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Chevy-Volt-Hymne: Ein Song wie ein Stromschlag

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Watt, Weib und Gesang: GM hat für den Chevrolet Volt einen Song komponieren lassen. Das Liedchen soll Konsumenten von dem Elektroauto überzeugen - vor allem dürfte es jedoch Lachkrämpfe produzieren. Denn der PR-Abteilung sind diesmal sämtliche Sicherungen durchgebrannt.

Großunternehmen sind wunderliche Organisationen. Sie verfügen über Scheffel von Geld und beschäftigen Bataillone hervorragender Gehirne. Derart gut ausgestattet können sie bemerkenswerte Wunderwerke schaffen - Jumbojets, hundertstöckige Hochhäuser oder winzige Taschencomputer.

Manchmal jedoch steht diesen Leviathanen ihre eigene Größe im Weg.

Dann kreist ein Konzern und gebiert nach Hunderten kick offs, inter-department workshops und brainstorm meetings etwas, das vielleicht besser nie das Licht der Welt erblickt hätte.

General Motors gilt als Spezialist für so was. Lange hat das Unternehmen bizarre Entscheidungen in Serie produziert. Nach dem zwischenzeitlichen Bankrott soll das nun besser werden - und das Symbol dafür ist der Chevrolet Volt, ein Elektroauto, mit dem GM den Massenmarkt erobern will. Der Volt soll zeigen, dass "The General" wieder Vehikel bauen kann, die technologisch ganz weit vorne sind und bei den Kunden ankommen.

Spiel mir das Lied vom Volt

Über Letzteres macht sich Maria Rohrer Gedanken, die Volt-Marketing-Verantwortliche. Sie soll Konsumenten das Elektroauto nahebringen. Rohrer hat sich dafür entschieden, einen Sesamstraßen-Ansatz zu wählen. "Wir wollen in einer familienfreundlichen Weise informieren, um ein komplexes Produkt unterhaltsam verständlich zu machen", sagte sie dem Blog GM-Volt.com.

GM hat deshalb "Chevy Volt and me" komponieren lassen, einen Song nebst Tanznummer.

Es ist der weltweit wohl erste Versuch, eine mit Techniktermini vollgestopfte Pressemitteilung zu vertonen. Das Ergebnis ist (und in diesem Fall müssen abgedroschene Sprachbilder einfach mal erlaubt sein) ein Totalausfall, ein Kurzschluss, ein Blackout, bei dem in der PR-Abteilung alle Sicherungen durchgeschmort sein müssen.

Der Refrain "E for Electricity, V for Chevy Volt an me" ist zwar recht eingängig. Dennoch würde das Lied wohl selbst einem leidgeprüften Profi-Caster wie Dieter Bohlen Ohrenbluten bescheren.

Die länglichen, wenig schmissigen Textzeilen ("You get up to 40 miles of emission free clean energy") wurden von einem arrhythmischen Werbetexter ohne Rücksicht auf Tempi und Tonleitern verfasst, so dass es übel holpert. Man muss der namenlosen Sängerin zugestehen, dass sie ihre Aufgabe, sich durch die PR-Lyrik zu leiern, tapfer absolviert - sie piepst und trällert, was ihr Stimmchen hergibt.

Tanzschul-Breakdance und Shakira-Glissaden

Die öffentliche Erstaufführung des Strom-Schlagers fand zunächst weitgehend unbemerkt auf der Los Angeles Autoshow 2009 statt und wurde von einem Amateurfilmer festgehalten (siehe Video oben). Zum Glück, denn ansonsten wäre der Weltöffentlichkeit verborgen geblieben, dass die GM-Marketing-Abteilung zur Aufführung seiner Hymne auch eine Vierertanzgruppe engagiert hat.

Diese bewegt sich so anmutig wie die Laientanzgruppe Detroit-Süd bei der jährlichen Schulaufführung. Der Stil, eine Melange aus Tanzschul-Breakdance, Dauerwellen-Geschüttel und verunglückten Glissaden, ist schwer zu verorten. Er lässt sich vielleicht am besten als Mashup aus Shakira-Video und Village-People-Auftritt beschreiben.

Im Internet hat das Filmchen bereits Kultstatus. Ein Kommentator schlug vor, die misslungene Performance ließe sich dadurch aufpeppen, dass GM-Präsident Ed Whitacre "im Tanga mittanzt". Unwahrscheinlich, dass GM dem extravaganten Verbesserungsvorschlag folgt.

Allerdings: Bei einer Marketing-Abteilung, die eine Tanznummer wie den Volt-Song durchwinkt, scheint eigentlich alles möglich.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
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1. Es gibt schlimmeres
machdas, 17.12.2009
Zitat von sysopWatt, Weib und Gesang: GM hat für den Chevrolet Volt einen Song komponieren lassen. Das Liedchen soll Konsumenten von dem Elektroauto überzeugen - vor allem dürfte es jedoch Lachkrämpfe produzieren. Denn der PR-Abteilung sind diesmal sämtliche Sicherungen durchgebrannt. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,667372,00.html
und würden unsere Pophelden auch nur mit einer semiprofessionellen Wackelkamera samt Hobbydreher aufgenommen werden, dann sähen die genauso bemüht und lächerlich aus.
2. Kreativpotential
fucus-wakame 17.12.2009
Zumindest ist die Aktion bemüht kreativ. Irgendwie mußte ja der Werbeetat verballert werden. (oder sollte ich lieber Werbe-Eklat schreiben?)
3. Punk
blowup 17.12.2009
Ist ja echt erbärmlich, was da produiziert wurde. In puncto Unternehmenssongs brauchen wir uns aber auch nicht zu verstecken: http://tellerrand.typepad.com/tellerrand/unternehmenssong.html
4. virales internet
mittwochsnie 17.12.2009
Der Song und die Show sind wirklich amateurhaft, das Konzept aber nicht. Oder hätte sich SPIEGEL ONLINE über einen "guten" Werbespot(t) amüsiert und gleich allen Spiele-Online Lesern präsentiert. Ich wusste zuvor nichts von GM's Ambitionen auf dem Sektor Elektromobile- Jetzt kenne ich sogar den Namen des Autos. Ein echte Volte.
5. Passt doch
pseudokater 17.12.2009
Jede öffentliche Aufmerksamkeit ist gut für Chevy. Und wenn es nur ein Lacher ist. Im Zeitalter viralen Marketings würde ich das glatt sogar als kalkuliert durchgehen lassen. Man spricht darüber und es taucht in den Medien auf. Wahrscheinlich sogar in mehr, als wenn man es nur als Standardmitteilung verpacken würde.
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