Luxusgut Auto-Öffner: Das Schlüssel-Erlebnis

Von Heiko Haupt

Luxus-Autoschlüssel: Türöffner für 30.000 Euro Fotos
Noblekey

Was haben Luxuslimousinen mit Allerweltswagen gemeinsam? Den schnöden Schlüssel aus Plastik. Das will eine Firma aus Berlin jetzt ändern. Designer und Juweliere fertigen aus Gold, Silber, Holz oder gar Mammutelfenbein die wohl edelsten Autotüröffner der Welt.

Für knapp 30.000 Euro bekommt man einen Golf GTI, gleich zwei Mini One - oder einen Autoschlüssel. Zum Beispiel mit einem Griff aus Gold oder Silber, mit Edelsteinen besetzt oder auf Wunsch auch mit feinem Leder bezogen. Zu beziehen sind diese Kleinode, die Autotüren öffnen, bei einer Firma in Berlin.

Die Idee dahinter ist recht simpel: Selbst millionenschwere Käufer einer mehrere hunderttausend Euro teuren Nobellimousine bekommen bei der Auslieferung des Traumautos als Schüssel ein schmuckloses Stück Plastik in die Hand gedrückt. Das passt einfach nicht zusammen.

Genau dieser Gedanke beschäftigte vor etwa drei Jahren auch einen Autofahrer aus Berlin, der sich selbst immer wieder über das Billig-Schließwerkzeug seines Wagens ärgerte. Daraus wuchs die Überlegung, den Schlüssel zu einem funktionalen Schmuckstück weiterzuentwickeln. "Für Männer gibt es außer der Uhr ja kaum Schmuck", sagt Christian Simon.

Netzwerk für edle Schlüssel

Auf der Basis dieser Idee entstand schließlich das, was heute als Noblekey firmiert. Die Firma selbst fungiert als zentrale Anlaufstelle und Koordinator. Der Schlüsselbau dagegen geschieht in einem Verbund von Berliner Manufakturen. Dazu zählen drei Designer, jeder mit einem Spezialgebiet wie Oldtimer, Supersportwagen oder Luxuslimousinen. Außerdem zählen zu dem Verbund drei Juweliere, zwei Holzfachmänner, ein Lederspezialist und zwei Lackierer. Für besondere Wünsche ist auch ein Spezialbetrieb für Keramik in den USA dabei.

Meldet sich ein Kunde, muss er erst mal Originalschlüssel abgeben - denn die bilden die Basis für den künftigen Luxusschlüssel. Damit der Wagen nicht stillsteht, werden für den Umbau in der Regel die Zweit- oder Drittschlüssel genutzt. Ist es ein Oldtimer mit nur einem Schlüssel, wird davon eine Kopie angefertigt.

Dann sind zunächst die Kreativen aufgerufen: "Wir entwickeln für jeden Schlüssel ein neues Design, das bestimmte Besonderheiten des Autos übernimmt." Mal sind diese Merkmale deutlich erkennbar, wenn etwa der Rolls-Royce-Schlüssel das Motiv des berühmten Kühlergrills zitiert oder wenn die charakteristischen Linien eines Mercedes 300 SL Flügeltürers zu erkennen sind. Mal ist es aber auch eine Lederapplikation, die zur Innenausstattung passt oder ein Schlüssel mit Elementen der Lackfarbe des Wagens.

Nächster Schritt ist die Erstellung eines Prototyps. Vor allem bei einem modernen Wagen muss dabei auf die elektronischen Bauteile und Funktionen des zu zerlegenden Originalschlüssels Rücksicht genommen werden, die natürlich auch das neue Gehäuse übernimmt.

Edelholz, Gold oder Silber

Ist das geschafft, werden die endgültigen Materialien bestimmt. Meist kommt ein Grundkorpus aus Silber zum Einsatz, manchmal auch aus Gold. Um diesen Korpus herum gibt es für die weitere Materialwahl kaum Grenzen. Auf der Auswahlliste stehen 150 verschiedene Edelhölzer, Leder in jeder vorstellbaren Ausprägung oder Exotisches wie Mammutelfenbein.

