Chevrolet Camaro als Mietwagen: Wenn der Sheriff schwarz sieht

Chevrolet Camaro als Leihwagen: Die Miet-Misere Fotos
SPIEGEL ONLINE

Wer in den USA ein Auto mietet, muss auf alles gefasst sein - diese Erfahrung machte SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Sebastian Fischer. Erst freute er sich über das Upgrade auf ein Muscle-Car-Cabrio - dann wurde der Wagen fast vom Sheriff stillgelegt.

Sechs Stunden schafft er nicht, sagt meine Freundin. Ach was, sage ich. Es geht um unser Auto, einen Volkswagen Passat. "Willst du schon wieder Abschleppwagen fahren?", zieht sie dann abrupt jenes Argument, das die Diskussion ganz zwangsläufig beendet. Nein, will ich natürlich nicht.

So lassen wir den alten grünen Passat zu Hause - in letzter Zeit stinkt es auf den ersten Kilometern jeder Fahrt stets nach verbranntem Öl - und buchen einen Mietwagen für den 400-Meilen-Trip in den Süden, von der Hauptstadt nach North Carolina.

Hoffentlich wird es nicht wieder einer dieser grellfarbenen Kleinstwagen. Daihatsu, fürchte ich. Die Dame am Schalter der Autovermietung macht erst Hoffnung ("Ihr Glückstag, Sie bekommen ein kostenloses Upgrade"), dann Angst ("Der Wagen ist orangefarben").

Ein Daihatsu Cabrio, denke ich.

Tatsächlich, da steht ein Cabrio. Aber ein Chevrolet Camaro. Eines dieser amerikanischen Pony Cars, extrem breit, extrem niedrig, eine Protzkarre in Orange mit bösem Blick. Die Frontscheibe nur ein Sehschlitz, das Innere eine dunkle Plastikhöhle. Peinlich wie ein Daihatsu, aber viel lustiger. Vor allem als Cabrio. Denn in North Carolina soll es schon 20 Grad warm sein. Der Wagen röhrt kurz beim Anlassen, dann klingt es nach japanischem Vierzylinder-Magermotor. Ein Bodybuilder mit hohem Stimmchen.

Auf dem Radar

Wir fahren los, die Leute gucken. Typen in Army-Uniform zeigen auf den Camaro. So muss das in Deutschland gewesen sein, in den Achtzigern im Opel Manta. Im Handbuch steht, das Auto habe einen 3,6-Liter-Motor, sechs Zylinder und 323 PS. Ganz ehrlich, davon ist überhaupt nichts zu spüren. Der Camaro ist der erste Sportwagen, mit dem ein Tempolimit Spaß macht.

Kurz vor der Grenze zu North Carolina ist dann aber erstmal Schluss. Polizeikontrolle. Wir hatten es ja kommen sehen, hatten als Passat-Fahrer auf der Autobahn doch immer wieder über die Camaros, Mustangs und Firebirds am Straßenrand gelästert, stets gestoppt vom Sheriff. Wer so eine Karre fährt, bei dem kann man ja mal genauer hinschauen. Diesmal fahren wir so eine Karre, orangefarben.

Es geht los. Hinten blinkt es gewaltig, der Sheriff-Ford macht Lichteralarm. Langsam steigt der Beamte aus - das gehört zum Spiel - dann ran an die Beifahrertür: "Wie geht's?" "Toll", sage ich. Er hält seinen Finger in die Mitte des geöffneten Fensters. "Bis hierhin hochfahren, bitte", sagt er.

Der Sheriff ist gnädig

Die bis zur Undurchsichtigkeit getönte Scheibe fährt bis zu seinem Finger hoch. Er setzt ein boxartiges Prüfgerät auf die Kante, darauf erscheint die Zahl 15. "Was ist denn das?", frage ich. Er schaut mich fassungslos an. "Mann, Ihre Scheibe ist viel zu dunkel", sagt er, "viel zu dunkel". Nur 15 Prozent Lichtdurchlässigkeit, das sei verboten. Er werde mir jetzt meine Nummernschilder wegnehmen, denn in Virginia seien 35 Prozent vorgeschrieben.

