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Mobilität der Zukunft: Selber lenken? War gestern!

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Daimler

Hände in den Schoß: Autos der Zukunft sollen selber lenken

In Zukunft sollen Autos von allein steuern. Eine Vision, die ankommt: Jeder dritte Bundesbürger kann sich vorstellen, in ein selbstfahrendes Auto einzusteigen. Unsere Redakteurin auch - persönliche Gedanken zum Fahren von morgen.

Es ist ein Montagabend im Dezember, kurz vor Mitternacht in Hamburg. In den weißen Villen der Elbchaussee gehen die letzten Lichter aus, aber mein vor 15 Minuten bestelltes Taxi kommt einfach nicht um die Ecke gesaust. Es ist kalt, ich friere, ich will nach Hause und zwar so schnell wie möglich. Eben noch habe ich von Autos gehört, die selbständig vorfahren, einen höflich anblinken - aber kaum wie im Fall meines Taxis stehen lassen wie bestellt und nicht abgeholt.

In einem dieser für Hamburg typischen Kaufmannshäuser referierten Daimlers Autoexperten über autonomes Fahren in der Zukunft. Einer Zukunft, in der Autos wie Drohnen mit Hilfe von kluger Vernetzung ihrer Radarsensoren, Kameras und GPS-Daten ohne Fahrer lenken, bremsen oder beschleunigen können. So wird es kommen, behauptet Daimler. Nicht jetzt, aber vielleicht in sieben Jahren. Auch die Konkurrenz glaubt in seltener Einigkeit an diese Vision.

Oder besser gesagt: Sie klammert sich daran. Früher trumpfte das Automobil auf. Es war schneller als heißblütige Pferde, komfortabler, individueller als der Zug, und es machte Spaß, über leere Autobahnen zu fegen. Was davon übrig ist? Viel Leistung, die als Ego-Boost noch funktioniert, sich für den kühl kalkulierenden Kunden aber als Fehlinvestition erweist. Was nützen 500 PS unter der Haube, wenn der Wagen im Stau feststeckt? Das einzige, was das Auto heute anderen Transportmitteln noch überlegen macht, sind Sitzheizung und High-End-Lautsprecher als Fahrer-Verwöhnpaket. Selber lenken? Lenkt vom Luxus im Auto nur ab, der mehr und mehr zum Verkaufsargument wird. Der Abschied vom Selberfahren geht einher mit einem Auto, das sich nach innen kehrt.

Bus und Bahn sind das autonome Fahren im Hier und Heute

Die, die das zum Beispiel bei Daimler ohne Illusion und rosa Brille sehen, sind keine Ingenieure mehr. Für Visionen beschäftigt der Konzern, der einst das Auto erfand, Soziologen und Informatiker. Menschen, die versuchen, Steve Jobs an Innovationskraft zu toppen. Und die mit vereinten Kräften forschen, damit das Auto den Menschen am Steuer nicht mehr braucht. Der Mensch muss das Auto nur noch kaufen, ach was, vielleicht auch nur mieten oder teilen - den Rest erledigt der Wagen von selber.

Während ich draußen vor der Tür über das Auto von morgen sinniere, schwimmt meine naheliegende Zukunft dahin. Diesen Abend sehe ich in der letzten verschwitzten, nach Alkohol riechenden Bahn enden, statt im warmen Taxi nach Hause. Nicht falsch verstehen: Ich verteidige Bus und Bahn stets bis aufs Blut. Für mich ist der Öffentliche Nahverkehr quasi das autonome Fahren im Hier und Heute. Reinsetzen, Zeitung lesen, ankommen, dazu noch total öko. Aber um Mitternacht sehne ich mich nach einem Transportprogramm, das mich beheizt bis vor die Haustür kutschiert.

Das autonome Autofahren kommt so sicher wie das Aussterben des Polaroid-Films, sagten die Daimler-Vordenker. Nur, dass die Polaroid-Jungs ihr Schicksal ignorierten. Statt an Digitalkameras zu tüfteln, hätten sie lieber Kameras in rosa und himmelblau verkauft - für Jungs und Mädchen. Ein letzter Schub des Marketings, der den Untergang nur hinauszögerte.

2020 werden sich die Maschinen vom Menschen emanzipieren

Ich will ein: Taxi! Endlich rollt ein eierschalenfarbenes Vehikel vor. Noch mit einem sehr realen Fahrer hinter dem Steuer. Mit langen grauen Haaren. "Einmal nach Winterhude", diktiere ich - und der Fahrer fährt los. Was ich denn in der Villa gemacht hätte, fragt mein Chauffeur. Er versucht Konversation, um seine Verspätung galant wegzureden. "Ich war beim Daimler", antworte ich, "Vortrag über autonomes Fahren", schiebe ich gereizt hinterher.

Autonom definiert der Duden als eigenständig, emanzipiert, selbstbestimmt. In den sechziger Jahren war mein Taxifahrer sicher total autonom, um 2020 werden es nicht mehr nur wir Menschen sein, sondern auch die von uns entwickelten Maschinen. Das gefällt vielen Menschen nicht.

