Ausfahrt mit dem BMW i8 Roadster Auf Öko-Trip

Das BMW i8 Coupé ist nicht gerade ein Erfolgsmodell. Doch wer eines der Elektro-Coupés besitzt, will offenbar auch den neuen Roadster. Warum das so ist, konnte unser Autor Michael Specht bei einem Ausflug erfahren.

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"Einen Porsche Carrera kaufen? Meine Frau hätte das Geld lieber verschenkt", antwortet Michele Molinari auf die Frage, warum es denn unbedingt ein BMW i8 sein musste. Für einen Preis ab 155.000 Euro hätte es auch einen gut ausgestatteten 911 gegeben, mit mehr Leistung und mehr Zylindern. Auch ein McLaren 570 S Spider mit V8-Motor wäre eine Alternative zu dem eigenwilligen Hybridmodell von BMW gewesen. "Nie im Leben", winkt Molinari ab, dessen Firma Elektrokomponenten an den Schienenverkehr des öffentlichen Nahverkehrs liefert.

Molinari zählt zu einem Tross von 18 Eignern, die in der BMW-Welt in München als erste Kunden den neuen i8 Roadster in Empfang nehmen durften, frisch angemeldet und bereit zu einer gemeinsamen Ausfahrt an den Comer See in Italien. Was sind das für Menschen, die sich für mindestens 155.000 Euro einen Sportwagen mit nur drei Zylindern kaufen? Einem Motor also, der früher nur eines Kleinwagens würdig gewesen wäre? Der nun aber dank Turbo auf sportliche 231 PS kommt und in Kombination mit einem E-Motor (143 PS) den Wagen in die Luxusnische rückt.

BMW i8 Roadster in der "BMW-Welt"
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BMW i8 Roadster in der "BMW-Welt"

Der Unternehmer aus der Schweiz schwärmt vom ökologischen Ansatz des i8, der Herstellung des Carbons für die Karosserie mit Strom aus Wasserkraft und die Recyclingmaterialien im Innenraum. Zuvor hatte er die Bestellung eines Tesla Model S rückgängig gemacht. Der i8, quasi sein Dienstwagen, schaffe dank Hybridantrieb die Strecke zur Zweigniederlassung in Österreich, erklärt er. Für das kalifornische E-Auto mit einer Reichweite von realistischen 250 bis 350 Kilometern war die Distanz zu lang. "Mit dem i8 habe ich da keine Probleme." Der schafft zwar elektrisch nur bis zu 53 Kilometer, doch ein zusätzlicher Benzintank lässt erst gar keine Reichweitenangst zu.

Die meisten der Teilnehmer haben bereits den i8 als Coupé in der Garage

Sämtliche Fahrzeuge des i8-Konvois sind mit einer speziell angefertigten Plakette an der Mittelkonsole versehen. Auf ihr steht "First Edition 1 of 200", darunter klein "BMW i8 Club" und eine Zahl zwischen"1/18" und "18/18". Die erste Ziffer ist auch jeweils die letzte in der Fahrgestellnummer. Alles muss schließlich seine Ordnung haben. Die 1 geht an Claus-Dieter Bachmann. Er ist der Gründer und Präsident des i8-Clubs. Bachmann hat die Tour organisiert. Bei den Mitgliedern - der Club zählt über 100 - kommt solch eine Detailverliebtheit bestens an.

Die meisten der Teilnehmer haben bereits den i8 als Coupé in der Garage stehen. "Das elektrische Fahren in Kombination mit offenem Dach gibt dem Ganzen nochmals einen Kick. Das bietet mir in diesem Segment kein anderer Hersteller" sagt Wilhelm Taubert, Unternehmer aus Hünxe. Tauberts Firma stellt Dekorelemente her, hauptsächlich für Hausfassaden und "natürlich lösungsmittelfrei", wie er betont. Seinen Dienstwagenfuhrpark hat Taubert komplett auf Elektro- und Hybridfahrzeuge umgestellt. Der Kauf des i8 Roadster geschah jedoch nicht in erster Linie aus ökologischen Gesichtspunkten. Vielmehr wollte Taubert seine Sammlung vervollständigen. Er besitzt jeweils ein Modell aller seit 1936 produzierten BMW-Roadster, wozu auch die millionenteuren Ikonen 328, 507 und 503 gehören.

