BMW Art Car Rennwagen im Eispanzer

Bislang lief die Entstehung der BMW Art Cars immer nach dem gleichen Schema ab: Künstler bemalten Autos aus München. Das 16. Fahrzeug der 1975 etablieren Reihe aber entstand nicht nach der gewohnten Prozedur. Olafur Eliasson zeigt stattdessen ein frostig-filigranes Objekt, das nur entfernt an ein Auto erinnert.

Von Jürgen Pander


"Eliassons Projekt transformiert ein Objekt fortschrittlichen Industriedesigns in ein Kunstwerk, das ebenso poetisch wie kritisch Fragen stellt nach dem dem Zusammenhang zwischen der Automobilindustrie und der der globalen Erwärmung." So kommentiert das San Francisco Museum of Modern Art die jüngste Arbeit in der Reihe BMW Art Cars, die derzeit im Rahmen einer Olafur-Eliasson-Retrospektive an der US-Westküste gezeigt wird. "Your mobile expectations: BMW H2R Project" lautet der etwas umständliche Titel des Kunstwerks, an dem der 40jährige dänische Künstler, dessen Eltern aus Island stammen, zwei Jahre gearbeitet hat.

Bereits im Sommer stellte Eliasson die Idee in seinem Berliner Studio vor. Nun ist das Werk in einem 74 Quadratmeter großen Raum zu sehen, der permanent auf einige Grad unter Null gekühlt wird, um das Objekt intakt zu halten. Die Energie für die Kühlmaschine stammt übrigens aus einem Geothemal-Kraftwerk im Norden von San Francisco und ist somit umweltfreundlich und CO2-neutral. Denn gerade darum geht es Olafur Eliasson: Der Betrachter seines Art Cars soll ins Nachdenken kommen, was denn die Erderwärmung und die CO2-Problematik mit seinem ganz individuellen Mobilitätsverhalten zu tun haben könnten.

Zu diesem Zweck dekonstruierte Eliasson zunächst den BMW-Wasserstoff-Rennwagen H2R, mit dem die Münchner diverse Rekorde aufgestellt hatten: der Künstler entfernte die windschlüpfrige, silbrig schillernde Karosserie aus Glas-Kohlefaser-Verbundmaterial und stülpte ein filigranes, mit Metallplättchen garniertes Stahlgerüst über die nun offen liegende Technik des Rennwagens. Dieses Gebilde wurde anschließend über mehrere Tage hinweg mit insgesamt 985 Liter Wasser besprüht, so dass sich ein Gitterwerk aus Eis bildete. Die Gesamtkonstruktion wiegt nach Angaben des Museum of Modern Art rund zwei Tonnen, ist fünfeinhalb Meter lang, gut zwei Meter breit, 1,20 Meter hoch und wird von innen erleuchtet.

Eingefrorene Mobilität

"Erstaunlich und beunruhigend", nennt Museumssprecherin Robyn Wise das so entstandene Kunstwerk. "Das Auto - schwer überdeckt von seinem Eismantel und zum Stillstand verdammt in einem Raum - wird so zu einer eindringlichen Allegorie unserer postindustriellen Mobilität." Der Künstler sagt es einfacher: "Ich möchte die Aufmerksamkeit auf die Bewegung unserer Welt und die Konsequenzen unseres Verhaltens lenken." Außerdem sei es im darum gegangen, eine Beziehung des Fahrzeugs zur Zeit herzustellen: Indem er es sozusagen einfriert, und bei Bedarf allmählich wieder auftauen kann.

Das 16. BMW Art Car von Olafur Eliasson weicht damit deutlich von der bisherigen Linie ab. Bei den vorausgegangenen Arbeiten war es im Wesentlichen so, dass Künstler BMW-Modelle bemalten, die Blechhaut quasi als dreidimensionale Leinwand nutzten. Unter anderem verewigten sich Alexander Calder, David Hockney, Jenny Holzer, Roy Lichtenstein, Frank Stella, Robert Rauschenberg und Andy Warhol auf den Karosserien aus München.

Das eisige Auto von Eliasson ist noch bis zum 13. Januar 2008 im San Francisco Museum of Modern Art zu sehen. Die Premiere des Kunstwerks in Europa wird am 23. April nächsten Jahres in der Pinakothek der Moderne in München stattfinden - ein frostiger Gruß im bayerischen Frühling.



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