Abenteuer Autokauf in den USA: "Deutsches Auto? Nicht gut!"

Abenteuer Autokauf in den USA: Überraschung auf der Probefahrt Fotos
Sandra Sperber

Wer in den USA mobil sein will, braucht ein Auto. Aber welches bloß? Korrespondent Sebastian Fischer hat endlich eines gefunden. Ein Bericht von Kombis mit Hundegeruch, patriotischen Nummernschildern - und allerlei Ärger mit deutschen Autos.

Luis ist ein freundlicher Mexikaner. Sein rundes Oberlippenbart-Gesicht sitzt auf einem runden Oberkörper. Und er hat eine Autowerkstatt, gleich bei mir um die Ecke. Auto Tech Service heißt die. Schön simpel, in dem Namen steckt alles drin, was ich als Autobesitzer brauche. Ich mag Luis und seinen Laden. Aber Luis mag mein Auto nicht.

"Volkswagen", sagt er und wackelt mit dem Kopf, "deutsches Auto, nicht gut, miese Qualität". Oh, sage ich. Ja, sagt er, deshalb habe er ja auch schlechte Nachrichten. Der kleine Mann zuckt mit den Schultern: Lenkgetriebe kaputt, tausend Dollar plus Steuern werde die Operation wohl kosten. Geschehe öfter beim Passat. Jetzt zucke ich.

Kombi, Stufenheck oder lieber Dinosaurier-Auto?

Warum musste es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eigentlich unbedingt ein Produkt aus Wolfsburg sein? Chevrolet, Dodge, Chrysler, Buick, Ford - die Auswahl unter hiesigen Produkte wäre groß gewesen. Man kriegt hier ziemlich viel Auto für schmales Geld. Für Amerikaner ist Autofahren eben ein Grundrecht. Aber ich hatte mich für ein deutsches Produkt entschieden - vielleicht war das ein Fehler.

Sie sind hier eben recht günstig, die alten, europäischen Autos. Und es sollte ein Kombi sein. Meine Freundin sagte, sie fände es Unsinn, wenn Autos ein Stufenheck haben, weil man ja quasi den halben Kofferraum verschenkt. Ich fand, sie hatte Recht. Außerdem finde ich Kombis eh cooler. Aber da sagte sie: Darauf komme es nicht an, wir wollten doch einfach ein Auto. Und so ging es los.

Zuerst testeten wir einen Volvo V40, elf Jahre alt, 4000 Dollar, Farbe nicht näher zu bestimmen. Im Internet hatte ich recherchiert, wo die Problemzonen des Volvos sind. Ich hatte gelernt, dass gern mal das Türfangband Ärger macht. Und dass Volvo-Fans darüber witzeln, dass der V40 in Holland produziert wird. Ich öffnete die Tür, es krächzte und knarzte, ich hatte Angst, sie abzureißen.

Beinahe-Crash mit einem Mercedes

Der nächste Kandidat war ein Subaru. Subarus sind sehr beliebt in den USA, wegen ihres Allradantriebs. Der Durchschnittsamerikaner fährt zwar eigentlich gar nicht im Gelände, aber es ist doch immer schön zu wissen, dass man könnte, wenn man wollte. Der Wagen war wahnsinnig hässlich, aber ich habe gelesen dass er sehr zuverlässig sein soll.

Wir machten eine Probefahrt, der Händler saß hinten. Es müffelte. Der Vorbesitzer musste einen Hund gehabt haben. Der Händler roch nichts: "Alles super hier hinten." Aber ansonsten ging der Subaru gut, Allradantrieb und so, ich fuhr beinahe einem Mercedes rein. "Uiuiui", machte der Händler.

Dann kamen die Passats. Wir trafen Carlos, der einen himmelblauen Variant im Angebot hatte, fast 200.000 Kilometer runter, "aber Sechszylinder". Vierzylinder könne man vergessen, die gingen immer kaputt, sagte er. Dass in Europa die meisten Menschen gut mit Vierzylindern leben? Hmm, machte Carlos, fand er komisch.

