Chrysler 300 als Gebrauchter Ami-Schlitten mit Stromproblemen

Der Chrysler 300 ist ein typischer Ami-Schlitten: Groß, leistungsstark und schlecht verarbeitet. Doch das schnodderige Aussehen älterer 300er täuscht - die Mercedes-Technik unter dem Blech funktioniert zuverlässig. Den Schock gibt es höchstens an der Tankstelle.


Mittlerweile gibt es in Europa mit Ausnahme Großbritanniens keine Chrysler-Neufahrzeuge mehr zu kaufen. Die Modelle des amerikanischen Herstellers sind nach der Übernahme durch den Fiat-Konzern an den europäischen Geschmack angepasst und nur noch mit Lancia-Emblem erhältlich. Dazu zählt ab Oktober das Modell Thema, das technisch auf dem neuen Chrysler 300 basiert. Wer das Logo des amerikanischen Herstellers auf der Haube möchte, greift also besser zum Gebrauchten. Die Auswahl ist in Deutschland allerdings nicht besonders groß: Bis Anfang Januar 2010 registrierte das Kraftfahrtbundesamt 7666 zugelassene Chrysler 300 C - für die Marke war das trotzdem ein Erfolg. Beim Onlineportal Autoscout24.de sind rund 400 Exemplare im Angebot.

Wer einen 300er ergattert, bekommt laut ADAC ein Auto, das vergleichsweise selten liegenbleibt. "Relativ wenig Pannen" registrierte der Automobilclub in seiner Statistik. Am häufigsten mussten die Helfer wegen defekter Kurbelwellensensoren von Dieselmodellen des Baujahrs 2006 ausrücken. Ab dem dritten Betriebsjahr kommt es laut ADAC vermehrt zu Batteriedefekten. In Internet-Foren berichten einige Halter auch von kleineren Elektronikproblemen, die offensichtlich in Zusammenhang mit dem schwachen Stromspeicher stehen.

Technik aus Stuttgart

In Bezug auf den Antriebsstrang sieht es deutlich besser aus. Unter der Haube steckt viel Mercedes-Technik; kein Wunder, denn Chrysler gehörte zwischen 1998 und 2007 zum Daimler-Konzern. Darum enthält die Plattform des Autos Komponenten der E-Klasse. Ein klarer Vorteil in Bezug auf die Zuverlässigkeit.

Hochwertig anmutende Qualität und Materialien sollten Käufer im Innenraum jedoch nicht erwarten. Das Plastik des Armaturenbretts und der Lenkstockhebel wirkt billig und fühlt sich auch so an. Man hat oft das Gefühl, dass schnell etwas zu Bruch gehen könnte. Die blaue Instrumentenbeleuchtung jedoch strahlt einen gewissen Charme aus.

Der Chrysler 300 kam 2004 auf den Markt. In Deutschland waren ausschließlich die über dem Basismodell angesiedelte Ausstattungsvariante C und recht überdimensionierte Motoren verfügbar. Ein erstes Zugeständnis an den europäischen Geschmack machte der Hersteller mit der Einführung eines V6-Diesels 2005. Vor allem als Alternative zu deutschen Limousinen der oberen Mittelklasse verstand sich einst der 300 C. Zwar blieb die Verarbeitungsqualität unter den Standards deutscher Autobauer wie BMW oder Mercedes, dafür waren die Neupreise deutlich niedriger. Der Hersteller stellte die Produktion der ersten Generation 2010 ein.

"Der Dicke", wie Liebhaber den Chrysler 300 wegen seines bulligen Designs mit der hohen Fensterlinie nennen, ist nicht unumstritten. Viele Gegner des Autos verspotten die schmalen Scheiben als Schießscharten - ein Vergleich der vor allem zur Limousine passt. Wer jedoch auf wuchtige Ami-Schlitten steht, ist mit dem 300 C gut bedient.

Schreck an der Zapfsäule

Typisch amerikanisch - dieses Attribut trifft beim Chrysler 300 C mit Blick auf die Motorisierung voll zu. Denn für den Antrieb sorgen ausschließlich Sechs- und Achtzylinder, die je nach Baujahr zwischen 193 PS und 430 PS leisten. Der einzige Diesel entwickelt 218 PS und wuchtet den rund zwei Tonnen schweren Wagen zügig voran. Für Spritsparer ist der 300er nichts. Denn schon der Selbstzünder verbraucht im Schnitt 8,8 Liter - die Benziner, allen voran der V8, sind deutlich durstiger. Der 300 C SRT-8 mit 6,1 Liter Hubraum und 430 PS giert im Normzyklus nach 14 Liter - und wie üblich dürften es im Alltag wesentlich mehr sein.

