Citroën AX, Baujahre 1989, 1990, 1995: Der kleine Schwarze

SPIEGEL-ONLINE-Leserin Antje Becker fährt bereits den dritten Citroën AX in Folge. Umzug, mehrwöchige Urlaubstouren oder Sprint-Starts an der Ampel - der flotte kleine Franzose macht jeden Spaß mit, nimmt nichts übel und fliegen kann er auch.

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Antje Becker über das Leben mit ihren drei Citroën AX der Baujahre 1989, 1990 und 1995.

Unsere Familie war auf Citroën geeicht: Als ich 1989 meinen Führerschein machte, fuhr mein Vater bereits 20 Jahre Autos der Marke. Meine Schwester besaß einen AX, meine Mutter ebenfalls. Letzteren übernahm ich: Baujahr 1989, sparsam, Benziner, kein Kat, 55 PS, rot. Viele Male hat er mich durch Frankreich oder Großbritannien bis nach Irland kutschiert, wo er förmlich fliegen und schwimmen lernte - so oft hatten alle vier Rädern keinen Kontakt mehr mit der Straße, dass es mir schleierhaft ist, wie Fahrwerk und Stoßdämpfer das überleben konnten!

Dank der mit einem Handgriff ausbaubaren Rücksitzlehne passen Unmengen an Kartons hinein, so dass wir ein begehrtes Umzugsteam abgaben. Verstauen ließ sich auch das Gepäck für einen mehrwöchigen Urlaub - mit Campingausrüstung für drei Personen (Insassen einbezogen), und in ihm übernachtet habe ich mehr als einmal. Mit zwei Personen wird es allerdings etwas eng. 1998 fand er ein unwürdiges Ende: Eine Fahranfängerin rammte ihn mit voller Wucht. Das Geräusch habe ich heute noch im Ohr, und damals ist die eine oder andere Träne gekullert.

Nummer zwei war ein echtes Schnäppchen: Ein AX Diesel, Baujahr 1995, 54 PS, blaumetallic - auf dem Gebrauchtmarkt selten zu kriegen, weil ihn kaum jemand freiwillig hergibt. Sein Verbrauch liegt im Jahresmittel bei knapp über vier Liter! Warum Citroën diesen Vorzug in seiner Verkaufsstrategie nicht besser herausstellt, bleibt mir ein Rätsel. Diese fahrbare Spardose fiel Ende 2001 ebenfalls einem Unfall zum Opfer, zusammengefaltet von einem LKW auf der Autobahn. Die Überbleibsel riss man mir weit über dem geschätzten Restwert buchstäblich aus den Händen.

Sprint-Starts an der Ampel

Und wieder kam nur ein AX in Frage: Ein größeres Auto brauche ich nicht. Durch eine WG mit "Schraubern" kannte ich mich inzwischen mit Technik und den typischen Schwachstellen des AX ganz gut aus. Einiges kann ich auch selbst reparieren. Hinzu kamen weitere Pluspunkte: Die rahmenlose Heckscheibe ist einfach pfiffig. In die mit Abstand besten Flaschenhalter, die es je gab, passen sogar 1,5-Liter-Flaschen und Tetrapacks hinein. Geschickt plaziert laufen sie auch geöffnet nicht aus!

Bei den weit unter 700 kg Leergewicht meiner Benzinermodelle sorgen 55-60 PS für einen extrem spritzigen Start. An roten Ampeln habe ich bisher noch jeden Golf GTI abgehängt, der der kleinen Blondine neben sich mal zeigen wollte, wie toll sein Auto ist. Ab dem dritten Gang ist jedoch Schluss, und ich lasse den anderen gerne vorbeiziehen. Liebe Golf-GTI-Fahrer, bitte verzeiht mir dieses kleine Vergnügen!

So erstand ich Anfang 2002 mein kleines Schwarzes: Benziner, Baujahr 1990, also gerade noch die erste von zwei AX-Generationen, dafür aber Sondermodell. "Le Noir" verfügt über geregelten Kat und 60 PS. An der Windschutzscheibe prangt die grüne Feinstaubplakette, und er hat gerade wieder TÜV und AU ohne Mängel bestanden – trotz seiner inzwischen über 18 Jahre!

Nummer drei läuft und läuft...

Kaum Rost, obwohl er das ganze Jahr über ungeschützt dem Wetter ausgesetzt ist. Wie seine Vorgänger hatte auch dieser AX nur normale Verschleißreparaturen. Mit ihm erlebe ich weiterhin jene Alltagsabenteuer, die von Schnee und Eis in den Alpen über kleinste Parklücken in der Stadt bis zu unwegsamem Gelände im Feld reichen. Alle Terrains bewältigt er dank Vorderradantrieb, geringer Abmessungen und großer Bodenfreiheit spielend.

