Die Atlantikstraße in Norwegen: Slalom zwischen Fels und Meer

Aus Kristiansund berichtet

Die Straße ist kaum zehn Kilometer lang, trotzdem ist die Strecke an Norwegens Atlantikküste einzigartig. Der Slalom zwischen Felsen und Wellen ist so spektakulär, dass die Straße in Norwegen zum "Bauwerk des Jahrhunderts" gekürt wurde.

Die norwegische Atlantikstraße: Wunder aus Aspahlt Fotos
Dirk Weyhenmeyer

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Planungen für die Strecke gab es seit mehr als hundert Jahren. Doch nachdem die ersten Skizzen für eine Straße oder eine Eisenbahntrasse 1935 auftauchten, sollte es noch einmal mehr als 50 Jahre bis zur Fertigstellung dauern: Erst im Sommer 1989 wurde - nach gut fünf Jahren Bauzeit - die so genannte Atlantikstraße an der Westküste Norwegens eröffnet. Die Route ist Teil der Reichsstraße 64 zwischen Kristiansund und Molde im Südwesten des Landes und ersetzt - mit insgesamt acht Brücken - eine Reihe von Fähren. Das Bauwerk kostete 122 Millionen Kronen (zirka 15 Millionen Euro), und um einen Teil der Kosten wieder hereinzuholen, wurde während der ersten zehn Jahre eine Maut erhoben. Mittlerweile hat man auf der gut ausgebauten Piste zum Teil wieder freie Fahrt.

Für die Zufahrt zur Atlantikstraße jedoch, den fast sechs Kilometer langen Tunnel, der unter dem Atlantikgrund hindurch führt, bitten die lokalen Behörden weiter zur Kasse. Taucht man wieder aus der teilweise bunt beleuchteten Unterwelt auf, ist man schon auf der lieblich grünen Insel Averøy. Dort schlagen die Wogen schäumend gegen das Ufer, weinrote gestrichene Bauernhöfe stehen auf den sattgrünen Wiesen und links am Horizont ist selbst im Sommer das schneebedeckte Küstengebirge zu sehen. Hier geht es gemächlich weiter nach Südwesten, wo nach wenigen Kilometern die eigentliche Atlantikstraße, der Atlanterhavsveien beginnt.

Genau 8274 Meter lang ist die Straße und führt dabei in sanften Schwüngen und engen Kurven über acht Brücken, die zusammen schon fast einen Kilometer lang sind. Die mit Abstand spektakulärste ist die 260 Meter lange Storseisund-Brücke, die einen hohen Buckel wirft, damit eine Durchfahrtshöhe von 23 Metern für Schiffe bei jedem Meerwasserstand garantiert ist.

Die Storseisund-Brücke ist einer der Gründe dafür, weshalb die Strecke vor fünf Jahren von den Norwegern zum "Bauwerk des Jahrhunderts" gekürt wurde und auch bei den Touristen zum Magnet geworden ist. Das erkennt man nicht nur an den vielen internationalen Kennzeichen, denen man während der Fahrt auf Wohnmobilen, Sportwagen oder Motorrädern begegnet, sondern kann es - zum Beispiel in der britischen Presse - auch nachlesen. Die englische Tageszeitung "Guardian" erklärte die Atlantikstraße zur besten Autoroute der Welt - lange vor der Antrim Coast Road in Nordirland, der Himalaya-Strecke zwischen Manali und Leh, der Gibb River Road in Australien und dem kanadischen Sea to Sky Highway.

Auch die Autoindustrie hat die Straße für ihre Zwecke entdeckt

Das ist mittlerweile auch bei der Automobilindustrie angekommen. Alfa Romeo zum Beispiel hat auf dieser Route einen Fernseh-Spot für den 159 Kombi gedreht, Porsche ließ ebenfalls auf der Atlantikstraße bereits einige Sportwagen fotografieren und Mercedes war zwischen Kristiansund und Bud gerade zu Testfahrten mit dem elektrisch angetriebenen SLS unterwegs.

Wer die Straße im Hochsommer fährt, hat nicht nur Tageslicht bis weit nach Mitternacht, sondern er genießt auch eine ausgesprochen friedliche Stimmung und kann bei Ebbe und Flut zwei völlig unterschiedliche Eindrücke mit nach Hause nehmen. Und mit ein bisschen Glück sieht man von einem der vielen markierten Aussichtspunkte sogar Seehunde oder Wale.

Wer raues Wetter liebt, sollte die Strecke im Herbst befahren

Unter den Fans der Atlantikstraße gilt jedoch der Herbst als beste Reisezeit. Dann toben hier am völlig offenen Küstenabschnitt Hustadvika so heftige Stürme, dass selbst acht Kilometer zum Abenteuer werden können. Nicht umsonst mussten die Baumannschaften in den fünf Jahren bis zur Fertigstellung die Arbeiten wegen insgesamt zwölf Orkanen, die in dieser Zeit dort tobten, unterbrechen.

Natürlich ist die Strecke kurz und bei aller Schönheit nicht Grund genug für die vielen tausend Kilometer Anreise vom europäischen Festland hierher. Doch die Gegend rings ist ebenfalls ausgesprochen attraktiv und also ein lohnendes Reiseziel. Die örtliche Polizei ist übrigens penibel darauf bedacht, den Genuss der Gäste auf dem Atlanterhavsveien zu maximieren. Sie hat nicht nur strenge Tempolimits eingeführt, sondern sie überwacht diese auch peinlich genau. Wer zwischen Kristiansund und Bud zu schnell unterwegs ist, verpasst nicht nur die besten Ausblicke - er riskiert auch ein tiefes Loch in der Urlaubskasse.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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1. Hallo UNESCO hörst du mich?
sgtsven 27.07.2010
Wo ist Sie, die unsere Welt museal zementiert? Wo ist Sie, die Repliken als Originale schützt, wo war Sie als man diese Landschaft mit einer Strasse durchschnitt und vor allem was kümmert es die Norweger? NICHTS! Gut so!
2. Die Brücke...
Schnorschel 27.07.2010
...erinnert doch stark an die Zufahrt vom schottischen Festland zur Isle of Skye. Siehe z.B. http://www.isleofskyecottage.co.uk/prices.html.
3. Ich weiß nicht so recht, ...
duanehanson 28.07.2010
Die sieben Bilder haben mich noch nicht wirklich überzeugt, ein sich ständig wiederholendes Motiv (die Brücke) ist ein bisschen dünn, um die »schönste Straße der Welt« zu beschreiben und zu zeigen. Was sonst zu sehen ist, ist sehr dürftig. Reiseberichte, die die Welt nicht braucht, tut mir leid.
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