Autos im Film Der Killer fährt Schwarz

Dennis Milliken hat einen Traumjob: Er sucht für Filmfiguren den Wagen aus. Im Interview erklärt der Mann, der auch die "Breaking Bad"-Stars mobil machte, was Autos über einen Charakter sagen - und welche Farbe Verbrecher nie wählen würden.

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SPIEGEL ONLINE: Herr Milliken, beobachten Sie manchmal heimlich Leute in ihren Autos?

Dennis Milliken: Natürlich. Ich schaue mir genau an, welche Autos Doktoren, Anwälte oder Ranger fahren. Diese Erfahrung brauche ich schließlich für meine Arbeit.

SPIEGEL ONLINE: Die Entscheidung, welchen Wagen eine Figur im Film fährt, spielt eine große Rolle für deren Wirkung. So gesehen haben Sie ziemlich viel Einfluss auf die Charaktere. Wie frei sind Sie bei der Wahl der Fahrzeuge wirklich?

Milliken: Das hängt meistens von den Regisseuren und Drehbuchautoren ab. Bei "Breaking Bad" hatte Vince Gilligan, der Schöpfer der Serie, für einige Charaktere bereits eine genaue Vorstellung, welches Auto sie fahren. Für andere Figuren wünschte er sich Vorschläge. Der Wagen muss einfach die Persönlichkeit reflektieren.

SPIEGEL ONLINE: Nennen Sie uns ein Beispiel aus "Breaking Bad".

Milliken: Gus Fring - er herrscht über ein Drogenimperium, ist ein Mörder und Multimillionär, aber gleichzeitig sehr konservativ. Er will seinen Reichtum verbergen und unauffällig sein. Also fährt er einen Familienwagen, der ihn bodenständig wirken lässt. Unsere Wahl fiel sofort auf einen Volvo. Im Fall von Hank Schrader war dagegen klar, dass er einen SUV fährt. Wir entschieden uns wegen der Modellbezeichnung für den Jeep Commander - das passte am besten zum Auftreten von Hank. Haben wir ein passendes Modell für einen Charakter identifiziert, kümmern wir uns als Nächstes um die Farbe, die spielt eine große Rolle bei Filmautos.

SPIEGEL ONLINE: Was ist zum Beispiel mit der Farbe Rot?

Milliken: Das ist eine Signalfarbe. In ein rotes Auto setzt du normalerweise nicht den Bösewicht.

SPIEGEL ONLINE: Der Killer fährt also Schwarz.

Milliken: Ja, das könnte man so sagen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber grundsätzlich gilt die alte Western-Regel: Die Bösen tragen schwarze Hüte.

SPIEGEL ONLINE: Walter White fährt zuerst diesen blassen Pontiac Aztek und steigt später auf einen schwarzen Chrysler 300 SRT um.

Milliken: Ja, der Aztek symbolisiert in den ersten Staffeln Walters armseliges Leben. Ich muss vorsichtig sein, was ich über den Wagen sage… Viele Leute, die ihn fahren, sind von ihm begeistert. Aber irgendwo habe ich mal eine Internetumfrage über das hässlichste Auto gelesen, und der Aztek landete ziemlich weit vorne. Meiner Meinung nach hätte er Platz eins verdient. Jedenfalls wird mit dem Autotausch die Entwicklung von Walter reflektiert, er baut sich ja nach und nach sein eigenes Drogen-Imperium auf. Er hätte auch einen weißen BMW oder Mercedes kaufen können - das wäre jedoch zu auffällig gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Wie wird man eigentlich Transportation Manager in Hollywood?

Milliken: Mein Onkel hatte eine Spedition und bekam in den Siebzigern viele Aufträge von den Produzenten der Serie "Dallas". Ich ging damals noch aufs College und jobbte bei ihm in den Ferien als Truck-Fahrer. Die Arbeit im Filmgeschäft machte mir Spaß, und ich erledigte immer mehr organisatorische Aufgaben. Dann machte ich mich selbstständig und übernahm die ganze Logistik bei Dreharbeiten. "RoboCop" war dann der erste Film, bei dem ich mich auch um die Auswahl der Filmautos kümmerte.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie auch für die Beschaffung der Autos zuständig?

