Sechs Stunden schafft er nicht, sagt meine Freundin. Ach was, sage ich. Es geht um unser Auto, einen Volkswagen Passat. "Willst du schon wieder Abschleppwagen fahren?", zieht sie dann abrupt jenes Argument, das die Diskussion ganz zwangsläufig beendet. Nein, will ich natürlich nicht.
So lassen wir den alten grünen Passat zu Hause - in letzter Zeit stinkt es auf den ersten Kilometern jeder Fahrt stets nach verbranntem Öl - und buchen einen Mietwagen für den 400-Meilen-Trip in den Süden, von der Hauptstadt nach North Carolina.
Hoffentlich wird es nicht wieder einer dieser grellfarbenen Kleinstwagen. Daihatsu, fürchte ich. Die Dame am Schalter der Autovermietung macht erst Hoffnung ("Ihr Glückstag, Sie bekommen ein kostenloses Upgrade"), dann Angst ("Der Wagen ist orangefarben").
Ein Daihatsu Cabrio, denke ich.
Tatsächlich, da steht ein Cabrio. Aber ein Chevrolet Camaro. Eines dieser amerikanischen Pony Cars, extrem breit, extrem niedrig, eine Protzkarre in Orange mit bösem Blick. Die Frontscheibe nur ein Sehschlitz, das Innere eine dunkle Plastikhöhle. Peinlich wie ein Daihatsu, aber viel lustiger. Vor allem als Cabrio. Denn in North Carolina soll es schon 20 Grad warm sein. Der Wagen röhrt kurz beim Anlassen, dann klingt es nach japanischem Vierzylinder-Magermotor. Ein Bodybuilder mit hohem Stimmchen.
Auf dem Radar
Wir fahren los, die Leute gucken. Typen in Army-Uniform zeigen auf den Camaro. So muss das in Deutschland gewesen sein, in den Achtzigern im Opel Manta. Im Handbuch steht, das Auto habe einen 3,6-Liter-Motor, sechs Zylinder und 323 PS. Ganz ehrlich, davon ist überhaupt nichts zu spüren. Der Camaro ist der erste Sportwagen, mit dem ein Tempolimit Spaß macht.
Kurz vor der Grenze zu North Carolina ist dann aber erstmal Schluss. Polizeikontrolle. Wir hatten es ja kommen sehen, hatten als Passat-Fahrer auf der Autobahn doch immer wieder über die Camaros, Mustangs und Firebirds am Straßenrand gelästert, stets gestoppt vom Sheriff. Wer so eine Karre fährt, bei dem kann man ja mal genauer hinschauen. Diesmal fahren wir so eine Karre, orangefarben.
Es geht los. Hinten blinkt es gewaltig, der Sheriff-Ford macht Lichteralarm. Langsam steigt der Beamte aus - das gehört zum Spiel - dann ran an die Beifahrertür: "Wie geht's?" "Toll", sage ich. Er hält seinen Finger in die Mitte des geöffneten Fensters. "Bis hierhin hochfahren, bitte", sagt er.
Der Sheriff ist gnädig
Die bis zur Undurchsichtigkeit getönte Scheibe fährt bis zu seinem Finger hoch. Er setzt ein boxartiges Prüfgerät auf die Kante, darauf erscheint die Zahl 15. "Was ist denn das?", frage ich. Er schaut mich fassungslos an. "Mann, Ihre Scheibe ist viel zu dunkel", sagt er, "viel zu dunkel". Nur 15 Prozent Lichtdurchlässigkeit, das sei verboten. Er werde mir jetzt meine Nummernschilder wegnehmen, denn in Virginia seien 35 Prozent vorgeschrieben.
"Das ist ein Mietwagen", sage ich. "Nicht zu fassen", meint er. Wir beweisen es ihm. Er geht zu seinem Wagen und versucht tatsächlich, die Autovermietung anzurufen. Nach fünf Minuten kommt er zurück. Es habe keiner abgenommen. "Herrlich", denke ich, "dass selbst der Sheriff in Amerikas berüchtigten Warteschleifen hängen bleibt". "Also", sagt er, "ich schreibe jetzt keinen Strafzettel, aber geben Sie der Autovermietung Bescheid, beim nächsten Mal lege ich den Wagen still". "Klar", sage ich, und meine Freundin auf dem Fahrersitz drückt das Gaspedal durch. Da geht ja doch noch was mit dem Camaro.
Die Dame von der Autovermietung nimmt es gelassen. Ja, das könne passieren, manchmal würden Kunden eben etwas verändern an den Autos. "Sie meinen, jemand hat andere Scheiben eingebaut?", mutmaße ich. "Warum nicht?", sagt sie. "Wenn ich den Wagen orangefarben miete", sage ich, "könnte ich ihn dann auch in grün zurückgeben?" "Nee", sagt sie, "das wäre ja Unsinn".
Sie entschuldigt sich dann noch ein paar Mal im Namen der Firma, gibt 13 Dollar Rabatt. Und ich werde beim nächsten Mal auf ein Downgrade bestehen. Daihatsu vielleicht.
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