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25. November 2010, 16:27 Uhr

Comeback in London

Neustart der Doppeldecker-Busse

Ein Londoner Wahrzeichen kehrt zurück: Die berühmten Doppeldecker-Busse sollen spätestens zu den Olympischen Spielen 2012 wieder zum Straßenbild der britischen Hauptstadt gehören. Die Neuauflage des Klassikers wurde kürzlich vorgestellt, bald sollen Prototypen starten.

Die erste offizielle Fahrt eines Doppeldecker-Busses in London datiert auf den 8. Februar 1956. Damals noch nicht absehbar war die Tatsache, dass die wuchtigen, knallrot lackierten Busse mit der klassischen Motorhaube und dem offenen Heck zu einer Attraktion der britischen Hauptstadt werden sollten. Die roten Riesen gehörten bald zum Stadtbild wie Big Ben oder Tower Bridge, das Auf- und Abspringen im zähen Verkehr wurde zu einer Art Massensport der Londoner und zu einem Erlebnis für Touristen.

Vor fünf Jahren jedoch war Schluss. Gerade die unkonventionelle Art des Ein- und Ausstiegs führte immer wieder zu Unfällen; zudem erforderte die Bauart mit dem offenen Heck neben dem Fahrer noch einen Schaffner an Bord, der den Fahrpreis kassierte - das wurde London Transport, der Betreiberfirma für die Buslinien der Stadt, zu teuer. Und schließlich waren die klassischen Doppelstock-Busse weder Rollstuhlfahrer-tauglich noch besonders umweltfreundlich. Mit Einführung der Umweltzone in London war ihr Aus praktisch besiegelt.

Seither fahren nur noch auf zwei kurzen Strecken in der City so genannte "Heritage Routemasters" (die Herstellerfirma der Busse war ACE Routemaster). Deren Bedeutung für den öffentlichen Nahverkehr in der Stadt ist gering.

Bald jedoch soll es auf den Straßen Londons wieder von Doppeldecker-Bussen wimmeln. Die nordirische Firma Wrightbus hat einen Prototypen gebaut, der von Thomas Heatherwick designt wurde und die Routemaster-Idee ins 21. Jahrhundert transportiert. Es gibt abermals ein offenes Heck, zusätzlich aber auch Türen vorne am Fahrerplatz und in der Mitte des Busse; dieser Eingang ist auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Außerdem kann der Bus je nach Bedarf ausschließlich mit einem Fahrer oder auch mit Fahrer und Schaffner betrieben werden - je nachdem, welche Türen zum Zustieg geöffnet werden.

Neue Doppeldecker-Busse mit Hybridantrieb

Im kommenden Jahr sollen erste Testbusse in Betrieb genommen werden, ab 2012, wenn die Olympischen Sommerspiele in London stattfinden, sollen bereits mehr als hundert im Einsatz sein. Die neuen Modelle verfügen über Platz für 87 Passagiere, davon 40 Sitzplätze auf dem Oberdeck. Bewegt werden sie von einer Kombination aus Dieselmotor und Elektromaschine. Der Hybridantrieb soll im Schitt 28 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer verbrauchen - und damit rund 40 Prozent weniger als ein Bus mit reinem Dieselantrieb. Auch ein Preis wurde bereits genannt, er soll bei umgerechnet 355.000 Euro liegen.

Mit Hybrid-Doppeldeckerbussen sammeln die Londoner Verkehrsbetriebe übrigens bereits seit dem vergangenen Jahr Erfahrungen. Denn auf der Linie 141 verkehren insgesamt sechs solcher Busse vom Typ Volvo B5L (Werbeslogan: "Another red bus is going green"). Deren Parallel-Hybrid-Antriebstechnik mit Diesel- und E-Motor bringt im Vergleich zu normalen Dieselbussen eine Spritersparnis von rund 25 Prozent.

jüp

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