Autobahnfahrten sind dagegen ernste Abenteuer: Der AX hat keine Airbags - nicht einmal zum Nachrüsten! Beim Überholen zieht er nicht so gut, schafft aber auf gerader Strecke 160 km/h, bergab sogar knapp 180 km/h. Die Großen ziehen öfter von der rechten auf die linke Spur ziemlich direkt vor meine Motorhaube. Sie sehen im Rückspiegel nur einen alten Kleinwagen und vermuten nicht, dass der so flott unterwegs ist. Zum Glück kenne ich ja die notorisch schwächelnden Bremsen des AX und achte sowohl auf gute Wartung – als auch auf die anderen Autofahrer.

Sein Enkel, der C1, könnte trotz des kleineren Innenraums ein würdiger Nachfolger werden. Bis dahin gönne ich meinem "kleinen Schwarzen" noch das ein oder andere Extra ... richtige Ausstellfenster etwa, die lassen sich prima auf dem Schrottplatz besorgen ... und wer weiß? Manchmal huscht mir das Bild von einem kleinen schwarzen Oldtimer durch den Kopf!

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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    Seite 1    
1. ein AX first Diesel
pjakobs 27.11.2008
war mein allererster Neuwagen. Gekauft in den frühen 90ern für damals 16000DM lief er in 10 Jahren so etwa 250000km für verschiedene Familienmitglieder. Der Verbrauch von 4l/100km war zu allen Zeiten spektakulär und die Fahrleistungen, sagen wir mal, ausreichend. Es ist in der Tat merkwürdig, daß wir schon vor 20 Jahren ein vier-Liter Auto hatten, was damals, als Diesel noch knapp eine Mark kostete aber niemanden interessierte.
2. Re:
fx33 27.11.2008
Zitat von pjakobswar mein allererster Neuwagen. Gekauft in den frühen 90ern für damals 16000DM lief er in 10 Jahren so etwa 250000km für verschiedene Familienmitglieder. Der Verbrauch von 4l/100km war zu allen Zeiten spektakulär und die Fahrleistungen, sagen wir mal, ausreichend. Es ist in der Tat merkwürdig, daß wir schon vor 20 Jahren ein vier-Liter Auto hatten, was damals, als Diesel noch knapp eine Mark kostete aber niemanden interessierte.
Ich hatte einen 60-PS-Benziner. Selbst bei brachialer Fahrweise, was dieses Auto aber nahegelegt hatte, habe ich um die 6 Liter Super verbraucht. Und das bei täglichen 90 km Autobahnfahrt. Was die Beschleunigung anging, habe ich das Autochen immer mit einem Kart verglichen.
3. Schwachsinn
ivanogor 27.11.2008
Mit einem Auto, welches 14,6 Sekunden von 0 auf 100 braucht, zieht man niemals ein Auto ab, welches weniger als 10s braucht. Andere haben es nur nicht nötig, sich auf sinnlose Ampelsprints einzulassen, erst Recht nicht mit Einkaufswägelchen.
4. Elektro-AX
Skarrin 27.11.2008
Ab 1994 produzierte Citroen auch eine Elektro-Version des AX: http://de.wikipedia.org/wiki/Citro%C3%ABn_AX#AX_Electrique Vor 14 Jahren konnte also Citroen schon, was unsere famose deutsche Autoindustrie heute noch nicht zustande bringt, und wofür sie angeblich erst noch jahrelang forschen und Flottentests machen muß weil ja "die Akkutechnik noch nicht soweit ist"... Gruß Skarrin
5. Stimmt nicht ganz
99erFiesta 27.11.2008
Zitat von ivanogorMit einem Auto, welches 14,6 Sekunden von 0 auf 100 braucht, zieht man niemals ein Auto ab, welches weniger als 10s braucht. Andere haben es nur nicht nötig, sich auf sinnlose Ampelsprints einzulassen, erst Recht nicht mit Einkaufswägelchen.
Kann ich aus Praxierfahrung wiederlegen: Mein 60 PS Fistel hat auch schon wesentlich schneller Autos abgehängt. Wenn der Fahrer des PS-Monsters nicht weiß was kommt und dann auch nicht richtig schaltet, dann kann man zumindest in der Anfangsphase das PS-Monster selbst mit einem Kleinwagen abhängen. Das der Wagen so lange auf 100 braucht kommt daher, dass ihm erst ab 50 die Puste ausgeht. Kenn ich wiegesagt von meinem Vehicel. Und ja, alte Autos sind die besten :-D
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