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Deutschlands schnellstes Taxi: Der Tacho reicht bis 320 km/h

Von Fabian Hoberg

Deutschlands schnellstes Taxi: Herzrasen gratis Fotos
Fabian Hoberg

660 PS, 341 km/h Spitze: Wer in Recklinghausen ein Taxi ruft, erlebt womöglich sein elfenbeinfarbenes Wunder. Mit einer getunten Mercedes C-Klasse erfüllte sich der Unternehmer Daniel Wolfs einen Traum.

Die Mercedes C-Klasse von Daniel Wolfs leuchtet außen in Hellelfenbein, innen sind ein Taxameter und ein Funkgerät ans Armaturenbrett montiert. Eigentlich sieht der Wagen aus wie ein klassisches Taxi. Aber irgendwas ist hier anders. Zum einen riecht der Innenraum nach Neuwagen, und nicht nach Rauch oder Duftbäumchen. Auch die Sitze aus Alcantara sind ziemlich eng geschnitten - und der Tacho reicht bis 320 km/h.

Daniel Wolfs lässt die Fahrertür des Wagens dumpf ins Schloss fallen. Er drückt den Startknopf und grinst. Der Motor heult kurz auf und aus den vier Auspuffenden schießen die Abgase. Wolfs fährt einen getunten Mercedes C63 AMG, einen sogenannten MC 660 Loaded. 660 PS, 770 Newtonmeter Drehmoment. Der Achtzylinder ist durch einen zusätzlichen Kompressor so aufgemotzt, dass die 320 km/h auf dem Tacho eine Untertreibung sind. Die Nadel braucht in Wahrheit noch mehr Platz, die C-Klasse schafft 341 km/h. Damit fährt Daniel Wolfs das schnellste Taxi in Deutschland.

Wolfs wechselt die Fahrstufen der Siebengangautomatik per Schalthebel, der Achtzylinder brabbelt beim Runterschalten kurz auf, ein paar Passanten schauen irritiert. Ansonsten hält sich der 49-Jährige im Stadtverkehr in Recklinghausen zurück. "Bei uns hagelt es keine Bußgeldbescheide", sagt er. Die 660 PS reizt er lieber auf der Rennstrecke aus: Bei einem Viertelmeile-Rennen in Bottrop schoss er mit dem Super-Taxi nach 12,16 Sekunden über die Ziellinie - vollbesetzt.

"Als junger Mann benötigt man ja immer irgendwie Kohle"

"Mir macht Taxi fahren einfach Spaß, ich unterhalte mich gern mit den Gästen", sagt Wolfs. Das habe sich in den vergangenen 27 Jahren nicht geändert. Angefangen hat er als Student, auf der Suche nach dem schnellen Geld. "Als junger Mann benötigt man ja immer irgendwie Kohle. Ein Freund gab mir damals den Tipp: 'Fahr Taxi.'" Also machte er mit 22 Jahren den Personenbeförderungsschein und fuhr anschließend am Wochenende und vor allem nachts in Herten und Recklinghausen.

Das ging fast zehn Jahre so. Als er Ende 1996 mit dem Studium endlich fertig war, stand er vor der Wahl: Ingenieur bei einem Autohersteller werden oder sich selbstständig machen. Eine günstige Gelegenheit erleichterte ihm die Entscheidung: Das Taxiunternehmen, bei dem er jobbte, stand zum Verkauf. Zusammen mit einem Kommilitonen - ebenfalls Gelegenheitschauffeur - schlug er zu.

Mittlerweile zählt Wolfs rund 40 Fahrzeuge in seiner Flotte. Den MC 660 Loaded entdeckte er durch Zufall im Internet, er diente einer Tuning-Firma als Vorführwagen. "Als ich denen von meiner Idee mit dem Taxi erzählte, konnten sie es gar nicht glauben und hielten mich wahrscheinlich für einen Spinner", erzählt Wolfs. Doch kurz nach dem Kauf war der Wagen schon in Hellelfenbein foliert und mit Taxameter und Funk ausgestattet.

Der Mercedes leistet 660 PS

"Manche Gäste verlangen explizit nach dem Auto, bei einigen ist es aber eine Überraschung, wenn wir mit dem Fahrzeug ankommen", sagt der Unternehmer. "Ich fahre so, dass man es nicht auf Anhieb merkt, wie viel Leistung das Auto hat." Manche Passagiere würden gar nicht mitkriegen, dass der Wagen 660 PS hat. "Auch nicht durch den Preis", fügt er hinzu. Für die Fahrt gelte der normale Taxitarif.

"Das Auto rechnet sich natürlich nicht", sagt der 49-Jährige, "der Benz verbraucht je nach Fahrweise zwischen 20 und 25 Liter Super Plus auf 100 Kilometer. Wir setzen ihn fast nur am Wochenende ein."

Das mag aus Unternehmersicht zunächst ziemlich abseitig klingen. Aber schließlich ist die ganze Flotte von Wolfs nicht ganz alltäglich. Sie besteht größtenteils aus älteren Mercedes-E-Klasse-Modellen der Baureihe W124, produziert bis 1995. Und zwar nicht als Dieselvariante, sondern als umgerüstete Benziner, die mit Autogas fahren. Dazu kommen noch Fahrzeuge für Patiententransporte und spezielle Mietwagen für Events wie Hochzeiten oder Junggesellenabschiede: Auf seinem Hof stehen unter anderem ein Hummer H2 6-Türer, ein Chrysler 300 C Cabrio, eine 8,60 Meter lange Chrysler-300-C-Stretchlimousine sowie eine Mercedes S-Klasse mit langem Radstand.

Mit dem Taxi hat sich Wolfs selbst ein Geschenk gemacht

Mit dem MC 660 Loaded hat sich Wolfs nach den unzähligen Nachtschichten als Student einfach selbst ein Geschenk gemacht. Denn unter der Woche kümmert er sich mit seinem Kompagnon fast ausschließlich im Büro um seinen Betrieb. "Aber am Wochenende", sagt er, "da fahre ich regelmäßig selbst. Am liebsten nachts, wie früher." Heute allerdings in Deutschlands schnellstem Taxi.

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insgesamt 91 Beiträge
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1. ...
e-ding 28.10.2014
Nettes Fahrzeug und eine schöne Idee. Macht garantiert einen Heidenspaß. Nur, hochgeklappte Kragen bei Polo-Shirst sind doch irgendwie arg 90er. ;)
2.
SpitzensteuersatzZahler 28.10.2014
... oder wie man das Hobby als Betriebsausgabe deklariert :D
3. Polokragen
Champagnerschorle 28.10.2014
Schöne Geschichte, feine Sache. Aufgestellter Polokragen - das gibts nur noch in Recklinghausen...
4. Bin ich als Taxikunde da schneller am Ziel?
kritischer-spiegelleser 28.10.2014
Im Stadtverkehr? Oder will der Besitzer nur zeigen, dass er es geschafft hat, dieses teure Gefährt als Betriebsausgaben zu deklarieren?
5. Karbon
zauselfritz 28.10.2014
Karbonbremsscheiben sind für den stop-and-go Stadtverkehr sicherlich nicht ideal. :P
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