Sein Passat war auch ziemlich komisch. Wenn man auf die Bremse trat, leuchteten alle möglichen Warnlampen auf und es ertönte ein Warnsignal. Gleichzeitig stank es aus dem Motorraum. Wir stellten den Wagen ab. Carlos sagte, er kriege das hin. Er hat sich dann nicht mehr gemeldet.

Ziemlich beklopptes Auto

In Manassas, wo sich Nord- und Südstaaten einst Schlachten im amerikanischen Bürgerkrieg lieferten, findet sich heute ein Gebrauchtwagen-Paradies, ein Händler neben dem anderen. Wieder ein Passat. Bei Zündung ging die Motorwarnlampe an. Ok, sagte der Händler, "vergiss' es".

Aber er hatte da noch was Feines, sagte er. Einen Ford Focus, nur 3000 Dollar. Kombi! Aha. Schlüssel? Steckte schon. Offenbar war dieser Wagen selbst Dieben zu fein. Der Ford rappelte, stotterte, vibrierte sich ein paar Meter aus der Parklücke. Dann machte ich den Motor zur Sicherheit wieder aus.

Beim Iraner Hamid nebenan, 1979 vor den Mullahs in die USA geflohen, gab's zuerst einen Hunde-Passat und dann einen W8, früher mal das Passat-Spitzenmodell mit acht Zylindern und 275 PS. Also ein ziemlich beklopptes Auto für den durchschnittlichen Passatfahrer; und auch für ein Land, indem man meist nicht schneller als 100 Stundenkilometer fahren darf. Der W8 sei reduziert, sagte Hamid, nur noch 6000 Dollar wollte er für das Pseudo-Geschoss aus Germany. Ok, sagte ich, aber wo ist die nächste Autobahn? Er verstand den Witz nicht.

Ausfahrt im Laubfrosch

Dann führte er uns zu dem grünen, total verdreckten Passat. Der würde in Kürze wieder tiptop aussehen, versicherte er. Und günstig war er auch. Die Technik schien für ein zehn Jahre altes Auto recht in Ordnung. An das Lenkgetriebe dachte ich da noch nicht.

Drei Tage später rollten wir mit einem glänzenden, laubfroschgrünen Wagen zum "Amt für motorengetriebene Vehikel" zwecks Anmeldung. TÜV gibt es nicht mehr in Washington. Haben sie abgeschafft, um Geld zu sparen. Wir warteten zwei Stunden und schauten den Leuten zu, wie sie ihre Strafzettel zahlten. Irgendwann griff ein Offizieller in eine Schublade und drückte uns ein Nummernschild in die Hand. Fertig.

Jeder US-Staat druckt übrigens einen Sinnspruch auf seine Schilder, das ist Patriotismus. In Maryland zum Beispiel steht "War of 1812" drauf, das erinnert an den Kampf gegen die Briten; in New Hampshire heißt es "Live free or die"; und in Florida sehr schön: "Sunshine State". In Washington steht da "Taxation without Representation", was ungefähr "Besteuerung ohne gewählte politische Repräsentation" heißt. Es ist eine Beschwerde darüber, dass der Hauptstadtbezirk keine Abgeordneten in den Kongress entsenden darf. Puh. Sunshine State wäre irgendwie besser gewesen.

Und so fuhren wir los, vorne rechts quietschte plötzlich die Bremse und beim Lenken knackte irgendwas, aber draußen blühte Washington. Der Wagen hat ein Schiebedach und die Musik funktionierte auch. Bald würden wir den freundlichen Luis kennen lernen. Aber in diesem Moment fanden wir den Wagen erstmal richtig cool.

