BMW Z4 Roadster Die letzten ihrer Art

Roadster gelten als Inbegriff der Fahrfreude, trotzdem sinkt die Nachfrage nach diesen Genussautos rapide. BMW bringt im März 2019 eine Neuauflage des Z4. Doch die Zukunft der offenen Zweisitzer scheint ungewiss.

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Von Fabian Hoberg


Lange Motorhaube, flache Karosserie, Stoffverdeck und ein kurzes Heck. Der neue BMW Z4 ist ein klassischer Roadster - und damit genau das Gegenteil der seit Jahren beliebten SUV. Immer weniger Kunden scheint offener Fahrspaß wichtig zu sein. In den vergangenen zehn Jahren halbierte sich der Cabriomarkt von rund 800.000 verkauften Autos auf nur noch 418.000 Fahrzeuge in 2017.

Dennoch entschied sich BMW nach langem Warten wieder für einen offenen Zweisitzer. Bei dem jetzt vorgestellten Z4 M40i sitzt unter der flachen Haube ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit 250 kW/340 PS, der seine Kraft auf die Hinterräder überträgt und den Zweisitzer in 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Mit dem tiefen Schwerpunkt, einer idealen Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse von 50:50, der breiten Spur und einem kompakten Radstand soll der Z4 noch sportlicher fahren als sein Vorgänger. Der geriet eher komfortabel als dynamisch - und folgte damit nicht mehr der alten Roadster-Philosophie.

Doch auch der neue Z4 bietet den aktuellen technischen Schnickschnack wie ein elektrisches Verdeck, LED-Scheinwerfer, digitales Cockpit, Surround-Sound-System und erstmals bei einem Roadster ein Head-up-Display. Statt eines Stahldachs wie beim Vorgänger klappt ein um 50 Kilogramm leichteres Stoffverdeck ins Heck. Preise nennt BMW zwar noch nicht, aber der Einstieg für einen kleinen 2,0-Liter-Motor dürfte bei rund 40.000 Euro liegen, der Sechszylinder bei rund 60.000 Euro.

Die Fahrer saßen irgendwie mitten in der Natur

Offene Zweisitzer haben eine lange Tradition: Die ersten Autos verzichteten auf ein festes oder klappbares Dach, als Wetterschutz dienten flatterige Persennings. Der Komfort war zweitrangig. Was galt, war der offene Fahrspaß. Bei manchen Fahrzeugen fehlte sogar die Frontscheibe oder sie ließ sich nach vorne klappen. Es waren puristische Sportwagen, nur offen. Die Fahrer saßen im Auto, aber irgendwie auch mitten in der Natur, nur durch Lammfelljacken und Mützen vor Kälte und Regen geschützt. Im Vergleich zu Cabrios waren die Roadster mit ihren ungefütterten Stoffverdecken spartanisch ausgestattet, aber auch günstiger.

Die schönsten offenen Zweisitzer:

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Rückkehr der Roadster: Autos zum Träumen

Nach dem ersten Roadster-Boom der Fünfziger- und Sechzigerjahre in Europa, ausgelöst durch britische Hersteller wie MG, Lotus, Morgan, Jaguar, Triumph und Austin-Healey und einigen italienischen Marken wie Alfa Romeo und Fiat, sackte das Kaufinteresse Anfang der Achtzigerjahre stark ab. Erst mit dem Mazda MX-5 begann 1989 eine Wiederbelebung des Segments. Der offene Zweisitzer geriet schnell zum Liebling sportlicher Fahrer. Mit über einer Million verkaufter Autos ist er der meistverkaufte Roadster aller Zeiten.

Heute gelten Roadster als exklusiv. Hersteller konzipieren die offenen Zweisitzer für Besitzer, die gerne Auto fahren. Statt teurer und schwerer Stahldächer wie bei Cabrios setzen moderne Roadster wieder auf leichte Stoffkapuzen. Im Gegensatz zum Cabrio wiegen sie meist weniger, fahren sich dadurch dynamischer.

Kooperationen sichern derzeit den Fortbestand der Roadster

"Roadster sind Nischenprodukte, für Hersteller und Kunden", sagt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach bei Köln. Roadster fokussieren sich mehr auf den Fahrspaß als auf den Nutzen, bieten eine niedrige Sitzposition und oftmals starke Motoren. "Roadster werden oft positiv bewertet, es sind nicht nur reine Transportmittel, sondern Genussautos", sagt Bratzel. Auf die Marken färbt das positiv ab.

Damit sich die Produktion trotz Absatzschwund rentiert, gehen Hersteller Kooperation ein. Mazda baut mit Fiat gemeinsam die Modelle MX-5 und 124 Spider, BMW arbeitet mit Toyota zusammen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass BMW sich bei einem kompletten Auto auf die Zusammenarbeit mit einem anderen Hersteller eingelassen hat. In den vergangenen vier Jahren entstanden die Sportwagen Z4 und Supra. Durch die Kooperation sparen Unternehmen Geld und Zeit bei Entwicklung und Produktion.

