BMW Spicup Dieses Verdeck ließ sich nicht unterkriegen

Ein BMW mit Lamellendach, das auf Knopfruck im Überrollbügel verschwindet? Das gab es. Die Autohistorie ist reich an irren Studien, die sich nie durchsetzten. Wir zeigen die gewagtesten Visionen. Dieses Mal: der Spicup.

Bonhams

Von Christian Frahm


Ende der Sechzigerjahre glaubte man beim Karosseriehersteller Bertone, das Autoverdeck neu erfunden zu haben. Der Entwickler Enzo Cingolani hatte eine elegante Konstruktion entworfen: ein Dach, bestehend aus zwei Lamellen, bei dem sich die beiden Elemente auf Knopfdruck ineinanderschoben und nach hinten in einen schmalen Kasten verschwanden, der auf den ersten Blick wie eine Art Spoiler oder extrabreiter Überrollbügel wirkte.

Jetzt brauchte Bertone nur noch das passende Auto unters Dach.

Die Wahl fiel auf einen BMW. Die Italiener pflegten gute Kontakte zu den Bayern und durften das Chassis eines BMW 2800 komplett neu einkleiden. Bertone-Designer Marcello Gandini verpasste dem Wagen unter anderem Reminiszenzen an das Modell 507, etwa die angedeuteten Kiemen an den Seiten. Unter die Haube steckte man einen 170 PS starken 2,8-Liter-Reihensechszylinder. Gekrönt wurde der in leuchtendem grün lackierte Zweisitzer von dem Lamellendach. Die darunter platzierte Heckscheibe konnte ebenfalls versenkt werden.

Die Studie mit dem Namen Spicup - ein Fantasiewort aus Spider und Coupé - enthüllte Bertone auf dem Genfer Autosalon 1969. Der auffällige Konzeptwagen sollte das elektrische Verdeck auch anderen Autoherstellern schmackhaft machen.

Doch daraus wurde nichts.

Happy End in Froschgrün

So aufregend der Spicup auch aussah - mehr als interessierte Blicke zog seine Dachkonstruktion nicht auf sich. Weder BMW noch ein anderer Hersteller baute das Lamellenverdeck in Serie. Daran sollte sich auch nichts ändern, nachdem der Spicup bei der IAA in Frankfurt noch mal ins Rampenlicht gerückt wurde. Er blieb ein Unikat.

Der Spicup auf dem Bertone-Stand des Genfer Autosalons 1969
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Der Spicup auf dem Bertone-Stand des Genfer Autosalons 1969

Doch im Gegensatz zu vielen anderen Prototypen, die auf Messen stehen und anschließend in Automuseen oder Archiven der Hersteller verschwinden, wurde der Spicup auf der Straße bewegt. Und das nicht zu knapp.

Nach den erfolglosen Auftritten von 1969 tauchte das Einzelstück ein paar Jahre später beim bekannten Düsseldorfer Autohaus Becker wieder auf. Von dort wurde es in die Niederlande verkauft, erhielt eine Straßenzulassung und war als Alltagsgefährt im Betrieb - mehr als 100.000 Kilometer spulten seine Besitzer damit ab. Dann erst landete der Wagen in einer Scheune und stand sich die Reifen platt.

Fast eine halbe Million Euro teuer - und nicht ganz dicht

2008 feierte der Spicup erneut ein Comeback. Der niederländische Autoliebhaber Paul Koot entdeckt ihn und ließ den Wagen in rund 2000 Arbeitsstunden restaurieren. 2009 fuhr er damit beim Concorso d'Éleganza am Comer See vor. 2011 kam der Spicup dann beim Auktionshaus Bonhams für 460.000 Euro unter den Hammer.

Das Lamellendach, so hört man, lässt sich immer noch elektrisch öffnen und schließen. Nur hundertprozentig wasserdicht ist es angeblich nicht.



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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
spon-49j-k5ri 22.01.2016
1.
Bonhams macht aber eher armselige Fotos. Viel Himmel aber wenig Auto. Dennoch eine sehr interessante Studie!
wakaba 22.01.2016
2.
Schaut man zurück...alle aussergewöhnlich gut gestalteten Bmw wurden nicht von der Bmw Design Abteilung gestaltet sonder stammen von Goertz, Giugiaro, Bertone, Gandini. Vertane Chancen - der Tiefpunkt ist noch nicht ganz erreicht. Es geht mit Sicherheit noch schlimmer als der Minivan, Mini und andere Mist mit Kleinwagentechnik.
Bin_der_Neue 22.01.2016
3.
Abgesehen von der doch etwas unförmigen B-Säule ein interessantes, vor allem schnörkelloses Auto. Mit einem abnehmbaren Targa- oder herkömmlichen Cabriodach wäre mit Sicherheit ein noch stimmigeres Geamtbild drin gewesen. Wobei mit das Design aus mehreren Blickwinkeln stark an den Alfa Romeo Montral erinnert - der ebenfalls bei Bertone entstand.
fehleinschätzung 22.01.2016
4. coole Idee
statt das Dach im Kofferraum zu verstauen, wo es nur Platz weg nimmt. Dennoch mutig, das Ganze Lamellendach zu nennen: ist ja nur 2-geteilt...
newliberal 22.01.2016
5. Toller Wagen
und eine verpasste Chance für BMW. Auch wenn der Wagen von hinten etwas merkwürdig aussieht, wenn man vergleicht was anno 1970 für teilweise armseliges Blech über die Strassen knatterte... Das Metallicgrün war übrigens eine wunderschöne Farbe. Nachbarn hatten in den 70ern einen Schirocco in dieser Farbe - Wow Effekt "
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