DeLorean DMC-12: Kultkeil unter Strom

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Der DeLorean DMC-12 ist seit Jahrzehnten eine Art Untoter unter den Autolegenden. Als der Wagen durch einen Auftritt im Kinofilm "Zurück in die Zukunft" prominent wurde, war der Hersteller schon pleite. Immer wieder gab es Comeback-Versuche, jetzt sogar als E-Mobil.

DeLorean DMC-12: Voraus in die Zukunft Fotos
Tom Grünweg

Zeit ist relativ - nicht nur für Menschen wie Doc Brown und seinen Gehilfen Marty McFly. So hießen die Helden im Kinohit "Zurück in die Zukunft" (1985), die von Christopher Lloyd und Michael J. Fox gespielt wurden und die sich dem chronologischen Kontinuum widersetzen. Gleiches gilt für ihre Zeitmaschine, den DeLorean DMC-12. Der Sportwagen ist bereits 30 Jahre alt und wurde damals nicht einmal 24 Monate lang produziert. Trotzdem scheint das Auto lebendiger denn je. Jedenfalls steht der kultige Keil mit den charakteristischen Flügeltüren bei vielen Fans noch immer hoch im Kurs.

Dabei hätte es des Film von Regisseur Robert Zemeckis gar nicht gebraucht, um den Wagen in die Schlagzeilen zu bringen. Denn die Geschichte des DeLorean war so wirr und wild, dass schon sie allein ein Drehbuch abgegeben hätte. Gegründet wurde die Marke vom ehemaligen GM-Manager John De Lorean, der Detroit im Frust verlassen hatte, weil er dort einfach keinen Sportwagen realisieren durfte. Das unternahm er dann in Eigenregie, gründete 1975 die DeLorean Motor Company, sammelte Geld von Showgrößen wie Sammy Davis jr. und Johnny Carson und baute eine Fabrik dort, wo es die größten Subventionen gab: in der Nähe von Belfast.

Dass Nordirland in den achtziger Jahren nicht die friedlichste Ecke Europas war und dass es womöglich zuverlässigere Entwicklungspartner gab als Lotus, focht DeLorean nicht an. Mit 20.000 Vorbestellungen im Orderbuch startete er 1981 die Produktion - und wurde von der Ölkrise kalt erwischt. Vor allem der US-Markt kollabierte, zahlreiche Bestellungen wurden storniert. DeLorean produzierte auf Halde und hatte nichts als die Hoffnung auf bessere Zeiten.

Doch die kamen für den Firmengründer nicht mehr. Stattdessen bettelte er bei der Regierung um neue Kredite und ließ sich angeblich sogar auf zwielichtige Drogendeals ein, um an Geld zu kommen. Prompt geriet er an einen Undercover-Agenten des FBI. Wer ein wenig im Internet stöbert, findet zu DeLorean noch viele andere haarsträubende Geschichten, die - genau wie bei "Zurück in die Zukunft" - für mehrere Fortsetzungen reichen würden.

Schlaffer Motor, bleischwere Flügeltüren, undichte Karosserie

Das Auto allerdings wurde nicht nur ein Opfer Umstände. Dass der Flügeltürer floppte und die gleich mitprojektierte Limousine gar nicht erst produziert wurde, lag auch am Preis, der sich im Lauf der Entwicklung glatt verdoppelte und am Ende bei rund 25.000 Dollar lag. Und vor allem am Auto selbst, dessen bester Part die von Giorgetto Giugiaro designte Edelstahlkarosserie war. Als Motor wurde ein dürftiger Sechszylinder-Benziner eingesetzt, der gemeinsam von Volvo, Peugeot und Renault entwickelt worden war. Das im Heck montierte 2,8-Liter-Aggregat machte zwar beim Anlassen ordentlich Krawall, war aber mit etwa 130 PS ziemlich müde für ein Auto, das so viel kostete wie ein Porsche 911 und es mit Konkurrenten wie der Corvette aufnehmen wollte.

Andere groteske Fehlentwicklungen: Die bleischweren Flügeltüren ließen sich kaum öffnen, die Fenster öffneten sich nur nur einen Spalt breit und so wurde es drinnen bullenheiß - oder gar unerträglich schwül, denn richtig regendicht war der Wagen auch nicht.

