Citroën Xantia, Baujahr 1993: Wie eine Sänfte auf Asphalt

Für einen Citroën ist die Karosserie recht unauffällig, aber Fahrverhalten und Wendigkeit überzeugen. Seit er den Xantia 1.8i X gefahren hat, möchte SPIEGEL-ONLINE-Leser Jens Gregersen auf den Komfort der Hydro-Pneumatik jedenfalls nicht mehr verzichten.

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Jens Gregersen über das Leben mit seinem Citroën Xantia 1.8i X, Baujahr 1993.

Die vom italienischen Designbüro Bertone entworfene Karosserie sieht zwar recht chic aus, wirkt mit dem angedeuteten Stufenheck eher etwas brav. Auf dem Parkplatz kauert der Wagen tief geduckt über dem Asphaltboden, was ihn sagenhaft sportlich erscheinen lässt. Entsprechend niedrig liegt der Einstieg in die üppigen Tweedsitze, deren Fischgrätmuster mich sehr an Peugeot in den frühen Achtzigern erinnert hat. Seine wahre Spezialität offenbart der Xantia jedoch erst nach dem Drehen des Zündschlüssels: die Hydro-Pneumatik. Dann nahm die zentrale Pumpe ratternd ihre Arbeit auf und pumpte den grünen Lebenssaft des Citroën Xantia, das Liquide Huile Minerale, das Mineralöl, auch kurz LHM genannt, durch die Kunststoffadern des Autos in Aufhängung, Bremsen und Lenkung.

Intelligente Fahrwerkregulierung

Nach den berüchtigten André-Citroën-Gedenksekunden, die an kalten Wintertagen auch mal zu Minuten werden können, hob sich der Xantia dann wie ein Kamel erst hinten, dann vorn. Das Schweigen der Hydraulikpumpe zeigte an, dass der Wagen seine Fahrhöhe erreicht hatte, die er unabhängig von der Belastung der Achsen selbst regulierte. Unwirklich war das Fahrgefühl. Ich fand es großartig, während sich so mancher Citroën-Novize erst daran gewöhnen musste. Das führte, wie ich hörte, oft zu vorschnellen Urteilen über angebliche Unsportlichkeit oder Schwammigkeit.

Zwar hatte die Franzosen über die Jahre das Fahrwerk immer weiter gestrafft - das Sänftengefühl aber war nach wie vor zu spüren. Weich bewegte sich die Karosserie auf und ab. Eine Zeitlang reduzierte ich vor engen Kurven zunächst die Geschwindigkeit, aber bald hatte ich begriffen, dass sich dieses Auto trotz des langen Radstandes von 2,70 Metern recht flott um die Ecken werfen lässt. Die Servolenkung war sehr direkt und nie zu leichtgängig; die hohen Rückstellkräfte und die präzise Ansprache in den Kurven gaben mir stets ein Gefühl absoluter Kontrolle über das Gefährt. Was die hydropneumatische Federung alles schlucken konnte, zeigte sich besonders beim Überfahren von Holperschwellen.

Und wie die zuverlässig lief die Zentralhydraulik? Nur ein einziges Mal hatte sich eine Schlauchklemme gelöst, und die Warnlampe leuchtete auf. Da ich kein LHM an Bord hatte, musste ich Motorenöl nachfüllen, um die restlichen 160 Kilometer bis zum Ziel zu schaffen: Hinterher war eine Spülung des Systems notwendig. Seither führte ich immer Hydraulik-Öl mit, gebraucht habe ich es seitdem allerdings nicht mehr.

Unvermutete Attacke hinterrücks

Dennoch kamen im Verlauf der Zeit einige Schwächen zum Vorschein. Die Karosserie verjüngt sich stark nach oben und brachte die B-Säule mit der Gurtbefestigung gefährlich nahe an meinen Kopf. In der Crash-Wertung hatte diese Tatsache ebenfalls zu Punkte-Abzug geführt. Die offenen Türen hatten wegen ihrer Länge die Neigung, einem gern mal in den Rücken zu fallen, und sie wiesen überdies unerfreulich ausgeprägte Oberkanten auf.