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BMW Z4: Was kommt nach Z?

Es war anscheinend die einzige Möglichkeit, den Z4 kostendeckend auf die Räder zu stellen. Ganze zwei Jahre nach Auslaufen des Vorgängers Z4 präsentiert BMW jetzt das neue Modell - ungewöhnlich spät. Die Produktion lief im August 2016 aus. Normalerweise steht sofort der Nachfolger bereit, um keine Kunden an andere Marken zu verlieren.

Trend zum SUV

Warum BMW sich so lange Zeit ließ, kann Bratzel nur vermuten. "Ein Roadster mit geringen Stückzahlen hat bei keinem Hersteller Priorität. Die Fahrzeuge leiten sich meist als Derivate von anderen Produkten ab, vielleicht hat es deshalb etwas länger gedauert", sagt er.

Während der Z4 als Roadster produziert wird, soll der Supra nur als Sportcoupé angeboten werden. Ein Produktionsstart für beide Modelle ist ab Ende dieses Jahres geplant - bei Magna Steyer in Graz in Österreich. Die Markteinführung sieht BMW für März 2019 vor.

Trotz der Beliebtheit der sportlichen Flitzer geht der Trend insgesamt weg von offenen Versionen, hin zum Cocooning. Damit ist gemeint, dass sich Autofahrer in gefühlt unsicheren Zeiten mehr schützen wollen. Ein Ergebnis sei der Trend zu mehr SUV. Bratzel geht nicht davon aus, dass sich dieser Kurs in den nächsten Jahren ändern wird.

Weniger Telefonate im Roadster

Außerdem unterstützen die geschlossenen Autos das geänderte Nutzungsverhalten vieler Autofahrer. Moderne Fahrzeuge setzen auf große Displays. Bei offenen Autos mit direkter Sonneneinstrahlung seien diese eher hinderlich. Und auch die Sprachqualität bei Telefonaten nimmt wegen der Windgeräusche im offenen Auto stark ab. Das führt dazu, dass in offenen Autos eher selten telefoniert wird. Der Fahrer konzentriert sich auf den Verkehr und genießt dabei einfach die pure, offene Fahrt in seinem Roadster.

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insgesamt 61 Beiträge
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smartphone 24.08.2018
1. SUV na klar
Es hat alles seinen Grund . wer hat denn noch(!) Geld für sowas wie ein Auto , Richtig , der Senior Und Versehrte....
DerBlicker 24.08.2018
2. Roaster sind überflüssig
Früher waren Roadster und Sportwagen wenigstens noch deutlich schneller als Limousinen oder SUV, heute kann fast jedes Mittelklasseauto auch Tempo 250 fahren, wenn man den entsprechenden Motor ordert. Einen Roadster offen zu fahren macht auch nur noch auf kurvigen Schwarzwaldstraßen Spaß, aber weder in der Stadt noch auf der Autobahn macht offen fahren Spaß, da es zu warm, zu kalt, zu laut und zu sonnig ist. Ich dachte auch einmal über ein Cabrio nach, weil das doch so schick aussieht. Aber zum Glück hatte ich mir erst mal eins für ein Wochenende gemietet, danach wollte ich kein Cabrio mehr, weil zu laut, zu warm, zu viel Gestank, zu viel Sonne, zu eng, kleiner Kofferraum. Da sitze ich doch viel lieber ruhig und gut gekühlt und bequem in meinem SUV und lausche der Musik.
landei23 24.08.2018
3. Überflüssig vielleicht...
...aber einfach wunderbar. Ich bleibe beim Roadster solange ich das kann und hoffe auf einen elektrisch betriebenen Roadster in der Zukunft. Den BMW finde ich außerordentlich misslungen, optisch, worüber man sich streiten kann, jedenfalls ist der Motor für einen Roadster an der falschen Stelle.
arnedererste 24.08.2018
4. Der Z3/Z4
Beitrag war eigentlich immer ein puristisch gehaltenes Auto. Der hier gezeigte Z sieht mit dem ganzen Elektrogedöhns nicht mehr puristisch aus. Ich fahr jeden Tag mit meinen Z4 zur Arbeit. Dank der Dürre seit Mai nur viermal mit geschlossenen Dach :-D
der_pascal 24.08.2018
5. Roadster sind überflüssig? Blabla.
Klar daß das Argument von einem SUV-Fahrer kommt. Ich fuhr 'nen MX5 NBFL über 2 Jahre und 100TKM offen, immer, auch im Winter bei unter -10°C und bei Wolkenbruch sowie bei fast 40°C im Schatten. Das war für mich eine Offenbarung, auf jede Fahrt habe ich mich gefreut. Und Sie kommen daher und faseln etwas von Cabrio, kalt, laut und überhaupt. Ein Roadster ist kein Cabrio. Ach, was schreib ich hier eigentlich. Ist eh für die Katz...
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