Der richtige Fahrradgriff Gut Holz

Petra Schramböhmer / velospring

Fahrradgriffe haben keinen Sexappeal und finden - anders als Rahmen und Schaltung - wenig Beachtung. Das ist ein Fehler, denn neben Sattel und Pedalen verbinden sie Körper und Rad.

Beim Rennrad meines Sohnes ist die Auswahl kein großes Problem. Ein neues Griffband in der Farbe des Sattels ist schnell beschafft und gewickelt. Es gibt zwar unterschiedliche Materialen und Stärken, aber die Optionen sind in diesem Bereich eher begrenzt. Ganz anders ist es, wenn man Griffe für konventionelle Lenker sucht. Die Breite des Lenkers, der Durchmesser, der Einsatzzweck und die persönlichen Vorlieben spielen eine Rolle. Den idealen Griff gibt es deshalb nicht.

Zum Autor
  • Hanna Becker
    Zunächst deutete wenig auf eine andauernde Liebesaffäre hin. Die erste Begegnung mit einem Fahrrad, an die Ralf Neukirch sich erinnert, endete mit einem Sturz. Doch irgendwann wurde für den SPIEGEL-Redakteur das Radfahren von der Notwendigkeit zur Leidenschaft. Seither hält er es mit John F. Kennedy: "Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren."

    Von den schönen Momenten, aber auch den sportlichen, technischen und persönlichen Herausforderungen des Radfahrens erzählt Ralf Neukirch regelmäßig in diesem Blog.

Was aber zeichnet einen guten Griff aus? Auf ein paar Dinge aber sollte man achten, wenn man Spaß an seiner Neuanschaffung haben will.

Schwieriger ist die Entscheidung für eine Griffform

Klar ist, welche Modelle man meiden sollte. Plastikgriffe, die einfach auf die Lenker aufgesteckt sind, taugen nichts. Solche Griffe sind schwierig zu entfernen, wenn man sie auswechseln will. Dafür lösen sie sich gerne von alleine, wenn man es überhaupt nicht gebrauchen kann. Da tröstet auch der geringe Preis nicht.

Wer einen neuen Griff kauft, sollte darauf achten, dass dieser sich am Lenker verschrauben lässt. Manche Griffe werden direkt verschraubt, manche mit einem sogenannten Verschlussring befestigt. Beide Systeme funktionieren gut, halten den Griff sicher und lassen sich im Bedarfsfall leicht wieder lösen.

Schwieriger ist die Entscheidung für eine Griffform. Klassische Räder haben runde Griffe. Viele Leute kommen damit gut zurecht, vor allem an Stadträdern und Mountainbikes sind sie häufig zu finden. Allerdings können runde Griffe besonders an geraden Lenkern dazu führen, dass der Karpaltunnel des Handgelenkes abgeklemmt wird. Das kann bei langen Fahrten zu Reizungen des Mittelnervs führen.

Hörnchen oder nicht?

Die Alternative sind ergonomische Griffe, die eine mehr oder minder groß ausgeprägte flache Auflagefläche für die Hand haben. Das soll den Druck auf die Hände besser verteilen und verhindert das Abknicken des Handgelenks. Ich bin ein Fan von ergonomischen Griffen und habe an meinen Reiserädern Modelle von Ergon und SQlab gefahren. Ich war mit beiden sehr zufrieden, wobei mir beim Ergon die Auflagefläche einen Tick besser gefallen hat, während mir der SQlab etwas haltbarer schien.

Wichtig ist, dass man die Griffe ausprobiert. Ist die Auflagefläche zu breit oder ungünstig geformt, kann die Hand den Lenker nicht fest genug packen. Ist sie zu klein, wird es unbequem werden. Deshalb gibt es hochwertige Griffe in verschiedenen Größen. Griffe sollte man bei einem Händler kaufen, wo man sie probefahren kann.

Griff mit Hörnchen
Angel King / ERGON

Griff mit Hörnchen

Neben der Frage der Form muss man eine weitere Grundsatzentscheidung treffen: Hörnchen oder nicht? Hörnchen nennt man die kurzen Stummel aus Metall oder Kunststoff, die an den Lenkerenden befestigt sind. Vor zehn Jahren sah man sie an vielen Rädern, dann kamen sie etwas aus der Mode. Mittlerweile scheinen sie ein Comeback zu feiern, wenn meine Beobachtungen richtig sind. Heute heißen sie Bar-Ends, dass klingt offenbar cooler.