Insgesamt bilden am Ende rund ein Dutzend Einzelteile den neuen Schlüsselgriff. Nachdem der Goldschmied oder Juwelier die einzelnen Teile zusammengesetzt und den finalen Feinschliff des Gesamtkunstwerks vorgenommen hat, liegt der Schlüssel auch völlig anders in der Hand als das Plastik-Original. Neben den Oberflächen der Materialien hat das Gewicht entscheidenden Anteil an dem neuen Gefühl: Wiegt ein Serienschlüssel nur wenige Gramm, kommt die Luxusausführung auf stolze 80 bis 120 Gramm - ungefähr so viel wie eine herkömmliche Tafel Schokolade.

Von der Bestellung bis zur Auslieferung vergehen drei bis sechs Monate. In dieser Zeit sind die mindestens 1500 Euro zusammenzutragen, die so etwas kostet. Wobei es sich bei dieser Summe um den absoluten Einstiegspreis für einen Schlüssel handelt, der über keinerlei Elektronik verfügt - ein typisches Oldtimer-Modell etwa. Für aktuelle Fahrzeuge kostet ein Schlüssel mindestens 2600 Euro. Nach oben sind jedoch keine Grenzen gesetzt: Das bislang teuerste Exemplar, verziert mit diversen Edelsteinen, kostete den Besitzer stolze 30.000 Euro.

Solche Preise schränken natürlich den Kundenkreis deutlich ein. Christian Simon bestreitet nicht, dass der sprichwörtliche Öl-Scheich auch zur Klientel zählt. Es gibt aber auch die Ehefrau, die einfach nach einem passenden Geschenk für ihren autoverrückten Gatten sucht.

Nicht ohne Risiko

Neuwagenbesitzer sollten sich die Anschaffung eines Luxusschlüssels allerdings genau überlegen: " Wir weisen bei der Auftragserteilung ausdrücklich darauf hin, dass es zu einer Beeinflussung der Garantie seitens des Fahrzeugherstellers kommen kann." In aller Regel seien die Fahrzeuge, für die solche Schlüssel angefertigt werden, aber ohnehin älter als zwei Jahre. Auf die umgearbeiteten Schlüssel selbst gibt es eine Garantie von zwei Jahren.

Wie viele Schlüssel in den knapp eineinhalb Jahren seit Firmengründung entstanden sind, will Noblekey nicht verraten. Eine dreistellige Zahl soll es aber bereits sein. Genug, um die Aktivitäten jetzt auszuweiten, und das Vertriebsnetz auszudehnen: nach Russland, China, in den arabischen Raum und auch in die USA. Zielgruppe sind laut Simon aber nicht nur die Käufer teurer Autos, sondern auch die Hersteller - besser gesagt die exklusiven Kleinserienhersteller, die ihren Kunden künftig zum sündhaft teuren Nobelhobel auch den standesgemäßen Noblekey aushändigen sollen.

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insgesamt 62 Beiträge
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1. Peinlich
mischpot 07.04.2013
Hauptsache ich fahr Noblekey
2. Klasse!
rr767 07.04.2013
Was für eine geniale Geschäfsidee, hut ab! Ich denke es mir auch immer wieder, schönes Auto, langweiliger Schlüssel der nicht so recht zum Rest des Autos passt.
3. Gute
nadir 07.04.2013
und im Grunde naheliegende Geschäftsidee. Hut ab. Ich überlege dann mal weiter :)
4. Das tut weh!
JürgenKo 07.04.2013
Dinge, die die Welt nicht braucht. So ein überflüssiger Blödsinn. Meinen Schlüssel sieht niemand. Mein Prius hat Keyless-go. Er befindet sich immer in der Hosentasche!
5. Goldige Schliesszeiten ... ...
susiwolf 07.04.2013
"Der hat sich immer wieder über sein *Billig-Schliesswerkzeug* geärgert ..." Diese luxuriösen Werkzeuge sind eine wirklich gute Investition für den kleinen Mann: Kann er doch seine bescheidenen Goldvorräte nicht nur in den Zähnen verstecken. Da meinen Geliebten - nach 16 Jahren Treue - nun bald das Zeitliche segnet, hätte ich wenigstens eine lebenslängliche Erinnerung. Auch nach der Presse. Fast wie ein Grabstein in Miniformat . Immer dabei. Eine 'Umfunktionierung' zum Fahrradschlossschlüssel läuft gerade als Anfrage nach Berlin. Diese Problematik bereitet mir doch schon Kopfschmerzen; die Tränen werden noch unterdrückt.
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