Ausstellungen zur Auto-Kultur An die Wand gefahren

Zwei Ausstellungen in Bonn und Paris feiern unsere Liebe zum Auto - und wirken zugleich wie ein Abgesang auf eine untergehende Kultur. Hier sind die Bilder.

Oscar Fernando Gomez

Von


Anfang der Neunzigerjahre läuft in deutschen Kinos der Tuningklamauk "Manta, Manta". In den Hauptrollen: ein Sportwagen aus Rüsselsheim und Til Schweiger alias Bertie. Etwa zur gleichen Zeit krönt Peter Sloterdijk das Automobil zum "technischen Zentralobjekt der Moderne".

Der Kraftfahrtwagen als Faszinosum für Prolls und Philosophen gleichermaßen: Darum geht es in der Ausstellung "Die Deutschen und ihre Autos" im Bonner Haus der Geschichte. Dort parkt derzeit der Opel Manta B aus "Manta, Manta", Sloterdijks Bonmot findet sich in einem Vorwort zum Ausstellungskatalog.

Zeitgleich wird dem Automobil auch in Paris eine Schau gewidmet: In der Fondation Cartier läuft die Ausstellung "Autophoto: Cars & Photography, 1900 to Now". 500 Motive hängen in dem Museum für zeitgenössische Kunst, zu sehen sind Menschen, Straßen und Autos, Autos, Autos. Eine Blechlawine in Bildern.

Freiheit? Aber nicht mit Diesel

Die Ausstellungen liefern mit unterschiedlichen Ansätzen das gleiche Ergebnis: eine Hommage mit kritischen Untertönen. Das Auto ist jeweils auf Hochglanz poliert. Aber es hat auch Beulen - und die werden nicht kaschiert.

Da wäre zum Beispiel das Problem der Verkehrstoten: Laut der jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben im Schnitt weltweit 34.000 Menschen auf den Straßen - täglich. In der Fondation Cartier wird auf dieses Risiko durch Unfallbilder des Polizeifotografen Arnold Odermatt hingewiesen. Tragödien in schwarz-weiß, aufgenommen im Laufe vieler Dienstjahre in der Schweiz: Ein VW Käfer und ein Porsche 356, ineinander verkeilt wie zwei erschöpfte Ringer. Weiße Kreidespuren, die in verbogenen Leitplanken münden.

Fotostrecke

29  Bilder
Auto-Ausstellungen in Bonn und Paris: Auto Bild

Autos bedeuten Freiheit, aber Freiheit hat ihren Preis. Dass - wie bei Odermatt - sogar alltäglichen Verkehrsunfällen noch eine morbide Ästhetik abgewonnen werden kann, verdeutlicht die Mystifizierung des Autos umso mehr.

Im Bonner Museumskatalog wird ein anderer negativer Aspekt der Massenmobilisierung hervorgehoben: "Das Freiheitsversprechen des Autos kann nur dann aufrechterhalten werden, wenn es gelingt, die globalen Folgen für den Klimawandel und die Erderwärmung, aber auch die durch überhöhte Schadstoffbelastung verursachten Todesfälle sukzessive zu reduzieren." Der Kulturhistoriker Wolfgang Ruppert liefert damit einen klaren Kommentarbeitrag zu einer aktuellen Debatte - für Fahrer von Dieselautos könnte die Freiheit bald an den Stadtgrenzen enden.

Wie eine Show von Günther Jauch

"Geliebt. Gebraucht. Gehasst." - so lautet der Untertitel von "Die Deutschen und ihre Autos". Der "Hass" hält sich dabei in Grenzen, denn "Gebraucht" wird das Auto nicht nur zur Fortbewegung, sondern auch als Wirtschaftsmotor. Was unter "Geliebt" zu verstehen ist, soll nicht nur der Manta exemplarisch verdeutlichen, sondern auch Günther Jauch.