Insgesamt aber hat es der Xantia geschafft, mir den Spaß an Autos ohne Hydro-Pneumatik zu verderben. Zu bockig kommt mir die beste Stahlfederung vor, auch, wenn sie komfortabel ausgelegt ist (was nur noch bei alten Autos vorkommt). Zu schlapp erscheinen mir alle normalen Servobremsen. Leider ist das System, was durch Geräusche wie Klicken, Seufzen und Schnüffeln aus dem Auto fast ein organisches Wesen mit Herz und Blut machte, seit dem Beginn des Jahrtausends Geschichte.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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1. Naja...
UbuRoy 24.06.2009
Vor dem Xantia gabs schon den XM. Und selbst bei dem war ich mit der Hydropneumatik absolut unzufrieden. Das war schon kein Cit mehr. Der Letzte echte Citroen war sicherlich der CX mit Diravi. Danach gab es von seiten Citroen eigentlich nichts avangardistisches mehr. Und selbst der CX ist im Vergleich zur DS oder gar dem SM noch relativ hausbacken vom äußeren her. Nach 5 Citroens, davon 4 CX kann ich nur sagen: - Das beste Fahrverhalten - Bester Geradeauslauf - Extreme Beladungsfähigkeit - Immer korrektes Fahrwerksniveau, selbst bei massibver Überladung - Riesige Anhängelast - Enormer Platz bei den Breaks - Die direkteste und genialste Lenkung - Der cleverste Radstand - Radwechsel ohne Wagenheber möglich - Notfalls fahren auf drei Rädern - Schwerpunkt VOR (!) der Vorderachse - kein Nicken beim Bremsen - Das besten Spurverhalten, selbst bei Vollbremsungen mit unterschiedlicher Bodenhaftung der Reder - Der damals beste CW Wert - Die bissigste und beste Bremse - Das mit großem Abstand komfortabelste Fahrwerk - Die geringeste Seitenwindempfindlichkeit - Und die sauberste Heckscheibe ;-) - Bei den großen Turbodieseln der absolut geringste Verbrauch (5 l!) - Extreme Zuverlässigkeit (nie Probleme mit Bremse, Pneumatik etc.) bei keinem meiner Fahrzeuge) Das gilt übrigens für alle je gebauten Fahrzeuge. Und zwar von 1976 bis heute. Nachteil war eigentlich nur der Rost und die frühe Scheibenwaschanlage... Bei guter Pflege sind CX mindestens so unverwüstlich und zuverlässig wie alte Peugeots 405 oder ältere Opel. Xantia leider ist kein Citroen mehr.
2. Hö?
Scathe 24.06.2009
Zitat von UbuRoyVor dem Xantia gabs schon den XM. Und selbst bei dem war ich mit der Hydropneumatik absolut unzufrieden. Das war schon kein Cit mehr. Der Letzte echte Citroen war sicherlich der CX mit Diravi. Danach gab es von seiten Citroen eigentlich nichts avangardistisches mehr. Und selbst der CX ist im Vergleich zur DS oder gar dem SM noch relativ hausbacken vom äußeren her. Nach 5 Citroens, davon 4 CX kann ich nur sagen: - Das beste Fahrverhalten - Bester Geradeauslauf - Extreme Beladungsfähigkeit - Immer korrektes Fahrwerksniveau, selbst bei massibver Überladung - Riesige Anhängelast - Enormer Platz bei den Breaks - Die direkteste und genialste Lenkung - Der cleverste Radstand - Radwechsel ohne Wagenheber möglich - Notfalls fahren auf drei Rädern - Schwerpunkt VOR (!) der Vorderachse - kein Nicken beim Bremsen - Das besten Spurverhalten, selbst bei Vollbremsungen mit unterschiedlicher Bodenhaftung der Reder - Der damals beste CW Wert - Die bissigste und beste Bremse - Das mit großem Abstand komfortabelste Fahrwerk - Die geringeste Seitenwindempfindlichkeit - Und die sauberste Heckscheibe ;-) - Bei den großen Turbodieseln der absolut geringste Verbrauch (5 l!) - Extreme Zuverlässigkeit (nie Probleme mit Bremse, Pneumatik etc.) bei keinem meiner Fahrzeuge) Das gilt übrigens für alle je gebauten Fahrzeuge. Und zwar von 1976 bis heute. Nachteil war eigentlich nur der Rost und die frühe Scheibenwaschanlage... Bei guter Pflege sind CX mindestens so unverwüstlich und zuverlässig wie alte Peugeots 405 oder ältere Opel. Xantia leider ist kein Citroen mehr.