Ein gebrauchter 300C 2.7 Automatik von 2006 mit 193 PS kostet laut Schwacke-Liste derzeit rund 12.550 Euro. Für einen Kombi, den Touring aus dem gleichen Jahr, müssen etwa 2500 Euro mehr investiert werden. Für einen 300C Touring 3.0 CRD DPF Automatik mit 218 PS von 2009 sind noch rund 25.000 Euro fällig.



insgesamt 22 Beiträge
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Lennard Green 05.05.2011
1. Mit ohne Titel
Ein Auto, dass aussieht wie ein Panzer nach der Kochwäsche, säuft wie ein Loch und schon vom Start weg von gestern war, soll gebraucht noch WIEVIEL kosten? Ich würde gähnen, wenn ich nicht gerade mit schlimmerem beschäftigt wäre...
bunterepublik 05.05.2011
2. Eigentlich...
...ein richtig geiles unvernünftiges Auto, gerade als Benziner, geile 22er Zöller drauf, superbreite Latschen und dann richtig durch die City prollen....echt phat
sir.viver 05.05.2011
3. preiswert, solide, zuverlaessig
Zitat von sysopDer Chrysler 300 ist ein typischer Ami-Schlitten: Groß, leistungsstark und*schlecht verarbeitet. Doch das schnodderige Aussehen älterer 300er täuscht - die Mercedes-Technik unter dem Blech funktioniert zuverlässig. Den Schock gibt es höchstens an der Tankstelle. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,760416,00.html
Ich hatte bislang 3 Chrysler /Dodge- Fahrzeuge. Alle waren im Preis-Leistungsverhaeltnis ausgezeichnet. Chrysler LeBaron V6 Convertible, 2x Dodge Stratus mit 4 Zylinder-Motor. In D wird zwar ueber das billig anmutende Interieur gerne gelaestert, aber man mus auch sagen, dass diese Modelle in den USA fuer wenig Geld zu bekommen sind. Einen C300 konnte man fuer den Preis eines VW Golf in Deutschalnd erwerben. Nicht in der Vollausstattung und mit V8-Motor, aber mit einer immerhin guten V6 Maschine. Dass in Deutschland Probleme mit dem C300 existieren haengt mit dem normal nicht vorgesehenen Diesel-Motor zusammen. Den Dieselmotor gibt es bei dem Modell in den USA nicht. Auch OBAMA hatte einen C300 mit V8 gefahren, bis er waehrend des Wahlkampfes auf einen Prius umstieg um Umweltbewussein vorzutaeuschen und hip zu sein. Der Wagen ist im Grunde ein gutes Auto, einziger Minuspunkt der fuer dt. Verhaeltnisse hoher Verbrauch. Wer nicht Vielfahrer ist kann damit gut leben, da der Anschaffungspreis dieses Wagens moderat ist.
mulhollanddriver 05.05.2011
4. Nachts
Zitat von bunterepublik...ein richtig geiles unvernünftiges Auto, gerade als Benziner, geile 22er Zöller drauf, superbreite Latschen und dann richtig durch die City prollen....echt phat
Aber nur nachts, wenn es dunkel ist und die Straßen menschenleer sind. Tagsüber wird sowas peinlich...
michlauslöneberga 05.05.2011
5. oh jeh,
Zitat von bunterepublik...ein richtig geiles unvernünftiges Auto, gerade als Benziner, geile 22er Zöller drauf, superbreite Latschen und dann richtig durch die City prollen....echt phat
jetzt haben Sie aber gleich die entsprechend konditionierten moralinsauren dauerempörten Moralisten an der Backe;-) Gebe Ihnen aber recht, das Auto ist einfach mal alles andere als Standart. Stand bei mir auch mal in den Anschaffungsüberlegungen. Ist nur bei uns, im Gegensatz zur Schweiz, nicht als Allrad zu haben, und der ist bei mir unverzichtbar.
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