BMW 8er Stilles Jubiläum einer Anti-Ikone

Bescheidene Geburtstagsfeier: Vor 20 Jahren präsentierte BMW die 8er Reihe mit einem extravaganten Zwölfzylinder. Der Wagen besaß alles, was ein Oberklasse-Coupé braucht und wurde trotzdem ein Flop - weil er zu sehr aussah wie ein Sportwagen.

Von Stefan Robert Weißenborn


Mit der zwölfzylindrigen Riesenflunder wollten sich die Bayern ein neues Segment erschließen: Sport-Coupés der Luxusklasse. Doch daraus wurde nichts. "Der Geschmack der Käufer wurde falsch eingeschätzt", sagt Kai Jacobsen, Automobilhistoriker bei BMW in München. Mit knapp über 30.000 Einheiten in zehn Jahren blieben die Verkäufe des 8er weit hinter den Erwartungen zurück.

Vor 20 Jahren wurde die einzige 8er-Reihe in der bisherigen BMW-Geschichte auf der IAA in Frankfurt vorgestellt. "Der seit 1986 angebotene 7er mit dem V12-Motor war gut angekommen; diesen Motor wollte man auch in einem Oberklasse-Coupé anbieten", erinnert sich Jacobsen. Dafür wurde die bisherige 6er-Reihe eingestellt.

So wurde der 300 PS starke 850i in ein Rennen der Oberklasse geschickt, dass er gar nicht gewinnen konnte. Er trat an gegen Konkurrenten wie das Jaguar Coupé XJS. "Verglichen wurde er auch mit dem Porsche 928, obwohl das nicht richtig passt", sagt Jacobsen. Andere, wie die Fachpresse, hätten ihn "in Richtung Ferrari Testarossa positioniert." Ebenso hoch wie der Anspruch der Münchener war der Preis des Auto. 135.000 Mark machte die Kaufentscheidung nicht einfacher. "Ein Sonderangebot war das nicht", sagt Jacobsen über den seinerzeit teuersten Serien-BMW.

Bolide mit Absatzschwäche

Schnell brachen die ohnehin niedrigen Produktionszahlen ein. Waren 1991 noch gut 9500 Boliden vom Band gelaufen - die meisten davon mit einem Fünf-Gang-Automatikgetriebe (auch Sechs-Gang-Handschalter wurden angeboten) - so war es ein Jahr später nur noch gut ein Viertel.

Selbst im auf Hubraum und überbordende Motorenleistung fixierten Zielmarkt Amerika floppte das 250 km/h schnelle Luxus-Coupé mit der brillanten Windschlüpfrigkeit. "Mir ist das schleierhaft", rätselt Dieter Wende aus der historischen Werkstatt des BMW Classic Depot in Garching-Hochbrück über den Misserfolg. "Der fährt sich super, macht wahnsinnig Spaß, und ich find, dass er geil ausschaut."

Um das Desaster doch noch abzuwenden schob BMW 1993 den kleineren 840Ci mit acht Zylindern und 286 PS nach, doch auch der konnte die Absatzschwäche dies- und jenseits des Ozeans nicht beheben. Auch die Schmalspurversion des geplanten M8 als Supersportvariante, der 850CSi, vermochte nichts zu ändern. "An der Technik kann es nicht gelegen haben", sagt Historiker Jacobsen.

Innovative Hinterachskinetik

Tatsächlich bot der 8er einige Annehmlichkeiten - die fernbedienbare Zentralverriegelung, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, ein elektrisches Sonnenschutzrollo oder die Standheizung. Für einen Aufpreis von rund 3500 Mark gestaltete eine elektronische Dämpfer-Kontrolle mit Niveauregelung die Fahrt geschmeidiger. Auf den Motor war ohnehin Verlass.

Am Heck boten die Bayer unter dem Kürzel AHK tatsächlich Neues. Die aktive Hinterachskinematik sorgte beim 850CSi für größere Fahrstabilität - laut Jacobsen das Alleinstellungsmerkmal schlechthin. An der Technik kann der Flop also nicht gelegen haben. Vielleicht, so vermutet der Historiker, habe die Karosserieform "nicht jedem" gefallen. Trotz allem sei der 8er ein Meilenstein unter BMW-Fahrzeugen gewesen.