In der Ausstellung wird sein alter Führerschein samt Foto gezeigt: Jauch als langhaariger Schlacks. Im Interview dazu erzählt er von den vielen Fahrzeugen, die er bereits besaß, vom "babyblauen" VW 1600 L Automatic bis zum Daimler Double Six (Vorbesitzer: Horst Tappert). Jauch ist der perfekte Protagonist für "Die Deutschen und ihre Autos", weil die Ausstellung nach den Regeln seiner Shows funktioniert: Insgesamt alles etwas erwartbar, zwischendurch lustige Überraschungen, und am Ende hat man was gelernt.

In einem letzten Kapitel des Ausstellungskatalogs wird auf die Zukunft des Autos eingegangen. Sie liegt aller Voraussicht nach darin, dass der Mensch nicht mehr selbst fährt, sondern sich von Roboterwagen kutschieren lässt. Genau hier knüpft auch die Pariser Ausstellung "Autophoto" an: "Bevor wir das Lenkrad dank dieser neuen Entwicklungen aus der Hand geben", schreiben die Kuratoren Xavier Barral und Philippe Séclier in einem Vorwort des Katalogs, "sollten wir einen Moment innehalten."

Es ist die Aufforderung dazu, die vielen Bilder diese Retrospektive der Autokultur von 1900 bis heute, auf sich wirken zu lassen - und es klingt ein bisschen wehmütig.

Die Ausstellung als Abschiedsfeier

Fragt man die Kuratoren, was sie zu den Ausstellungen über Autos bewogen hat, antworten sie ganz ähnlich. Sowohl Ulrich Op de Hipt (Bonn) als auch Philipp Seclier (Paris) weisen auf die Umbrüche hin, die sich hier gerade vollziehen - vor allem durch die Elektromobilität und das autonome Fahren.

Das Interessante dabei: Die Ausstellungen wirken nicht wie Zwischenberichte zum Stand des Autos, sondern vermitteln eher das Gefühl, eine Ära neige sich dem Ende zu. Derzeit ist es noch die Geschichte des Autos, die in die Museen gewandert ist. In ein paar Jahrzehnten, so ahnt man, könnte das ganze Konzept der automobilen Fortbewegung museumsreif sein.


Die Ausstellung "Autophoto" in der Fondation Cartier in Paris läuft noch bis bis 24. September 2017.

Die Ausstellung "Die Deutschen und ihre Autos" im Haus der Geschichte in Bonn läuft noch bis 21. Januar 2018.

