Chevrolet S10 Baujahr 1996 Wandlungsfähiger Kleinlaster als Babyschaukel

Als Familientransporter und Babyschaukel herhalten musste der Chevrolet Pick-up S10, den sich SPIEGEL-ONLINE-Leser Sven Hartmann in Chile zulegte. Heute glänzt der Kleinlaster in der auffälligen Lackierung Violett Metallic mit einem schicken Camping-Aufbau.

Sven Hartmann

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Sven Hartmann über das Leben mit seinem Chevrolet S10, Baujahr 1996, 2,2 Liter Hubraum, 120 PS.

Da stand er nun, mein 96er Cadillac Catera, beim Händler in Viña del Mar, mit Totalschaden. Ich war traurig über den Verlust, doch der Werkstattmeister sagte mir, welch ein Glück im Unglück ich doch gehabt hatte. Dass ich nicht in einem der kleinen Plastikautos gesessen hatte, sondern in diesem robusten Auto.

Dann grinste er und wies auf einen gelben Mietwagen, einen Chevrolet Matiz. Den könne ich jetzt fahren. Ich wohnte zu der Zeit übrigens in Chile, in Valparaíso, und pendelte jeden Tag 120 Kilometer nach Santiago ins Büro. Während ich zu dem gelben Osterei hinüberging, überlegte ich mir, ob meine Parkplatzmiete in Santiago wohl nach Autolänge berechnet würde und machte mir Hoffnungen auf einen Preisnachlass von 50 Prozent. Doch es war klar, dass ich mir rasch einen vernünftigen Ersatz anschaffen würde.

Eines Abends, in einem Autoportal im Internet, entdeckte ich dann einen Pick-up Chevrolet S10, Baujahr 1995 - in der auffälligen Farbe Dunkelviolett-Metallic und mit geringer Laufleistung. Den habe ich mir am nächsten Tag gleich angesehen und ihn auch sofort gekauft. Das Fahrzeug sah aus wie neu und fuhr sich auch so. Als ich mit dem Ami-Kleinlaster das erste Mal zu Hause vorfuhr, blickte meine Frau eher kritisch drein und bemängelte dann die Einzelkabine, den kurzen Radstand, die Ladefläche und die Handschaltung.

Komfortable Babyschaukel mit Ladefläche

"Du weißt, dass das Baby bald da sein wird", sagte sie zu mir. Der Wagen sei doch ein Dreisitzer, entgegnete ich sofort. Was gibt es Schöneres, als im Auto den Babysitz zwischen uns beiden zu haben? Für das fachgerechte Aufstellen fand ich im Handschuhfach sogar noch die amerikanische Gebrauchsanleitung mit den Originalaufklebern im Handschuhfach. Und schau mal die tolle Farbe, fuhr ich mit der Überzeugungsarbeit fort. Die macht uns doch gleich gut um 20 Jahre jünger. Und das Soundsystem erst. Zwar nur Radio, weder Kassette noch CD, aber der Sound ist trotzdem super. Alles original Chevy.

Da denkt man sich, man hätte genau das gekauft, was gebraucht wird: einen gescheiten, robusten Motor, eine praktische Ladefläche für alles mögliche, inklusive Kinderwagen und Wocheneinkauf. Doch dann hörte ich meine Frau sagen: "Und was bitte soll da hinten drauf? Einkaufstüten? Die fliegen doch alle weg."

Ich hatte bereits komfortablere Stoßdämpfer reinbauen lassen, die anderen waren mir zu hart. Außerdem hatte ich große Stollenreifen aufziehen lassen, denn ich fuhr ganz gern mal mit der Kaffeetasse an Bord durch die Gegend. Mit dieser Ausrüstung würde der Wagen auch eine prima Babyschaukel abgeben.

Die ganzen Diskussionen um die Anschaffung des Wagens hätte ich mir wahrscheinlich erspart, wenn ich gleich die Beifahrertür aufgehalten und meiner Frau ins Führerhaus geholfen hätte. Den Rest hätte der kleine Pick-up mit seinen riesigen Wohnzimmersesseln sicher ganz allein erledigt.

Naturholz ist Trumpf

Also gut, für die Einkaufstüten musste eine Laderaumabdeckung her, aber ich wollte nicht so einen banalen Deckel aus Plastik. Holz ist doch viel schöner. Ich fand zwei große Kiefernplatten, die ich dann mehrmals geschliffen und lackiert habe. Die ganze Aktion zog sich über mehrere Wochenenden. Es kamen circa zehn Schichten Klarlack drauf. Das war ein Tipp eines Freundes, der Gitarren baut. Er meinte, mindestens 30-mal lackieren und nachschleifen, das gäbe auch bei Kiefer unglaublichen Tiefenglanz und schütze vor allem vor den UV-Strahlen. Nach etlichen Lack-Durchgängen, bei 30 war ich allerdings noch nicht angekommen, war mir aber die Sonne auch ziemlich egal. Die Platte sah gut aus so, befand ich. Und dank der leuchtroten "Heavy Duty"-Zurrbänder wurde ich sogar vom chilenischen TÜV gelobt.

Das Beste: Der Wagen benötigte kaum kostspielige Ersatzteile, es gab keine unnötigen Wartungskosten, nichts dergleichen. Bei unserer Rückkehr nach Deutschland habe ich ihn meinem Schwager vererbt, der richtig gut darauf aufpasst und ihn hegt und pflegt, damit ich damit fahren kann, wenn ich wieder einmal nach Chile komme. Ich alter Campingfanatiker hatte ihm Tipps für einen Ausbau (für seinen damaligen VW Bus T1) gegeben. Und er hat dem Chevy einen richtig schicken und sehr professionellen Aufbau gebaut.



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wakaba 08.06.2010
1. Gutes Auto
Hab meinen Zweiten. Weich, unterdämpft und fährt sich wie ein Laster mit seinem Kastenrahmen und der Starrachse mit Blattfedern. Vorne ist die GM Querlenkerachse verbaut und die spricht unglaublich feinfühlig an. Günstige GM Standardteile verbaut. Relativ frei von Elektronik. Extrem bequemes Fahrzeug mit butterweich schaltender Automatik. Auf nasser Strasse dreht er im 1, 2 und 3 Gang durch. Zuschalt 4x4, kurz und lang ist angenehm. Der Vortec 6 Zylinder ist fast baugleich mit dem legendären Smallblock und ist ein Sahnestück was das Geräusch und Haltbarkeit anbelangt. Verbrauch ist mit 8-9l bei 100kmh und 12l in der Stadt sehr gut für einen 2 Tönner. Schnell fahren und der Verschleiss und Verbrauch steigt dramatisch. Viele halten aber über 300k mit dem ersten Motor und Getriebe. Der Zuschalt 4x4 läuft besser als der S-10 mit permanentem Allrad. Sicher kein Auto für Audi und BMWler.
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