Milliken: Ja. Bei Dreharbeiten in Los Angeles ist das kein Problem, dort gibt es Anbieter, die auf Filmautos spezialisiert sind und fast jedes Fahrzeug im Programm haben. Aber in anderen Städten muss man die Autos erst einmal finden.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommen Sie an die Autos ran?

Milliken: Sobald ich weiß, welche Fahrzeuge gebraucht werden, schicke ich meine Mitarbeiter los. Sie suchen im Internet, grasen Autohändler, Werkstätten, Waschanlagen und Parkplätze ab. Werden Sie fündig, sprechen sie die Besitzer an oder hinterlassen eine Karte an der Windschutzscheibe. Oft mieten wir dann die Autos: Der Cadillac, den der Anwalt Saul Goodman in "Breaking Bad" fährt, gehörte uns nicht - ein freundlicher Herr aus Albuquerque hat ihn uns geliehen. Erst als feststand, dass wir ein Spin-off mit Saul machen, haben wir den Wagen gekauft.

SPIEGEL ONLINE: In vielen Filmen gibt es das sogenannte Product Placement - Autohersteller zahlen dafür, dass ihre Fahrzeuge auf der Leinwand auftauchen. Die "James Bond"-Filme sind das beste Beispiel, aber auch für "Breaking Bad" gab es solche Deals.

Milliken: Das stimmt. Allerdings wird das auf einer höheren Ebene verhandelt, nicht in der Logistik-Abteilung. Darüber entscheiden die Studios. Für mich macht es die Sache einfacher, wir bekommen dann neue Autos gestellt.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt diese Szene in "Breaking Bad", in der Walter White mit einem Dodge Challenger über einen leeren Supermarkt-Parkplatz rast und das Auto anschließend in die Luft jagt. Solche Szenen sind doch bestimmt ein Albtraum für den Hersteller.

Milliken: Dieser Challenger wurde uns nicht zur Verfügung gestellt, den mussten wir bezahlen. Wir haben übrigens vier Reifensätze für diese Szene verschlissen, um genug Donuts auf den Asphalt zu kriegen.

SPIEGEL ONLINE: Tut es ihnen weh, wenn ein mühevoll gesuchtes Auto in einem Film gesprengt oder zu Schrott gefahren wird?

Milliken: Wenn es Klassiker sind, dann schon - die werden ja nicht mehr hergestellt. Ich hasse es wirklich, wenn ein Sammlerstück in die Luft geht.



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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
troy_mcclure 16.06.2014
1. Nicht schlecht
Das ist echt ein Traumjob (und vermutlich nicht der schlechtbezahlteste).
Bob Hund 16.06.2014
2.
Wenn man sich viele Filme so anschaut, dann stellt man fest, das die Gauner und Bösen oft deutsche Autos fahren. Mercedes oder BMW Limousinen kann man da recht häufig sehen.
syracusa 16.06.2014
3.
Zitat von Bob HundWenn man sich viele Filme so anschaut, dann stellt man fest, das die Gauner und Bösen oft deutsche Autos fahren. Mercedes oder BMW Limousinen kann man da recht häufig sehen.
Ja, und das ist auch Absicht. Der Böse braucht einen Wagen, der selbst in kritischen Situationen zuverlässigst funktioniert. Und auch wenn es nicht ganz den Tatsachen entspricht, so haben deutsche Autos in den USA doch genau dieses Image. Und dann: wer in den USA böse ist, der gilt nicht als patriotisch. Der darf deshalb ausländische Autos fahren und damit die braven US-Arbeiter um ihre Jobs bringen.
UnitedEurope 16.06.2014
4. Titellos
Zitat von Bob HundWenn man sich viele Filme so anschaut, dann stellt man fest, das die Gauner und Bösen oft deutsche Autos fahren. Mercedes oder BMW Limousinen kann man da recht häufig sehen.
Weil es in den USA bzw. insgesamt Nordamerika ein Statussymbol ist, eine deutsche Oberklasse zu fahren.
trader_07 16.06.2014
5. Ja...
Zitat von Bob HundWenn man sich viele Filme so anschaut, dann stellt man fest, das die Gauner und Bösen oft deutsche Autos fahren. Mercedes oder BMW Limousinen kann man da recht häufig sehen.
Ja, auch Bösewichte mit dem nötigen Kleingeld wissen, wie man sich angemessen komfortabel von A nach B bewegt.
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