Mehr zum Thema


insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Velbert2 22.06.2017
1. Abgesang? Untergehend?
Wenn eine Kultur untergeht muss sich zwangsläufig eine neue Kultur etablieren. Welche sollte es in diesem Fall sein? Eine Kultur des Bahnfahrens, des Fahrrad- oder Motorradfahrens, vielleicht sogar des "Zufussgehens"? Ich bin da eher skeptisch, da all diese "Kulturen" ihre Nachteile haben. Störanfälligkeit zum Beispiel bei der Bahn, wie man erst kürzlich bei den koordinierten Anschlägen auf Bahnstrecken sehen konnte. Beim Fahrradfahren spielen oft das Wetter oder andere Verkehrsteilnehmer wie Fussgänger oder andere Fahrradfahrer nicht mit. Ich glaube, so schnell wird man den "Kult ums Auto" nicht los, auch wenn einige das gerne prognostizieren.
rennflosse 22.06.2017
2. Zu viel ist ungesund
Untergehende Kultur? Die automobile Kultur der Vergangenheit war vor allem dadurch geprägt, dass es sich um ein Objekt handelte, von dem viele träumten und das sich sehr wenige leisten konnten. Man denke an die Bemühungen in den dreissiger Jahren, überhaupt ein Automobil für Normalbürger zu bauen. Oder man denke an die hohen Preise und langen Wartezeiten in der ehemaligen DDR. Das begehrte Objekt steht heute im Überfluss zur Verfügung. Und wenn alle ein Gut in Anspruch nehmen können, wird es für den Einzelnen eng. Die täglichen Staus, die Umweltbelastung werden immer erdrückender. Angesichts dessen sucht man nach Alternativen. Aber wie erreicht man weniger Autoverkehr? Indem man die Mobilität grundsätzlich einschränkt? Fahrräder sind für viele Menschen zu unattraktiv. So denke ich, die automobile Kultur geht nicht unter. Sie wird sich verändern. Und der Trend geht vielleicht dahin zurück, das eigene Auto für mehr Menschen unbezahlbar zu machen. An den Elektroautos kann man den Trend erkennen. Deren Anschaffung ist gegenüber vergleichbaren konventionell angetriebenen Fahrzeugen deutlich schwieriger.
mol1969 22.06.2017
3. Nun ja ...
Vorab: Ich bin Zeit meines Lebens Autonarr. Ich fahre, seit ich 18 bin, etwa 30.000 KM jährlich, nicht etwa weil ich einen besonders langen Arbeitsweg habe, sondern weil ich wirklich gerne Auto fahre und in meiner Freizeit großen Wert auf Mobilität lege. Urlaub an der Ostsee 1000KM, Wanderausflug am Wochenende 200KM, Kumpel alle 2 Wochen zum Pizzaessen besuchen 150KM ..... Dies nur zur Erklärung: Ich bin wahrlich keiner, der das Auto verteufelt und wegen mir hätte es ewig so weitergehen wie vielleicht noch vor 10 Jahren. Aber: Es ist unübersehbar, dass der Verkehr in den vergangenen Jahren derart zugenommen hat, dass wir überall an Kapazitätsgrenzen stoßen bzw. diese bereits überschritten haben. Zumindest im Sommerhalbjahr vergeht kein Wochenende mehr, an dem ich nicht im Stau stehe, wenn ich eigentlich nur 50 KM weiter zum Wandern fahren will. Vor ca. 4 Wochen bin ich auf der Urlaubsrückfahrt stundenlang im Stau gestanden, für 150 KM über den San Bernadino habe ich 4 Stunden gebraucht. Ein Bekannter von mir, ebenfalls Oldtimer-Fan, denkt inzwischen ganz ernsthaft darüber nach, seine geliebte "Cobra" mit 5Ltr-V8 zu verkaufen, weil er aus den gleichen Gründen keine Freude mehr an ihr hat. Er fährt zuhause los und steht spätestens nach einer halben Stunde irgendwo im Stau. Es reicht. Der Grund ist einfach: Wirklich jeder kann sich heute ein Auto leisten, selbst viele Hartz-4-Empfänger. Keine Familie, die nicht mehrere Autos zur Verfügung hat, von Innenstadtlagen in Großstädten vielleicht mal abgesehen. Dagegen gab es in meiner Kindheit vor etwa 30 bis 40 Jahren in aller Regel "nur" ein Auto pro Familie. Zweitwagen für die Hausfrau war selten und die Anzahl derer, die gar kein Auto hatten, war auch noch deutlich größer. Ich bin als Kind z. B. ganz ohne Auto aufgewachsen, wahrscheinlich bin ich gerade deswegen so ein "Autonarr" geworden. Wie geht es nun weiter? Auch wenn ich das ganz sicher nicht will, realistisch betrachtet wird das Problem nur mit einer künstlichen Verteuerung des Autofahrens zu beheben sein. Ich bin mir sicher, in 20 Jahren wird - völlig unabhängig von der Frage des Antriebssystems - ein individuelles