Neuheiten der Peking Autoshow: Lacher oder Kracher?

Aus Peking berichtet

Autoshow in Peking: Die Tops und Flops aus China Fotos
Tom Grünweg

Dreiste Plagiate europäischer Modelle - damit assoziierte man bisher die chinesische Autoindustrie. Doch inzwischen können die einheimischen Hersteller mehr als kopieren, auch wenn dabei so manch grotesker Wagen entsteht. Die Tops und Flops der Peking Autoshow.

Verquollene Formen, monströse Kühlerfratzen, verspielte Scheinwerfer und Kreuzungen von Fahrzeuggattungen, die man nun wirklich nicht kreuzen sollte -die Peking Autoshow hat auch dieses Jahr wieder einige Lacher zu bieten. 100 Marken und fast 500 Modelle aus China drängen sich auf der von der Quadratmeterzahl eher kleinen Autoshow in Peking - und manchmal fühlt man sich dort wie in einem PS-Panoptikum.

In einigen Ecken wirkt die Messe wie einer der vielen Fake-Märkte in der Stadt, die voll sind von Imitaten und Plagiaten. "Erkennen Sie die Kopie?", könnte man deshalb stundenlang spielen, wenn man sich in den Hallen vorbei schieben lässt an der chinesischen Version des BMW X1, einer Handvoll Smart-Nachbauten oder den Klonen von Hummer und Jeep.

Früher kopiert, jetzt gekauft

Dabei ist man nie ist so ganz sicher, wie platt das Plagiat nun wirklich ist. Denn mittlerweile haben die Chinesen so viele europäische Autohersteller aufgekauft oder in Joint Ventures gezwungen, dass manche Imitate wie der MG Icon oder der schwülstige Englon im Geist des alten Londoner Taxis in Wahrheit ganz legale Lizenzbauten sind.

Aber in den neun überheizten und viel zu vollen Hallen entdeckt man neben den Lachern zunehmend auch ein paar echte China-Kracher: Autos, die einen eigenen Stil haben, die neue Ideen verfolgen und sich zumindest beim Design nicht vor Serienmodellen aus Europa, Japan oder Amerika verstecken müssen. "Auch hier gibt es genügend Menschen, die wissen, wie man ein gutes Auto baut", mahnt VW-Manager Hans Demant vor europäischer Überheblichkeit.

Chance auf die Straße

Vielen chinesischen Herstellern stehen inzwischen zahlreiche Entwicklungsdienstleister aus ganz Europa und Designbüros vor allem aus Italien zur Seite. Fahrzeuge wie die Limousinen oder Geländewagen von Mercedes-Kooperationspartner BAIC, die Mittelklasse-Limousine Roewe 950 oder die ersten SUVs von JAC und Geely würden sich auch auf europäischen Straßen gut machen. Und der Heyue SC von JAC ginge vielleicht sogar als kerniger Sportwagen durch, wenn jemand dem Motor noch mehr als die mageren 2,3 Liter und 165 PS entlocken würde.

Das vielleicht aussichtsreichste Modell ist aber weder eine Luxuslimousine, noch ein SUV und auch kein Sportwagen - sondern eine blauer Kleinwagen mit fast stromlinienförmigem Gesicht. Das Auto hat noch keinen Namen, und den der Marke Denza kennt bislang noch keiner. Warum das vielleicht ein Fehler ist, lesen Sie hier - bei den subjektiven Lachern und Krachern aus China auf der Motorshow in Peking.

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Schöne Fahrzeuge
regensommer 24.04.2012
Die Fahrzeuge gefallen mir. Auch der Trend zu Elektro ist sehr schön. Wenn jemand das Thema Elektro umsetzen kann, dann die Chinesen. Deutschland schwächelt in diesem Bereich und will nicht, zumindest nicht die Großen. Im Kleinen gibt es sehr wohl tolle Sachen. Was als Flop bezeichnet wird, kann ich nicht nachvollziehen. Einzig alleine das Londontaxi sieht etwas "seltsam" aus. Gibt aber schlimmeres auf unseren Straßen zu sehen
2. Anmerkungen zu den Bildern
the.anthony 24.04.2012
- Bild 3, soll besser aussehen als der Smart? Ansichtssache. - Bild 8, offensichtlich nicht das London Taxi zum Vorbild, sondern die kürzlich präsentierte Studie Bentley EXP 9 F. - Bild 9, weswegen sollte das nichts für Ästheten sein? - Bild 10, Kühlergrill, ja ok, Jaguar oder Bentley. Aber ansonsten hat die Limousine von Hawtai ja eher nichts von einem Jaguar. - Bild 12, Brilliance hat sich nicht am BMW „orientiert“, sondern das ist ein Lizenzbau und da ist die Ähnlichkeit üblicherweise naheliegend.
3. China verstehen
fahrgast07 24.04.2012
Zitat von sysopDreiste Plagiate europäischer Modelle...
Ich wäre vorsichtig mit dem Wort "Dreist". Kopieren ist konfuzianische Kultur. Kopiere deinen Meister so exakt es nur irgend geht - und dann werde besser. Diese exakte Nachahmung gilt sogar als Ehrerbietung. Wir Europäer mögen das dreist finden, für Chinesen ist es das nicht. Das Lachen wird uns ohnehin vergehen: Japan hat auch mal nur kopiert und wurde belächelt - und jetzt versuchen Sie mal, eine nicht-japanische Kamera zu kaufen - bleibt nur eine Koreanische. China hat bis dahin noch einige Jahrzehnte, aber dann werden chinesische Autos auf unseren Straßen so alltäglich sein wie heute Toyota und Hyundai.
4.
fessi1 24.04.2012
Wenn die genannten Flops, wirklich die Flops chinesischer Autohersteller auf der Messe sind, dann sollte man sich doch ernsthaft Gedanken machen! Selbst das Porzellandesign muss man im kulturellen Kontext vorurteilsfrei betrachten und nicht gleich wieder belächeln...
5.
hanka-tsu 24.04.2012
Ich finde, dass die flops eher frischen wind in die verstaubte autowelt bringen. den mut, mal etwas anders zu machen, hat der autor scheinbar nicht gesehen.
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Autoshow Peking: Die Neuheiten der Messe

Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1341,335 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

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