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BMW i8 Roadster: Offen für Neues

Auch für Horst Dittmann, Unternehmer aus Bad Kissingen, stand der Öko-Gedanke nicht unbedingt im Vordergrund, als er sich für den i8 Roadster entschied. Zu seinem Privatfuhrpark zählen ein Alpina Z8, ein 6er Gran Coupé, ein M4 CS und ein M5, alles potente Sportwagen. "Mich hat das Design fasziniert. Schauen Sie nur die offene hintere Flanke an. Der i8 gleicht doch eher einem Concept Car als einem Serienauto." Unterstützung erhält Dittmann von Christof Kalle. "Das Auto sieht aus, als würde es aus der Zukunft kommen", sagt der Freiburger Medizintechniker, "so stelle ich mir einen Sportwagen in zehn Jahren vor." Seinen i8 bewegt Kalle jeden Tag. "Der i8 erzeugt keinen Sozialneid, was sicher auch an dem elektrischen Fahren liegen mag. Wir 'prollen' nicht laut durch die Gegend", sagt er.

Nur 13.600 produzierte i8 seit Marktstart

Mit seinem i8 würde Thomas Jander dennoch nicht zu seinen Kunden fahren. Der Berliner ist Dienstleister für die Industrie und bevorzugt geschäftlich "neutralere" Autos wie Audi Q5 und Mercedes C-Klasse Kombi. "Viele kennen das Konzept nicht, das hinter dem i8 steckt. Aber genau das war es, was mich zum Kauf veranlasst hat", sagt Jander, "den werde ich noch die nächsten 20 Jahre fahren, der begleitet mich mein restliches Leben."

Normalerweise dauert es weniger als zwei Jahre, bis ein Hersteller auf ein Coupé eine offene Variante folgen lässt. Mehr als doppelt so viel Zeit ließen sich die BMW-Entwickler für den i8 Roadster. Einen Grund dafür nennt das Unternehmen nicht. Vielleicht war man schlicht unsicher, wie sich der Verkauf des Coupés entwickeln würde. Schließlich betraten die Bayern mit diesem Fahrzeug komplettes Neuland. Unter dem i8 steckt nicht nur ein Plug-in-Hybridantrieb mit einem Dreizylinder als Verbrenner, sondern auch seine Karosseriestruktur ist außergewöhnlich. Sie besteht aus Carbon. Weltweit gibt es diese Kombination sonst nirgends. Im vergangenen Jahr konnte BMW in Deutschland gerade einmal 273 Kunden für den i8 gewinnen, eine homöopathische Dosis im Vergleich zum Porsche Carrera beispielsweise (7520 Einheiten). 2016 waren es 243, 2015 als Höchstmarke 393 Fahrzeuge. Insgesamt wurden seit dem Marktstart im Juni 2014 rund 13.600 i8 produziert. Bester Einzelmarkt sind die Vereinigten Staaten.

Beim Roadster dürften die Verkäufe auf ähnlich niedrigem Niveau weiterlaufen. BMW verlangt für das Open-Air-Vergnügen 155.000 Euro, gegenüber dem Coupé eine Differenz von gut 17.000 Euro. Optisch wirkt der Roadster - hauptsächlich wegen seiner niedrigeren Dachlinie - nochmals markanter als das Coupé. Verschwunden sind die (Not-)Rücksitze aufgrund des Platzbedarfes für das Stoffverdeck. Es bleibt dort aber etwas Stauraum fürs Wochenendgepäck.

Neue Batteriekapazität

Mit der Einführung des Roadsters überarbeitete BMW den Antrieb. Die Gesamtleistung aus 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner plus Elektromotor, platziert auf der Vorderachse, stieg von 266 kW (362 PS) auf 275 kW (374 PS). Deutlicher ist der Unterschied bei der elektrischen Reichweite. Entsprechend der neuen Batteriekapazität, sie wurde von 7,2 auf 11,2 kWh erhöht, stieg die Reichweite von 37 auf 55 Kilometer (53 km beim Roadster), was für den einen oder anderen Berufspendler die Möglichkeit eröffnet, ganz ohne Zuschalten des Dreizylinders ins Büro und wieder nach Hause zu fahren.