Jungfernfahrt beim "Playboy"-Shooting

Da wundert es kaum, dass der dieser Tage von SPIEGEL ONLINE gefahrene 840Ci erst einmal entmottet werden musste. Sieben Jahre stand der Wagen in den Hallen des BMW-Depots neben zwei von drei Cabrio-Prototypen, die nie in Serie gingen. 2002 hatte des im letzten Produktionsjahr 1999 gefertigte Coupé immerhin seinen großen Auftritt: ein Fotoshooting für den "Playboy" - ganz ohne nackte Frauen. "Es ging ausschließlich um extravagante Autos", sagt Werkstattmitarbeiter Wende. 127 Kilometer hatte das neuwertige Geschoss danach auf der Uhr. "Bei dem Auftritt hat er seine Jungfräulichkeit verloren", witzelt Wende.

Noch neu roch der 8er, als wir einstiegen und ihm weitere 145 Kilometer verpassten. In der Münchner Innenstadt gönnte er sich laut Bordcomputer 17,7 Liter Sprit auf 100 Kilometer, aber niemand nahm Notiz von uns. Auf der Autobahn schob der Motor nach jahrelangem Tiefschlaf ein bisschen unruhig, aber gut an und konnte seine berüchtigte Schwäche des erst spät verfügbaren maximalen Drehmoments nicht verbergen. Etwas holprig rollte er auf den hart gewordenen Reifen daher. Rund ist es nie gelaufen für den 8er. Liebhaber Wende mag es kaum sagen: "Er wird nie eine Ikone werden." Sein wollte er alles.



insgesamt 24 Beiträge
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alexandros89 03.08.2009
1. Re: BMW 8er: Stilles Jubiläum einer Anti-Ikone
Mein Vater besitzt einen 850CSI. Ein absoluter Traumwagen meiner Meinung.
champagnero 03.08.2009
2. Brot und Butter Autos
werden nie Ikonen werden, dafür braucht es keine Verkaufszahlen.
Michael KaiRo 03.08.2009
3. Eins der schönsten BMWs-Modelle
Zitat von sysopBescheidene Geburtstagsfeier: Vor 20 Jahren präsentierte BMW die 8er Reihe mit einem extravaganten Zwölfzylinder. Der Wagen besaß alles, was ein Oberklasse-Coupé braucht und wurde trotzdem ein Flop - weil er zu sehr aussah wie ein Sportwagen. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,634821,00.html
Den wahren Wert eines Fahrzeuges erkennt man oft erst nach Jahrzehnten - z.B., so haben ich es noch in Erinnerung, war der SL-Mercedes Flügeltürer damals auch ein absoluter Flop. Heute reißen sich die Leute drum. Dito BMW M1. Damals von allen geschmäht, heute Kult! Wobei der 8er BMW ein paar Stilelemente vom M1 aufweist, aber m.E. sehr viel eleganter daherkommt. Eins der letzten echten BMWs! Danach kam dann das Bangle-Design und damit kam für mich der Design-Tod bei BMW.
michiansorge 03.08.2009
4. Trugschluss
M.E. ist der ausgebliebende Erfolg nicht an der Ähnlichkeit zu einem Sportwagen zurückzuführen, sondern vielmehr darauf, dass der Markt der sportlich-luxuriösen Coupés fast ausschliesslich von Mercedes dominiert wurde und deren Kundschaft einem neuen Modell skeptisch gegenüber standen und zum anderen der 8er eigentlich nicht mit der Konkurrenz vergleichbar war. Gegen den CL war der 8er einfach zu klein und nicht komfortabel genug ausgestattet. Gegenüber dem SL fehlte ihm das versenkbare Dach, sprich, es war kein Cabrio. Die weitere Konkurrenz, wie z.B. der Jaguar, hatte es selber schwer und konnte auch nicht gerade mit Auftragszahlen glänzen. Und gegen Porsche konnte man den 'dicken' BMW sowieso nicht vergleichen. Ich persönlich fand das Ding als kleiner Junge aber immer absolut geil und denke manchmal noch heute mit Hochgenuss an den roten CSI, den der Händler um die Ecke im Verkaufsraum stehen hatte ...
Dino, 03.08.2009
5. Zu schön für diese Welt.
Ein wunderschönes Coupe, dass heute immer noch seinesgleichen sucht. Selbst Exemplare aus 1997 mit vergleichsweise geringer Kilometerleistung, erzielen noch Preise über € 25000,-. Bei einem Neupreis von ca. 80000,- € ist das ein hervorragender Wiederverkaufswert für einen alltagstauglichen Hingucker. Kein Vergleich zu den neuesten "Kreationen" der Münchner, wie z.B. der aktuelle 6-er. Eine blechgewordene Mißgeburt für Geschmacksverirrte, würg. Dino
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