kurven und wirbeln Staub auf, während aus oberen Lagen Geröll und Steine herunterkrachen können. Diese Beschreibung trifft zu weiten Teilen auch auf die ein oder andere der Todespisten zu, die in der Fotogalerie vorgestellt werden. Denn die meisten liegen ebenfalls in luftiger Höhe.

Adrenalin-Kicks auf der Todesstraße

Autowracks und Kreuze entlang der Strecke mahnen die Fahrer eindringlich, Vorsicht walten zu lassen, die Geschwindigkeit anzupassen und sich dicht am Berg zu halten - soweit möglich. Denn, wenn sich Bus und Lastwagen begegnen, wird es richtig eng. Der Wagen, der bergauf fährt, ist gezwungen, sein Fahrzeug dicht am Abgrund entlang zu bugsieren. Er hat zwar Vorfahrt gegenüber demjenigen, der bergab fährt, aber wenn der bereits am Berg klebt, bleibt die Begegnung eine äußerst heikle Angelegenheit, denn es gibt keinerlei Geländer oder sonstige Befestigung.

Tödliche Unfälle sind an der Tageordnung, und jedes Jahr verschwinden Leute auf Nimmerwiedersehen, denn die sterblichen Überreste sind im dichten Urwald nicht immer aufzufinden. Präzise Zahlen gibt es nicht, jährlich seien es zwischen 200 und 300 Menschen gewesen. Beim letzten großen Unfall 1983, dem größten Autounfall Boliviens, sollen mehr als 100 Busfahrgäste in die Tiefe gestürzt sein.

Seit 2006 wird der Verkehr überwiegend über eine neue mehrspurige Straße geleitet. Auf dem Satellitenbild windet sich das Band oberhalb des alten Verlaufs deutlich breiter entlang der Berge, doch auch sie besitzt Serpentinen mit engen Spitzkehren.

Die alte Andenstraße ist inzwischen richtig populär geworden. Abenteurer und Rucksacktouristen holen sich hier ihre Adrenalin-Kicks. Auf Mountainbikes brettern sie die steile Abfahrt in 4 bis 5 Stunden herunter. An ihrer Gefährlichkeit hat sich allerdings nichts geändert. 18 Radler überlebten die Fahrt nicht; zuletzt riss ein britischer Biker 2008 bei einem Zusammenstoß mit einem Toyota Landcruiser acht Menschen mit in den Tod.



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