Von Jürgen Pander
Der Sonnenkönig Ludwig XIV. sei ein Vorbild, durchaus. "Natürlich nicht politisch", sagt Alexander C. Graf, "sondern vielmehr kunsthistorisch in dem Sinne, dass der Aufwand zu seiner Zeit nie das limitierende Element war." Graf, 31 Jahre alt und ehemaliger Student der Politikwissenschaft und Philosophie, liebt die Perfektion, die Opulenz, die Kombination von Buttercreme und Hightech. Gemeinsam mit dem Maschinen- und Karosseriebauer Tim Weckerle hat Graf die Auto-Veredelungsfirma Graf Weckerle in Karlsruhe gegründet. Das Markenlogo ist die heraldische Lilie, womit auch symbolisch der Bezug zum Sonnenkönig aus dem Geschlecht der Bourbonen hergestellt wäre.
"Uns war schon vor Jahren aufgefallen, dass Autoveredelung stets nur in eine Richtung betrieben wird - nämlich hin zu mehr Sportlichkeit. Wir allerdings sind der Auffassung, dass es doch auch einen Markt geben muss für wirklich edlere, prächtigere, aufwendiger durchdesignte Autos", erklärt Graf die Geschäftsidee, die sich seit kurzem in den sogenannten Imperialwagen manifestiert. Als Basismodelle kommen diverse Aston-Martin-Modelle sowie der Ferrari 599 GTB in Frage, demnächst soll der Ferrari 458 folgen. Die werden dann von den derzeit neun Mitarbeitern sowie einigen externen Spezialisten in Handarbeit derart aufgebrezelt, dass man sich eigentlich nur noch mit gepuderter Perücke hinterm Steuer wohl fühlt.
Was die Herren Graf und Weckerle meinen, wenn sie von der "Krönung anspruchsvollster Fahrzeugbaukunst" sprechen und von der "Brücke von der barocken Pracht vergangener, europäischer Herrscherdynastien zum Sport- und Luxuswagenbau der Zukunft", wird gut an den 21 Zoll großen Leur-de-Lis-Schmuckrädern deutlich, auf denen jeder Imperialwagen daher rollt. Es dauerte mehr als ein Jahr, bis allein die Software für die CNC-Fräse programmiert war, die jetzt mehr als 20 Stunden arbeitet, um einen einzigen Radstern mit fünf Lilien-Speichen aus einer speziellen Alu-Titanium-Legierung herauszubilden. Insgesamt besteht jedes Rad aus 184 Einzelteilen. "Alles ist aus Metall und mit Spezialschrauben verbunden. Es gibt keinen Kunststoff, keine Clips, nichts, was nicht wirklich zu unserem Anspruch passt", klärt Graf auf.
Sogar die Ventilkappen sind von Hand graviert, verchromt und dann mit farbigen Elementen ausgelegt. Eine Kleinarbeit, "über die fast alle, mit denen wir darüber gesprochen haben, mit dem Kopf schüttelten. Die ist aber wichtig für unsere Vorstellung von Fahrzeugveredelung", wie Graf erläutert.
Gold oder Silber, Samt oder Seide - ganz wie gewünscht
Auch der Innenraum wird von Graf Weckerle ausstaffiert wie ein Kabinett in Versailles. Mit Leder und Samt, mit Stickereien und Metallplaketten, die eine Firma aus Pforzheim im Wachsausschmelzverfahren herstellt und in die dann Farbemaillen eingelegt werden. Weißgold, Rotgold, Sterlingsilber - bitte sehr, wie gewünscht werden diese Materialien im Auto verarbeitet. Natürlich auch außen, auf der Speziallackierung. Zum Beispiel auf den schon erwähnten Rädern oder als Einfassung des von Hand aufgemalten Zierstreifens, der die Flanke des Imperialwagens schmückt.
Damit die nicht immer geschmackssichere Kundschaft zumindest eine Vorstellung davon erhält, dass Luxus und Ästhetik sich nicht gänzlich ausschließen, hat Graf Weckerle zwei Veredelungs-Beispiele entwickelt: "Blanc de blancs" und "Comte noir". Es brauche Fingerspitzengefühl und Diplomatie, um die farbliche Thematik der Kunden so zu beeinflussen, dass das Ergebnis auch wirklich Stil und Klasse hat. "Rosa, grün und gelb mussten wir zum Glück noch nicht kombinieren", sagt Graf.
Mindestens 120.000 Euro Umbaukosten muss man einkalkulieren
An Geld mangelt es der Klientel ebenso wenig wie an Selbstbewusstsein. Ab 120.000 Euro Umbaukosten "wird man in unserer Kollektion fündig", sagt Graf. Dafür erhält man dann den Aston Martin oder Ferrari mit den auffälligen Lilien-Rädern und einem exquisit ausstaffierten Innenraum. Auch technisch bietet Graf Weckerle diverse Veredelungsstufen. Das Fahrwerk der Autos wird stets verfeinert und angepasst, aber auch die Leistung kann beispielsweise im Aston Martin DBS dank Software-Veränderungen auf 560 PS gesteigert werden. Und beim Ferrari 599 GTB sind durch Einsatz von zwei Kompressoren, neuer Software und einer optimierten Abgasanlage sogar bis zu 835 PS drin.
Nicht mehr als 25 Autos pro Jahr wird Graf Weckerle nach allen Regeln der Kunst zu rollenden Highend-Schatullen umrüsten, die vor allem in Russland gut ankommen. Exklusivität ist in dieser Branche ein wichtiges Gut. Im Prinzip bauen Graf Weckerle ausschließlich Unikate oder, wie es auf der Firmen-Web-Seite heißt, "einzigartige royale Ensemble aus Leder, Samt und Gold". Das Wort Bescheidenheit war wohl noch nie unpassender.
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