Von Stefan Robert Weißenborn
Koror - "Das ist amerikanischer Standard". Der Polizist bleckt seine von Betelnuss rot gefärbten Zähne und umfasst wie zum Beweis das Lenkrad. Mit seinem Kollegen wartet er vor MJ Burger Hut auf die Bestellung. Autos mit dem Volant auf der linken Seite und Meilen auf dem Tacho, wie der zwei Jahre alte Suzuki LX-7 mit der "Police"-Aufschrift, sind eine Seltenheit im Inselstaat Palau. Immerhin die Polizei fährt manch vergleichsweise neues Gefährt nach "US-Specs", sonst aber kaum jemand.
Taxifahrer Leo ist im Oldie unterwegs. Auf dem rechten Vordersitz steuert er seinen klapprigen Toyota die Hauptstraße der größten Insel-Stadt Koror auf und ab. Das Handy hat er stets griffbereit - keiner der rar eingehenden Aufträge darf verpasst werden. Ein Telefonverbot am Steuer gibt es nicht in Palau. Man hat andere Sorgen mit dem Verkehr.
Denn automobiltechnisch ist das Land im pazifischen Ozean von Japan abhängig. "90 Prozent aller Autos sind Gebrauchte von dort", sagt Leo. Das Straßenbild belegt's: Ein rostiger Nissan Elgrand fährt von einer Einfahrt und lässt einem marodem Pulstar den Vortritt. Toyota ist mit Modellen wie Tercel oder Cresta vertreten. Mitsubishi, Mazda, Isuzu und Infiniti fahren mit.
Dass es kaum Neuwagen gibt, wäre an sich kein Problem. Autos bis zur Schrottreife zu fahren, kann als nachhaltig durchgehen - als Weiterverwertung von Altlast eines der größten Automärkte der Welt.
Doch da in Japan Linksverkehr herrscht, hat die rollende Importware eines gemein: das Lenkrad auf der rechten Seite. Manche Kritiker sehen darin eine Gefährdung der Verkehrssicherheit. Denn in Palau wird rechts gefahren - als Erbe des jahrzehntelangen Status der USA als Protektoratsmacht. Als Beifahrer bei Überholmanövern ganz außen zu sitzen, kann ganz schön einschüchtern. Die zurückhaltende Fahrweise der Palauer - auch das Abziehbild einer US-Gepflogenheit - dagegen weniger. Sogar an Zebrastreifen hält man.
Wenn in Palau also über rechts oder links diskutiert wird, hat das mit der politischen Ausrichtung nur bedingt zu tun. Vor ein paar Jahren forderten einige Senatoren - gerade das politische System ist dem amerikanischen nachempfunden - ein Verbot der Rechtslenker. "Aber das wurde abgeschmettert - gleich in der ersten Instanz", sagt Thomas Schubert, Honorarkonsul für die Bundesrepublik Deutschland in dem Inselstaat.
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