"Autonomes Fahren? Das schaffen die doch gerade ab", gibt er zurück. "Ich werde mit der Zeit etwas konservativ", grummelt er. "Von mir aus könnte man alle Autos abschaffen", gibt er zum Besten. Nur, dann müsse der Öffentliche Nahverkehr endlich liefern, der sei nämlich zu schlecht und zu teuer. Ich schalte auf Durchzug. Ich will jetzt nicht mehr reden! Ich will auf kein Taxi warten! Ich will autonom sein! Ich will mich befreien von diesen eierschalenen, rollenden Boxen mit integrierter Zwangskonversationsfunktion. Ich will, dass das autonome Fahren kommt. Lieber jetzt als morgen.

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insgesamt 185 Beiträge
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1. Damit wir alle Autofahren verlernen...
mainzelmännchen 1 18.01.2014
...wie schon moderne Verkehrspiloten das Fliegen? Nein danke, werde ich künftig von meinem Wagen gesteuert, dann steige ich um: Aufs Fahrrad!
2. Werkstattksoten
tompike 18.01.2014
Bin gespannt. Was ist wenn Sateliten ausfallen? Wer wird in Zukunft diese hochtechnisierten Fahrzeuge warten und reparieren? Sicher keine Mechatroniker von der Berufschule. Ingenieure, sie werden sehr teuer sein.
3.
Sleeper_in_Metropolis 18.01.2014
Zitat von tompikeBin gespannt. Was ist wenn Sateliten ausfallen? Wer wird in Zukunft diese hochtechnisierten Fahrzeuge warten und reparieren? Sicher keine Mechatroniker von der Berufschule. Ingenieure, sie werden sehr teuer sein.
Ja, das meinen viele. ÖPNV ist total toll in der Theorie. Außer man wohnt nicht direkt im Kerngebiet. Oder will mal etwas später/etwas früher zeitnah fahren. Ich probiere den ÖPNV in letzter zeit vermehrt aus, um bei Bekannten und auf Partys mal etwas mehr trinken zu können. Es ist zeitlich oftmals eine Odysse. Wenn denn von da, wo man kommt nach dort, wo man hin möchte überhaupt noch etwas fährt. ÖPNV ist auf bestimmten Strecken zu bestimmten Zeiten eine tolle Sache, aber je individueller Start, Ziel und Uhrzeit werden, umso unattraktiver wird er leider. Warum sollte das so sein ? Fahrzeuge sind auch heute schon hoch technisiert. Wenn etwas nicht mehr funktioniert, wird halt das defekte Modul gesucht&getauscht. Das Auto von morgen hat halt nur ein paar Module mehr.
4. ...
dreamdancer2 18.01.2014
Und auch zu diesem Artikel wieder die Frage, die so geflissentlich ignoriert wird: Was ist mit den Menschen, die unter Reisekrankheit leiden? Ich spreche hier aus persönlicher Erfahrung: Bus geht überhaupt nicht, da werd ich nach 500 Metern grasgrün, Bahn geht so ein bißchen, solange ich nicht gegen die Fahrrichtung sitze, aber lesen und ähnliches sind unmöglich. Und auch beim Autofahren bevorzuge ich es, selbst am Steuer zu sitzen und zu lenken - eigentlich die einzige Transportmethode, bei der mir _nicht_ auf lange Sicht übel wird. Da ich mich nicht für ein besonders exotisches Exemplar Mensch halte, geh ich mal davon aus, daß noch zahlreiche andere Menschen vergleichbare Probleme haben. Also selbststeuernde Autos für mich: Nein danke!
5. Vorbildlicher Reformstau
capitain_future 18.01.2014
Zitat von sysopDaimlerIn Zukunft soll das Auto von alleine steuern - eine Vision, die ankommt: Jeder dritte Bundesbürger kann sich vorstellen, in ein selbstfahrendes Auto einzusteigen. Unsere Redakteurin auch - persönliche Gedanken zum Fahren von morgen. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/autonomes-fahren-reaktion-auf-die-schwindende-lust-am-autofahren-a-943300.html
Wir haben genügend Technik ,um dass was in diesen Artikel gesagt wurde auch umzusetzen.Tablets PC mit WLAN als Stichwort Anti Kollisions Schutz auf Autobahnen-dieser hätte vielen Menschen das Leben gerettet,nur leider eine Fiktion. Das Problem ist der Staat sowie die Autoindustrie ,die wohl noch nicht bereit ist dies umzusetzen. Ein Liter Benzin 2,50 Euro-Warum nicht ? Genauso wenig sowas wie Ultra Leicht Autos umzusetzen die sehr wenig Energie verbrauchen ala Moped Auto oder amtsdeutsch Leicht Kfzs. Es muss eben ein Umdenken stattfinden für die Zeit danach,für die Zeit wo fossile Rohstoffe eine Mangelware darstellt. Back to the Future!
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Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
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