Citroën CX, Baujahr 1988: Stolz des Werkstatt-Chefs

Ein scheckheftgepflegter Citroën CX aus erster Hand - da konnte SPIEGEL-ONLINE-Leser Wolfgang Braun nicht widerstehen. Selbst im Frankreich-Sommerurlaub war der Wagen ein Blickfang. Doch zuvor musste der Pannendienst mit Fahrradflickzeug und Klebe-Band aushelfen.

Citroën CX Diesel Turbo 2, Baujahr 1988: Ein unterschätzter Klassiker Fotos
Wolfgang Braun

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Wolfgang Braun über das Leben mit seinem Citroën CX Diesel Turbo 2, Baujahr 1988.

Der Citroën-Virus hat mich bereits in jungen Jahren erwischt. Es fing ganz harmlos mit einer Ente an, führte dann aber schnell zur ersten DS. Seither fahre ich Citroën. Und offen gestanden habe ich mehr als einen Wagen der Marke. Daher ist es für mich schon gefährlich, die Rubrik "Citroën" im Kleinanzeigenteil einer Zeitung zu lesen. Manchmal mache ich es trotzdem - so auch letzten Herbst. Und da stand er, der scheckheftgepflegte CX aus erster Hand. Die Neugier siegte über die Vernunft: Ein Anruf führte zur Besichtigung, und die Geschichte des Autos gab dann den Ausschlag.

Der Vorbesitzer hatte den CX 1988 für 30.000 Mark als Vorführwagen gekauft und ließ alle Kundendienste und Reparaturen bei demselben Händler ausführen. Er investierte 23.000 Mark in die Behebung eines Unfallschadens und später 12.000 Mark für einen neuen Motor. Andere hätten wahrscheinlich beide Investitionen gescheut, aber der Vorbesitzer war ein großer Citroën-Fan und hing an dem Wagen.

In den letzten Jahren fuhr er den CX nicht mehr viel, brachte ihn aber dennoch jährlich zum Kundendienst. Gelegentlich gab es Probleme mit den Säulen der engen Tiefgarage, in der er das Auto abstellte. Die hinteren Türen und Kotflügel hatten daher ein wenig gelitten, und diese Blechschäden ließ er nicht mehr reparieren. 2010 starb er. Gekauft habe ich das Auto von seinen Kindern, die viele Jugenderinnerungen mit dem CX verbinden. Sobald sie über den Führerschein verfügten, liehen sie sich gerne mal den Wagen und fuhren damit in die Disco - ohne Musik, denn auf Radio oder Kassettengerät hatte der Vater verzichtet.

1988 waren die CX-Verkaufszahlen in Deutschland nicht gerade berauschend. Citroën versuchte, mit Sondermodellen den Absatz anzukurbeln. Mein CX ist eins von 400 in Deutschland verkauften Croisette-Modellen: silbermetallic, dezente graue statt der üblichen schwarzen Seitenschutzleisten, mit dem Turbodiesel-2-Motor gleichermaßen sparsam und schnell. Drei Jahre später stellte Citroën die CX-Fertigung ein: 1991 lief der letzte CX-Kombi vom Band. Bei den Limousinen war schon 1989 Schluss.

Rostanfällig und nicht ganz leise

Der größte Feind: Korrosion. Handtellergroße Roststellen bei Exemplaren, die acht Jahre alt waren, taten dem Ruf nicht gut. Die französisch-lässige Verarbeitungsqualität auch nicht. Dennoch finde ich das Bild der kapriziösen Pannensänfte nicht gerecht. Laufleistungen von mehreren 100.000 Kilometern waren durchaus die Regel, solange die Wartung nicht vernachlässigt wurde.

Der zweitgrößte Feind der Citroën-Fahrzeuge war die entspannte Haltung der meisten Besitzer zu Wartungsintervallen. Auch heute noch lässt sich ein CX gut als Alltagsfahrzeug nutzen, wenn man das Streu-Salz im Winter meidet. Andernfalls ist der Rostfraß kaum zu stoppen.

Alle CX-Turbodieselmotoren verbinden angenehme Fahrleistungen mit einem moderaten Verbrauch von durchschnittlich sieben bis acht Liter. Bei gemäßigter Fahrt lässt sich ein Turbodiesel-CX sogar noch deutlich sparsamer bewegen. Der Turbodiesel 2 mit 120 PS ist allerdings nicht ganz leise. Ein Teil dieser Motoren war zudem mit Materialfehlern behaftet. Diese Exemplare dürften aber mittlerweile weitgehend verschwunden sein - oft erreichten sie nicht einmal die 100.000-Kilometer-Marke. Der Vorbesitzer meines CX musste nach 140.000 Kilometern den Motor ersetzen. Für einen Turbodiesel 2 spricht die Endgeschwindigkeit von 195 Kilometern pro Stunde. Mit der Markteinführung des Motors war der CX der schnellste Seriendiesel der Welt.

Ersatzteile bekommt man am besten bei Spezialisten wie der CX-Basis in Karlsruhe. Selbst in Frankreich ist die Ersatzteilversorgung nicht mehr ganz einfach. Bei meiner Fahrt in den Sommerurlaub 2011 wurde kurz vor der französischen Grenze ein Kühlwasserschlauch undicht. Der ADAC-Pannenhelfer musste improvisieren und reparierte ihn mit Fahrradflickzeug und Klebe-Band, konnte aber natürlich nicht sagen, wie lange die Reparatur halten würde.

Schwierige Ersatzteil-Situation - kreativ gelöst

Bei der ersten Citroën-Werkstatt hielt ich sicherheitshalber an. Sie hatten den Schlauch nicht auf Lager. Ein paar Telefonate ergaben: Das galt leider für alle Citroën-Werkstätten in Frankreich - und auch für das zentrale Teilelager des Herstellers. Die Werkstatt-Leute gaben sich jedoch wirklich Mühe und bastelten aus verschiedenen Schläuchen Ersatz. Der Chef der Werkstatt war sehr stolz darauf, und tatsächlich gab's damit keinerlei Probleme. Vorsichtshalber erwarb ich später auf einem französischen Schrottplatz noch einen gebrauchten Schlauch, aber er blieb im Kofferraum. Zurück in Deutschland ließ ich mir von der CX-Basis das entsprechende Neuteil zusenden.

Von dieser kleinen Panne abgesehen läuft der CX tadellos. Auf den französischen Landstraßen begnügte er sich mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,2 Litern. Er verfügt zwar weder über Klimaanlage noch Schiebedach, doch mit offenen Fenstern ist es auch bei Außentemperaturen von 35 Grad gut auszuhalten.

Mittlerweile ist der CX sogar in seiner Heimat ein seltener Anblick - das Fahrzeug zog mehr als einen positiven Passanten-Kommentar auf sich.

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Markus Gölzer
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