Wer heute mal in einen der wenigen verbliebenen Zweisitzer rutscht, wundert sich deshalb nicht nur über das mittlerweile ziemlich hausbacken wirkende Interieur und die Instrumente aus einer Zeit, in der man noch Pingpong auf der Telekonsole gespielt und von einem Commodore C64 träumte. Kurios ist vor allem die lahme Fahrleistung des vermeintlichen Sportwagens. Selbst als Oldtimer sollte der 1,2 Tonnen schwere und 4,22 Meter lange Flügeltürer etwas mehr als 200 km/h schaffen, mit denen man schon 1981 keinen Schnellfahrer mehr locken konnte. Lustig auch, dass die Tachoskala aufgund von juristischen Spitzfindigkeiten nur bis 140 km/h reicht.

Ein Elektroantrieb soll den DMC-12 endlich zu einem Sportwagen machen

Bald werde alles besser, heißt es derzeit aus De-Lorean-Fankreisen. Man könnte auch sagen: Mal wieder. Denn seit DeLorean 1982 Konkurs anmeldete hat, gab es zahlreiche Versuche, die Marke zu beleben oder zumindest das Gros der etwa 8600 Autos produzierten fahrbereit zu halten, die heute im guten Zustand selten unter 40.000 Euro gehandelt werden. Am meisten Durchhaltevermögen bewies dabei eine Firma aus Texas, die alle Markenrechte hält und sich deshalb wieder De Lorean Motor Company nennen darf. Sie verfügt über das größte Ersatzteillager, restauriert verbliebene Modelle und stellt aus alten Fahrgestellen und nachgebauten Teilen komplette Neufahrzeuge auf die Räder. Und nun plant das Unternehmen, den DMC-12 endgültig in die Zukunft zu bringen.

Dafür haben die Texaner nicht nur das Problem mit den undichten Türen gelöst und das Interieur aufgefrischt, sondern auch die Antriebsschwäche in den Griff bekommen. Im neuen Auto macht der schlappe V6-Motor Platz für einen Elektroantrieb. Anders als im Film erhält die E-Maschine ihre Energie zwar nicht aus einem Atomreaktor, sondern aus einem Akku. Doch wenn der Keil nahezu geräuschlos über die Straße schießt, kann man sich am Steuer künftig vielleicht tatsächlich ein wenig fühlen wie Marty McFly und Doc Brown beim Start des Flux-Kompensators .

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Inhaltlich falsch
Thorongil 07.11.2011
Der DeLoream fuhr in keinem der Filme mit Strom. Dass Doc Brown vergaß, den Motor auf Strom umzustellen, ist sogar einer der wichtigsten Punkt der Handlung des dritten Teils.
2. Aw:
HariboHunter, 07.11.2011
Keil? Das Ding hat einen cw-Wert wie ein Seecontainer und sein Gewicht wird heute von vielen SuV's nicht erreicht. Jetzt soll noch schwere Akkus hinzukommen? Dann rollt er bestimmt gut- bis zur ersten Steigung! Der Delorean ist ein witiges Gimmmick fuer Leute veraltete, unbrauchbare Technik mögen. Wie Zeppeline oder Produkte von Apple. Aber doch bitte keine ernsthafen Versuche das Teil aus dem Museum wieder auf die Strasse zu bringen. Es gibt mittlerweile wirklich besseres!
3. de lorean
thseeling 07.11.2011
und laut einem Bericht eines Automagazins neulich in Vox gibt es sogar Turbo-getunte V6 mit bis zu 250 PS.
4. Nicht nur ein Fehler
stwenzel 07.11.2011
Dder Tacho zeigt natürlich 140 Miles Per Hour und nicht km/h an und das sind 225 KM/H. Mit juristischen Spitzfindigkeiten hat das nichts zu tun. Und was sind wohl bleichschwere Flügeltüren??
5. .
rgh1974 07.11.2011
Zitat von ThorongilDer DeLoream fuhr in keinem der Filme mit Strom. Dass Doc Brown vergaß, den Motor auf Strom umzustellen, ist sogar einer der wichtigsten Punkt der Handlung des dritten Teils.
Das ist eine der Ungereimtheiten in dem Film! Beim ersten Auftauchen der Zeitmaschine sagt Doc Brown: "Nein nein, diese Kiste fährt elektrisch, aber ich brauch die Atomreaktion für die 1.21 Gigawatt Leistung, die nötig ist."
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