insgesamt 78 Beiträge
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Was_zum_Teufel...? 07.06.2018
1. Tonne bleibt Tonne.
Egal ob offen oder geschlossen. Das ganze Konzept ist eine Frechheit. 50 km elektrisch? Aha. 374 PS? Super! Motor? Keiner. Ein Laubpuster mit drei Zylindern. Entweder richtig elektrisch oder mindestens einen Sechszylinder als Verbrenner. 155.000 Euro für ein bisschen Design ohne Motor sind ein übler Scherz!
Fragende_Leere 07.06.2018
2. Vorsprung durch Technik
Der i8 ist doch genau das Auto, was Tesla gerne gebaut hätte, aber nicht kann. Und der Wagen, für den Audis Werbespruch stehen müsste, nur dass die Ingolstädter sich dieses nicht zutrauen? Nicht können? BMW hat es gemacht, Bravo! Mir fehlt übrigens das Geld für einen davon, schade
abocado 07.06.2018
3. Ökologischer Unfug
Wie lange müsste man eigentlich mit dieser Flunder fahren, bis man die höhere Energie, die im Aufwand steckt, wieder eingefahren hat? Geht das von der Gesamtbilanz und dem hohen Mehrgewicht eigentlich? Es dürfte sich um ein reines Verblendungs- und Renditeobjekt für Reiche handeln, sonst gar nichts.
nach-mir-die-springflut 07.06.2018
4. 1-Zylinder, 500 ccm, 125 System-PS
Der i8 wirkt unter den mittlerweile üblich gewordenen Protzern, wo der Spaß erst bei 650 PS anfängt, alles drunter ist Pillepalle, vielleicht untermotorisiert. Tatsächlich sind 374 System-PS eine angemessene Leistung für einen Sportwagen. Der Betrachtung wert ist, dass das Fahrzeug bei ruhiger Fahrweise 2 l/100 km braucht und, neben dem Karbon aus regenerativer Energie, aus Stoffen der Wiederverwertung besteht, so dass der i8 Maßstäbe setzt und zeigt, was möglich ist, und wohin es gehen kann in Zukunft. Aufgrund von Miss- und Desinformation gilt der Verbrenner als immer noch Umweltschädling, weswegen dem Batterieauto das Ökosiegel gegeben wird, aller Gegenargumente zum Trotz. Tatsächlich sind Kraftstoffe auch aus Wasser, Strom und dem CO2 aus der Luft herzustellen, ein hochwertiges Rennwagenbenzin kommt dabei heraus, so dass Hybride alles andere sind als unökologisch, sondern sie nutzen Energie besonders effizient und schaffen einen Ausgleich zwischen den Gegensätzen: Batterieauto: hohes Gewicht -.- niedrige Reichweite -.- geringer Energieverbrauch -.- teure Anschaffung vs. Verbrennerauto: niedriges Gewicht -.- hohe Reichweite -.- hoher Energieverbrauch -.- geringe Anschaffungskosten. Bei einem Neupreis von 125.000 statt 155.000 Euro bewegte der i8 sich schon im Porsche-Carrera-991-Segment. Gesetzt den Fall, alle benötigte Energie wird einmal in Jetztzeit aus den Naturgewalten gewonnen (gemeinhin Energiewende oder Erneuerbare Energien genannt), so meint die Herstellung der benötigen Energieformen einen sehr aufwendigen Prozess mit auch Einbußen im Gesamtwirkungsgrad, so dass mit Energie zwar nicht gespart werden muss, denn die Naturgewalten stellen mehr zur Verfügung, als sie der Mensch brauchen könnte, dass aber wegen der vielen Anlagen, die zu betreiben und zyklisch auszutauschen sind, mit Energie effizient umgegangen werden muss. In Richtung Effizienz gehen diese Hybrid-Fahrzeuge, während Benzin mit seinen um die 10 kWh Energie pro Liter immer noch der ultimative Energiespeicher ist, gerade in Hinblick auf Größe und Gewicht, darüber hinaus die Verteilerlogistik besteht. Eine andere Form des Hybriden wäre die Kombination aus chemisch gebundenen Wasserstoff in einem flüssigen Trägermaterial, LOHC-Wasserstoff genannt, tankbar + nicht entflammbar, in Kombination mit der Brennstoffzelle. Passend gerade für Busse des öffentlichen Nahverkehrs oder auch Regionalbahnen ohne Stromleitungen.
sponjo 07.06.2018
5. In die Tasche gelogen.
Nach 50 elektrischen Kilometern (hoho!)hat man einen normalen Verbrenner mit Soundgenerator und fancy Karosserie. Das hilft nur dem Gewissen. GERADE auf langen Strecken ist Hybrid ja ökologisch ineffektiv.
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