Also das versteh ich nun nicht. Schleift dann nicht immer die vordere Stoßstange auf dem Asphalt??? Gruß, Scathe (Überlegend, den Xantia Break der Schrottpresse anheim zu liefern. Trotz der tollen Hydropneumatik.)
3.
Haio Forler 24.06.2009
Zitat von UbuRoyVor dem Xantia gabs schon den XM. Und selbst bei dem war ich mit der Hydropneumatik absolut unzufrieden. Das war schon kein Cit mehr. Der Letzte echte Citroen war sicherlich der CX mit Diravi. Danach gab es von seiten Citroen eigentlich nichts avangardistisches mehr. Und selbst der CX ist im Vergleich zur DS oder gar dem SM noch relativ hausbacken vom äußeren her. Nach 5 Citroens, davon 4 CX kann ich nur sagen: - Das beste Fahrverhalten - Bester Geradeauslauf - Extreme Beladungsfähigkeit - Immer korrektes Fahrwerksniveau, selbst bei massibver Überladung - Riesige Anhängelast - Enormer Platz bei den Breaks - Die direkteste und genialste Lenkung - Der cleverste Radstand - Radwechsel ohne Wagenheber möglich - Notfalls fahren auf drei Rädern - Schwerpunkt VOR (!) der Vorderachse - kein Nicken beim Bremsen - Das besten Spurverhalten, selbst bei Vollbremsungen mit unterschiedlicher Bodenhaftung der Reder - Der damals beste CW Wert - Die bissigste und beste Bremse - Das mit großem Abstand komfortabelste Fahrwerk - Die geringeste Seitenwindempfindlichkeit - Und die sauberste Heckscheibe ;-) - Bei den großen Turbodieseln der absolut geringste Verbrauch (5 l!) - Extreme Zuverlässigkeit (nie Probleme mit Bremse, Pneumatik etc.) bei keinem meiner Fahrzeuge) Das gilt übrigens für alle je gebauten Fahrzeuge. Und zwar von 1976 bis heute. Nachteil war eigentlich nur der Rost und die frühe Scheibenwaschanlage... Bei guter Pflege sind CX mindestens so unverwüstlich und zuverlässig wie alte Peugeots 405 oder ältere Opel. Xantia leider ist kein Citroen mehr.
Kann ich genau so bestätigen. Ein phantastisches Fahrverhalten, Kurvenlage, sinnvolle Zusätze drin für jene Zeit (Licht geht automatisch aus, falls vergessen). Die Hydropneumatik war wunderbar, der Wagen hatte Raum ohne Ende und der Motor war Spitze. Dieser Wagen hob sich außerdem wohltuend vom Deutschen Straßen-Einerlei ab. Ich würde mir glatt noch einmal einen CX holen, wenn der in guten Zustand wäre.
4. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an
Haio Forler 24.06.2009
Zitat von ScatheAlso das versteh ich nun nicht. Schleift dann nicht immer die vordere Stoßstange auf dem Asphalt??? Gruß, Scathe (Überlegend, den Xantia Break der Schrottpresse anheim zu liefern. Trotz der tollen Hydropneumatik.)
Nein, warum sollte sie. Schade, daß es den CX nicht mehr gibt. Das war ein AUTO, keine Éinheits-Plastikbox. und ging ab wie Schmidts Katze, auch die Turbo Diesel. Sehr innovatives Fahrzeug; haben wir hier in Deutschland nicht hinbekommen, warum auch immer. Zumal zu diesem Preis. (Bei Mercedes hat man die Scheiben da noch mit der Hand gekurbelt, wenn amn nicht einen satten Aufpreis bezahlte). Muß man den Franzosen neidlos lassen. Ohne Wenn und Aber. Aber schon der XM danach .. ich weiß nicht.
5. Fehler Im Artikel
johndoe29 24.06.2009
Der letzte Absatz im Artikel ist schlicht falsch. Auch wenn die Fahrzeuge heute nicht mehr zischen und klicken, so sind auch C5 und C6 mit hydropneumatischem Federungssystem erhältlich bzw. sereinmässig ausgestattet. siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Hydropneumatik#Fahrzeuge
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