Griffe aus weichem Schaumstoff eher meiden

Ich bin ein großer Fan der Hörnchen. Sie ermöglichen mehr Griffpositionen, was Hände und Schultern gerade bei längeren Touren deutlich entlastet. Man kann sie auch weit nach vorne drehen und hat auf diese Weise die Möglichkeit, zwischen bequemer und sportlicher Sitzposition zu wechseln. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass die Hörnchen nicht fest mit dem Griff verbunden, sondern separat einstellbar sind. Dann kann man mit der individuell passenden Position experimentieren.

An Mountainbikes sah man die Hörnchen auch deshalb nur noch selten, weil die Lenker immer breiter wurden. Das machte das Greifen der Hörnchen unbequem. Von SQlab gibt es seit einiger Zeit "Innerbarends", die nicht außen am Lenker, sondern innen neben den Griffen montiert werden. Das soll für eine aerodynamische und angenehme Griffhaltung sorgen. Ich bin noch nicht mit Innerbarends gefahren und kann daher über ihren praktischen Nutzen nichts sagen. Optisch auffallend sind sie allemal.

Nach der Form kommt die Frage: Welches Material? Auch hier ist es am leichtesten zu entscheiden, was man auf jeden Fall meiden sollte: Griffe aus weichem Schaumstoff, die es erstaunlicherweise immer noch häufig gibt, taugen nicht für den regelmäßigen Gebrauch. Sie sind in der Regel nur gesteckt, nicht geschraubt, sie nehmen bei Regen Wasser auf und der Schaumstoff zerbröselt.

Kork ist ein angenehmes Material

Die preiswerteste Alternative sind Griffe aus Gummimischungen oder hochwertigem Kunststoff. Es gibt sie in allen erdenklichen Formen, die Guten halten lange und sind ziemlich wetterbeständig. Allerdings lösen sich meiner Erfahrung nach auch bei teuren Griffen irgendwann kleine Partikel aus der Auflagefläche, vor allem wenn man häufig bei heißem Wetter fährt.

Kork passt gut zu klassischen Fahrrädern
Tino Pohlmann / ERGON

Kork passt gut zu klassischen Fahrrädern

Sehr angenehm zu Greifen sind Griffe aus Kork, gerade bei besonders kaltem oder warmem Wetter. Das Material dämpft gut und fühlt sich auf der Haut besser an als Gummi. Korkgriffe sind dafür etwas teurer und verschleißen geringfügig schneller als Gummigriffe.

Das angenehmste haptische Gefühl vermitteln Ledergriffe. Anders als früher ist das Leder mittlerweile so imprägniert, dass es auch Regengüsse und Schweiß verträgt. Wer seinen Griff liebt, sollte ihn dennoch ab und an mit Wachs oder Lederfett einreiben. Die Lebensdauer eines Gummigriffs erreichen Ledergriffe allerdings nicht. Problematisch sind Griffe, an denen das Leder vernäht ist. Diese Nähte lösen sich in der Regel noch bevor das Leder rissig und spröde wird.

Gefederte Nussbaum-Holzgriffe - der pure Luxus

Wenn man sich über Form und Material im Klaren ist, kommt, last but not least, einer der wichtigsten Aspekte des Fahrradfahrens ins Spiel: das Aussehen. Trekkingräder sind meist praktische Fahrzeuge, da kann man mit einem Griff optisch nicht viel zerstören. Ganz anders sieht es aus, wenn man einen alten Peugeot-Halbrenner oder ein Hollandrad fährt. Solche Gesamtkunstwerke darf man nicht mit Ergo-Griffen und Lenkerhörnchen verunstalten.

Einen Griff gibt es, der an fast allen Radtypen gut aussieht und sich zudem sehr angenehm anfühlt: die polierten, geölten Nussbaum-Holzgriffe des deutschen Herstellers Velospring. In der gefederten Version fahren sie sich wunderbar bequem. Durch das im Inneren verbaute Federelement gibt der Griff leicht nach, wenn man über Unebenheiten wie Kopfsteinpflaster fährt. Das beeinträchtigt die Sicherheit nicht, die Bewegung ist minimal, aber wirksam. Statt eines Schlags spürt man ein kleines Vibrieren im Handgelenk. Sie sind außerdem, glaubt man den Testberichten, sehr langlebig.

Also doch ein idealer Griff? Nicht ganz. Der Holzgriff mit Federung kostet 199 Euro. Das ist für die meisten Fahrradfahrer zu viel. Anderseits geben Autofahrer Tausende Euro für eine Innenausstattung aus Leder aus. So gesehen könnten Holzgriffe eine preiswerte Investition sein.

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