Autopflege Polieren macht unglücklich

Autopflege in Handarbeit
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Autopflege in Handarbeit


Es gibt sie immer noch: diese Deutschen, die am Wochenende am liebsten ihr Auto putzen und pflegen. Blog-Autor Jens Tanz erklärt, warum diese Extrempolierer niemals richtig zufrieden sind.

Felgenreiniger und Felgenbürstchen, Handwäsche, Karnaubawachs und Flauschwatte - sobald der Regen wie jetzt in Deutschland Pause macht, kommen die Autopfleger aus ihren Verstecken. In nur drei Stunden geben sie ihren Vehikeln mehr Liebe und Zuneigung als ihrem Partner im ganzen Monat. Mit Wattestäbchen werden auch die letzten Ritzen und Sicken gereinigt und unter dramatischem Kraftaufwand poliert, zumeist mit hochwertigen Wachsen in der Preisklasse von chinesischen Potenzmitteln. Türunterkanten, Kofferrauminnenbleche und andere Stellen, die seit der Herstellung kein menschliches Auge mehr gesehen hat, strahlen streifenfrei wie direkt aus der Lackierwanne. Scheiben werden bis zur Unsichtbarkeit gewienert und Kunststoffe mit ungezählten Pflegeprodukten wieder in den Auslieferungszustand versetzt - in dem sie eigentlich immer sind, seit dieses mindestens einmal pro Woche stattfindende Ritual der glanzgesteuerten Fetischisten über sie ergeht.

Auto-Blog "Fahrtenbuch"
  • Joy Kroeger
    Wir bewegen Autos und das bewegt uns. Unser Leben auf Rädern ist eine Aneinanderreihung von Erlebnissen, viele nichtig, andere wichtig und erzählenswert. Jens Tanz haben diese besonderen Momente im Mobil schon immer so fasziniert wie die Autos selbst. Von seinen liebsten Episoden, seinen Beobachtungen des Autoalltags erzählt Tanz in diesem Blog.

Es ist den Kraftfahrern eine wahre Lust und Freude, solche intimen Stunden mit dem eigenen Auto auf diese Art zu verbringen. Denn wenn es wieder raus geht, runter vom Staubsaugerplatz an der Tanke, weg von der sicheren Waschbox, raus in die schmutzige Welt da draußen - dann verfinstert sich die Laune mit jedem gefahrenen Kilometer. Warum klatschen denn ausgerechnet jetzt so viele Insekten auf die Nase des Autos? Oh nein, eine Baustelle, da fliegt von den Reifen Teer und Split auf die Schweller! Die haben gar keinen Regen angesagt, wo kommen diese Wolken her? Und ist das da auf der Haube Sahara-Staub? Lieber nicht so viel bremsen, die Alufelgen leiden unter dem schwarzen, unschönen Abrieb. Und was macht der Typ da auf dem Supermarktparkplatz, der ist doch mit seiner Jeans nicht etwa an der Beifahrertür entlanggekratzt?

Sie sind niemals wirklich glücklich, diese extremen Polierer

Purer Stress. Man möchte den Wagen doch eigentlich viel lieber mit ins Wohnzimmer oder gleich mit ins Bett nehmen. Da ist es warm und frei von schmutzigen Feinden, der Partner hat sowieso keine Lust mehr auf das autovernarrte Gegenüber und das Geld für die chinesischen Potenzmittel ist ja in die Anschaffung der hochwertigen Wachse gegangen.

Sie sind niemals wirklich glücklich, diese extremen Polierer. Denn sie gestehen sich nicht ein, dass ein Auto bei aller Liebe ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand ist, der Kraftstoff verbrennt, qualmt und Umwelteinflüssen ausgesetzt wird. Natürlich sind für viele, gerade hier bei uns, die Autos auch Freizeitspaß, Statussymbol und technischer Zeitvertreib. Aber die Autos der Perfektionisten sind ja niemals dauerhaft so, wie sie sie gerne hätten. Klinisch rein, immer funkelnd. Ich habe ja nichts gegen saubere Autos, aber Jungs - übertreibt ihr nicht ein bisschen? Ab und an mal in die Waschanlage, ein bisschen saugen und wischen und dann raus in die Welt. Ich widme meine Zeit lieber meinen Kindern und meiner Freundin und bin auch bei Regen ein glücklicher Fahrer. Aber jeder wie er will.



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15 Leserkommentare
muffelin 29.07.2018
f.weiland 29.07.2018
mens 29.07.2018
grossmeisterb2 29.07.2018
taxo 29.07.2018
superstrom 29.07.2018
jujo 29.07.2018
socke2 29.07.2018
two-wheels 29.07.2018
dasfred 29.07.2018
hjcatlaw 29.07.2018
Was_zum_Teufel...? 29.07.2018
fehleinschätzung 29.07.2018
Jens Tanz 30.07.2018
Pickle_Rick 02.08.2018

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