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1. Was soll uns dieser Artikel sagen?
silberstern 14.04.2012
Zitat von sysopWer in den USA mobil sein will, braucht ein Auto. Aber welches bloß? Korrespondent Sebastian Fischer hat endlich eines gefunden. Ein Bericht von Kombis mit Hundegeruch, patriotischen Nummernschildern - und allerlei Ärger mit deutschen Autos. Abenteuer Autokauf in den USA: "Deutsches Auto? Nicht gut!" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,827155,00.html)
Ich versuche mal eine Zusammenfassung: In den VSA bereiten nicht markengebundene Händler und Privatleute ihre Fahrzeuge vor dem Verkauf nicht auf und alte Autos haben Technik/Verschleißprobleme. Ist bei uns ziemlich ähnlich, insbesondere, wenn man für sehr wenig Geld ein großes Auto will. Interessant ist auch, dass die Amis wohl VW etwas realistischer einschätzen, als es hierzulande der Fall ist. Vielleicht wird dort nicht soviel Wert auf Softplaste gelegt, eher auf Robustheit und Zuverlässigkeit ;-)
2. Nö
Stelzi 14.04.2012
Zitat von silbersternInteressant ist auch, dass die Amis wohl VW etwas realistischer einschätzen, als es hierzulande der Fall ist. Vielleicht wird dort nicht soviel Wert auf Softplaste gelegt, eher auf Robustheit und Zuverlässigkeit ;-)
Nein. Zuverlässig ist bei den meisten Amischlitten ein Fremdwort. Das Problem dieses VW ist wohl eher, dass er wie die meisten Europäer und Asiaten dort drüben, von Amis zusammengenagelt wurde...
3.
ColdDayInTheSun 14.04.2012
Zitat von silbersternIch versuche mal eine Zusammenfassung: In den VSA bereiten nicht markengebundene Händler und Privatleute ihre Fahrzeuge vor dem Verkauf nicht auf und alte Autos haben Technik/Verschleißprobleme. Ist bei uns ziemlich ähnlich, insbesondere, wenn man für sehr wenig Geld ein großes Auto will. Interessant ist auch, dass die Amis wohl VW etwas realistischer einschätzen, als es hierzulande der Fall ist. Vielleicht wird dort nicht soviel Wert auf Softplaste gelegt, eher auf Robustheit und Zuverlässigkeit ;-)
Ich denke vom Inhalt her ist der Artikel relativ belanglos, ich musste allerdings sehr schmunzeln, da er meiner Meinung nach den Gebrauchtwagen-Markt in den USA recht schön einfängt... habe selbst ein Jahr dort gelebt, und es ist "amüsant" was dank fehlender Sicherheitsregularien in vielen Bundesstaaten auf den Strassen rumrollt bzw. einem zum Verkauf angeboten wird... mein persönliches Highlight war ein Pickup-Truck mit Einschusslöchern in der Frontscheibe...
4. Volkswagen
eJojoX 14.04.2012
Naja, die Volkswagen werden nicht nur in den USA produziert, sondern auch deutlich günstiger als hierzulande verkauft. Da muss man dann halt auch noch ein wenig an den verwendeten Bauteilen sparen. Wobei Volkswagen vor 10 Jahren glaube ich gar kein Werk in den USA hatte?
5. ...
tralala99 14.04.2012
"In Manassas, wo sich Nord- und Südstaaten einst Schlachten im amerikanischen Bürgerkrieg lieferten, findet sich heute ein Gebrauchtwagen-Paradies, ein Händler neben dem anderen" Jeder der schon Mal in M. war, weiss dass dies ein Loch in der statistisch einkommenreichsten Gegend der USA ist. Die Gebrauchtwagenhaendler dort, sind die letzten Abzocker auf diesem Planeten. 70% der Autos sind absoluter schrott wie in dem Artikel beschrieben. Wie uebrigens sehr viele gebrauchte Autos in und um DC die aelter als fuenf Jahre sind. Ein Paradies ist dies ganz sicherlich nicht, genauso gut koennte man einen Flohmarkt mit lebenslanger Produktgarantie gleichsetzen.
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