Designstudie Splinter: Studenten schnitzen Rennwagen aus Holz

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Fünf Designstudenten haben ein Kunststück vollbracht: Sie bastelten sich ein Auto - einen 600 PS starken Sportflitzer aus Holz, dem man sein ungewöhnliches Baumaterial kaum ansieht. Höchsttempo: 190 km/h.

Joe Harmon ist auf dem Holzweg. Zumindest was seine Studienarbeit Splinter betrifft, die er gerade für die North Carolina State University entwirft. Der Designstudent baut ein Auto der etwas anderen Art. Das Chassis, der Rumpf, die Aufhängungen, die Räder - alles aus Holz.

"Wir wollen damit weder das große Geld machen, noch wollen wir die Welt retten oder Autofahrer dazu bekehren, nur noch Holzautos zu fahren", sagt Harmon. Die Splinter-Studie sei ein Projekt ohne Moralin, ohne ökologischen Impetus - dafür aber mit sehr viel technologischem Machbarkeitswahn. "Es geht darum, die Grenzen des Materials Holz auszuloten."

Im Zentrum steht die Kreativität - denn schließlich, das wusste schon Philosoph Plutarch, ist der Geist ist nicht wie ein Gefäß, das gefüllt werden soll, sondern wie Holz, das entzündet werden will. Und zünden tut der Wagen mit seinen 600 PS und gut 1,1 Tonnen Gewicht ziemlich gut: Laut Designplan beschleunigt er bis auf 190 Kilometer pro Stunde. Harmon: "Schon faszinierend der Gedanke, mit einem motorisierten Baum herumzurasen."

Den satten Schub liefert ein Northstar-V8-Motor, den Harmons Team tüchtig modifiziert hat. Denn ein Turbolader erzeugt eine Menge Hitze, die dem Holzmobil gar nicht gut bekäme. Damit das Chassis nicht während der Fahrt wegkokelt, verlegten die Studenten die Abgas-Ableitung zur Oberseite des Motors hin; die Motorhitze leiten sie zur Fahrzeugseite hin ab.

Angebracht ist der Motor mehr oder weniger mitten im Fahrzeug, was den Insassen nicht gerade viel Raum lässt. Um Platz zu schaffen, dehnten die Designer den Fußraum bis hinter die A-Säulen aus - die Beine von Fahrer und Beifahrer ragen halb in die Fahrzeugschnauze hinein.

Durchdrehen auf furnierter Walnuss

Bei den hölzernen Rädern gaben sich Harmon und seine Crew besonders viel Mühe, fertigten Felgen aus furniertem Eichenholz und Speichen aus Walnuss- und Kirschenholz. Wie sich in Tests herausstellte, sind die Speichen äußerst belastbar. "Ein Speichenbruch dürfte nicht unser Problem sein", sagt Harmon. Tückischer sei da der Punkt, an dem Rad und Achse sich berühren.

Dieser Punkt ist auch die größte Gefahrenquelle. "Nach unseren Berechnungen dürften die Räder eine Belastung von Tempo 190 aushalten", sagt Harmon. Dennoch werden beim ersten Härtetest wohl nicht nur die Räder, sondern auch die Studenten durchdrehen. Harmon: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit gekreuzten Fingern im Fond sitzen werde, wenn wir das erste Mal auf 5000 Umdrehungen über die Autobahn hobeln."

Immerhin: Sollten sich die Räder als weniger belastbar herausstellen, haben die Studenten zumindest ein Designerstück geschaffen, mit dem es sich auf Autoshows trefflich angeben lässt. Premiere hat das Holzauto auf dem International Woodworking Machinery & Furniture Supply Fair, einer Fachmesse im August 2008 in Atlanta. "Vollständig einsatzbereit dürfte der Splinter aber erst im Dezember 2008 sein", sagt Harmon. "Das Auto geht dann erst mal auf Welttournee - wir haben viele Sponsoren, also viele Verpflichtungen."

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