Benzingespräch mit Nina Prinz "Vielleicht bremse ich später als die anderen Mädels"

Nina Prinz wurde in diesem Sommer Motorrad-Europameisterin der Frauen in der Superstock 1000-Klasse. SPIEGEL ONLINE verriet die 25-jährige, wie man zur Ducati-Werksfahrerin wird - und warum sie nicht nach Bologna zieht.


SPIEGEL ONLINE: Frau Prinz, geht’s ihnen schon wie Michael Schuhmacher? Können Sie noch aus dem Haus, ohne Autogramme geben zu müssen?

Nina Prinz: Klar, das geht noch. Die Aufregung hält sich ziemlich in Grenzen. Motorradrennsport ist in Deutschland ein Minderheitenprogramm; eine Europameisterschaft – und dann auch noch bei den Frauen – wird öffentlich kaum wahrgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Sie fahren eine italienische Maschine, die Ducati 1098.

Prinz: Ja, aber früher, als ich die Rennen noch selbst oder mit der Hilfe von privaten Sponsoren finanziert habe, bin ich auch Honda und MV Agusta gefahren. Die Japaner, das war ziemlich logisch, weil ich meine KFZ-Lehre bei einem Honda-Händler gemacht habe.

SPIEGEL ONLINE: Wie wird aus einer KFZ-Mechanikerin im tiefen Allgäu die Werksfahrerin bei Ducati in Bologna?

Prinz: In bin in den letzten Jahren bereits Rennen in Italien gefahren, weil es dort gute Strecken und eine spannende Meisterschaft gibt. Ducati – oder besser gesagt das Frauenrennteam Y2K von Ducati - hat mich dabei über längere Zeit beobachtet. Ich war mit meinen privaten Maschinen immer schon schnell. Und Ducati, die einfach das beste Team auf der Strecke haben wollen, hat dann letztes Jahr gesagt: Die kaufen wir uns. So kam dann Ende 2006 der Vertrag für die diesjährige Saison zustande.

SPIEGEL ONLINE: Überlegt man da lange, wenn ein Werksteam ruft?

Prinz: Nicht wirklich, aber man verhandelt möglichst geschickt über die Details. (lacht)

SPIEGEL ONLINE: Kann man von dem Job leben?

Prinz: Wenn man gut verhandelt, schafft man es vielleicht, davon zu leben. Was ja die wenigsten Motorradsportler schaffen, Frauen schon gar nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie lief es als einzige Deutsche mit drei italienischen Kolleginnen im Rennstall?

Prinz: Früher haben die Italienerinnen alles schön unter sich ausgemacht. Von daher hat sich die Atmosphäre schon verändert – Anfang des Jahres war ich die blonde deutsche Exotin, die sich erst mal eingewöhnen musste. Jetzt bin ich die Europameisterin, die man schlagen will. Der Ton ist rauer geworden, aber eher gegenüber Konkurrentinnen von den anderen Marken.

SPIEGEL ONLINE: Und warum sind Sie schneller als die anderen Frauen?

Prinz: Die Maschinen von Yamaha, Honda oder Ducati sind im Prinzip von der Leistung her fast alle gleichauf. Die 1098, mit der ich fahre, wiegt rund 180 Kilo und hat rund 180 PS, das dürfte bei der Konkurrenz nicht viel anders sein. Nee, bei den Motorrädern ist es die Person im Sattel, die das Rennen gewinnt. Das läuft anders als in der Formel 1, wo die Taktik beim Boxenstopp über den Sieger entscheidet.

SPIEGEL ONLINE: Also entscheidet der Prinz-Faktor?

Prinz: Ich halte mich bei allem Ehrgeiz immer an meinen Streckenplan und die abgemachte Rennstrategie. Gewonnen wird halt am Ende des Rennens und nicht in der ersten Kurve. Da habe ich das Gefühl, dass die Italienerinnen emotionaler an die Sache ran gehen. Na ja, das ist meine Theorie, aber vielleicht bremse ich einfach auch nur einen Tick später als die anderen Mädels.

SPIEGEL ONLINE: Schon mal verbremst?

Prinz: Dauernd. Aber richtig harte Stürze hatte ich bisher selten. Den einen oder anderen Bruch, aber die meisten Ausrutscher passieren ja in den Kurven, da geht es halt ab in das Kiesbett. Aber bei der Schräglage liegt man ja ohnehin schon fast auf dem Asphalt. Das geht also meist glimpflich ab.

SPIEGEL ONLINE: Im ersten Jahr gleich Europameisterin; wie geht es jetzt weiter?

Prinz: Ich bleibe bei Ducati und will natürlich meinen Titel verteidigen. In der nächsten Saison gibt es mehr Rennläufe. Und vermutlich fahre ich auch die italienische Herrenmeisterschaft mit.

SPIEGEL ONLINE: Wann ziehen Sie nach Bologna?

Prinz: Gar nicht. Aber nach Monaco vielleicht (lacht).

SPIEGEL ONLINE: Ist die Steuerfahndung hinter Ihnen her?

Prinz: Nee, das nicht. Aber Casey Stoner, der in der Königsklasse MotoGP führt, wohnt da. Von dem könnte ich mir sicher den einen oder anderen Tipp geben lassen.

Das Interview führte Jochen Vorfelder

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