"Das ist ein Mietwagen", sage ich. "Nicht zu fassen", meint er. Wir beweisen es ihm. Er geht zu seinem Wagen und versucht tatsächlich, die Autovermietung anzurufen. Nach fünf Minuten kommt er zurück. Es habe keiner abgenommen. "Herrlich", denke ich, "dass selbst der Sheriff in Amerikas berüchtigten Warteschleifen hängen bleibt". "Also", sagt er, "ich schreibe jetzt keinen Strafzettel, aber geben Sie der Autovermietung Bescheid, beim nächsten Mal lege ich den Wagen still". "Klar", sage ich, und meine Freundin auf dem Fahrersitz drückt das Gaspedal durch. Da geht ja doch noch was mit dem Camaro.

Die Dame von der Autovermietung nimmt es gelassen. Ja, das könne passieren, manchmal würden Kunden eben etwas verändern an den Autos. "Sie meinen, jemand hat andere Scheiben eingebaut?", mutmaße ich. "Warum nicht?", sagt sie. "Wenn ich den Wagen orangefarben miete", sage ich, "könnte ich ihn dann auch in grün zurückgeben?" "Nee", sagt sie, "das wäre ja Unsinn".

Sie entschuldigt sich dann noch ein paar Mal im Namen der Firma, gibt 13 Dollar Rabatt. Und ich werde beim nächsten Mal auf ein Downgrade bestehen. Daihatsu vielleicht.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
butch_cassidy 03.03.2013
Die Fotos sind ja unglaublich super!!!
2. So ein Quatsch
digitus_medius 03.03.2013
in den USA sind weder ein Camaro noch ein Mustang oder eine Corvette peinlich. Wenn jemand darauf zeigt dann aus Bewunderung.
3. Schöne Geschichte
kenterziege 03.03.2013
Das könnte in Europa trotz einheitlicher Zulassungsvorschriften auch passieren! Hier konzentriert man sich allerdings mehr auf Geschwindigkeitsüberschreitungen. Der gemeinsame Nenner: Cops bedienen ein Messgerät, dessen Funktion sie kaum verstehen! Fragen sie mal einen Cops nach Opazität! Bei uns bedienen Schüler Teaschenrechner und glauben das Ergebnis ohne nachzudenken!
4.
pacificreader 03.03.2013
Die getönten Scheiben kann man wirklich gut erkennen! In Deutschland ist sowas natürlich erlaubt. Ausser vielleicht in Bayern. Dafür in Bochum Pflicht!
5. Ach was
secretsurf 03.03.2013
es gibt so ein Gerät zum Messen der Lichtdurchlässigkeit von getönten Scheiben. Sogar ein Sheriff in der amerikanischen Prärie hat sowas. Na dann empfehle ich schleunigst mal die Nachrüstung diverser dt. Polizeiwagen und dann klare Kontrollen an den Autobahnen und Strassen welche nach Deutschland reinführen. Es mehren sich die Fahrzeuge mit Volltönung auf dt. Strassen. Sehr häufig mit süd- oder osteuropäischen (speziell die russischen Fahrzeuge) Nummerschildern ausgestattet, dort herrschen eben auch laxe Bestimmungen (wenn überhaupt vorhanden) für das Autotuning. Aber auch in DE gibt es so manchen hirnlosen Tuner der selbst die Frontscheibe innen mit Folie bezieht. Die Folgen sind bei nächtlichem Gegenverkehr ein gestreutes Blendlicht mit lebensgefährlichen Auswirkungen. Je flacher die Scheibe ist um so schlimmer, wirken doch die mehrlagig laminierte Frontscheiben in Kombination mit der innen angebrachten Folie fast wie ein Prisma. Mal abgesehen von der ungültigen Zulassung und dem damit verlorenen Versicherungschutz, gefährdet man sich und andere unnötig.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fahrkultur
RSS
alles zum Thema Chevrolet
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 23 Kommentare
Facebook
Fotostrecke
General Motors: Die zehn schönsten Modelle

Fotostrecke
Chevrolet Camaro Cabrio:
GM-Markenübersicht
DPA
General Motors ist in Deutschland vor allem durch Opel bekannt. Doch zu dem Konzern gehören weitere bekannte Namen. SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Marken vor.

Fotostrecke
Hundert Jahre Chevrolet: Viel Masse, wenig Klasse

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite



Aktuelles zu