Auto wieder das Privileg der Gutverdienenden sein, während der Normal- oder gar Geringverdiener nur noch die Wahl zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und der gelegentlichen stundenweisen Anmietung von - dann wahrscheinlich elektrisch betriebenen - Poolfahrzeugen haben wird, z. B. für Einkaufsfahrten oder ähnliches. Abgerundet von leichten Elektrorollern oder Fahrrädern für kürzere Strecken. Für mich persönlich keine schöne Vorstellung, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es unvermeidbar so kommen wird. Ich hoffe nur, dass dann der ÖPNV auch entsprechend verbessert wird, denn einen Nordseeurlaub mit 2 Kindern und Hund möchte ich unter den heutigen Bedingungen nicht per Bahn oder Bus antreten müssen.
streckengeher 22.06.2017
4.
Zitat von mol1969Vorab: Ich bin Zeit meines Lebens Autonarr. Ich fahre, seit ich 18 bin, etwa 30.000 KM jährlich, nicht etwa weil ich einen besonders langen Arbeitsweg habe, sondern weil ich wirklich gerne Auto fahre und in meiner Freizeit großen Wert auf Mobilität lege. Urlaub an der Ostsee 1000KM, Wanderausflug am Wochenende 200KM, Kumpel alle 2 Wochen zum Pizzaessen besuchen 150KM ..... Dies nur zur Erklärung: Ich bin wahrlich keiner, der das Auto verteufelt und wegen mir hätte es ewig so weitergehen wie vielleicht noch vor 10 Jahren. Aber: Es ist unübersehbar, dass der Verkehr in den vergangenen Jahren derart zugenommen hat, dass wir überall an Kapazitätsgrenzen stoßen bzw. diese bereits überschritten haben. Zumindest im Sommerhalbjahr vergeht kein Wochenende mehr, an dem ich nicht im Stau stehe, wenn ich eigentlich nur 50 KM weiter zum Wandern fahren will. Vor ca. 4 Wochen bin ich auf der Urlaubsrückfahrt stundenlang im Stau gestanden, für 150 KM über den San Bernadino habe ich 4 Stunden gebraucht. Ein Bekannter von mir, ebenfalls Oldtimer-Fan, denkt inzwischen ganz ernsthaft darüber nach, seine geliebte "Cobra" mit 5Ltr-V8 zu verkaufen, weil er aus den gleichen Gründen keine Freude mehr an ihr hat. Er fährt zuhause los und steht spätestens nach einer halben Stunde irgendwo im Stau. Es reicht. Der Grund ist einfach: Wirklich jeder kann sich heute ein Auto leisten, selbst viele Hartz-4-Empfänger. Keine Familie, die nicht mehrere Autos zur Verfügung hat, von Innenstadtlagen in Großstädten vielleicht mal abgesehen. Dagegen gab es in meiner Kindheit vor etwa 30 bis 40 Jahren in aller Regel "nur" ein Auto pro Familie. Zweitwagen für die Hausfrau war selten und die Anzahl derer, die gar kein Auto hatten, war auch noch deutlich größer. Ich bin als Kind z. B. ganz ohne Auto aufgewachsen, wahrscheinlich bin ich gerade deswegen so ein "Autonarr" geworden. Wie geht es nun weiter? Auch wenn ich das ganz sicher nicht will, realistisch betrachtet wird das Problem nur mit einer künstlichen Verteuerung des Autofahrens zu beheben sein. Ich bin mir sicher, in 20 Jahren wird - völlig unabhängig von der Frage des Antriebssystems - ein individuelles Auto wieder das Privileg der Gutverdienenden sein, während der Normal- oder gar Geringverdiener nur noch die Wahl zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und der gelegentlichen stundenweisen Anmietung von - dann wahrscheinlich elektrisch betriebenen - Poolfahrzeugen haben wird, z. B. für Einkaufsfahrten oder ähnliches. Abgerundet von leichten Elektrorollern oder Fahrrädern für kürzere Strecken. Für mich persönlich keine schöne Vorstellung, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es unvermeidbar so kommen wird. Ich hoffe nur, dass dann der ÖPNV auch entsprechend verbessert wird, denn einen Nordseeurlaub mit 2 Kindern und Hund möchte ich unter den heutigen Bedingungen nicht per Bahn oder Bus antreten müssen.
Danke, eine tolle, ehrliche Meinung. Ihre Schlussfolgerung teile ich allerdings nicht. Jedenfalls nicht in dieser Kausalität. Natürlich bedeuten neue Entwicklungswege zunächst auch höhere Produktionskosten. Aber das Ende des fossilen Antriebs ist noch keinesfalls erreicht und für die Antriebstechnik geht der Produktionsaufwand weiterhin eher nach unten. Wenn die Inder oder Chinesen mit ihrem Billigauto wirklich ernst machen, kann sich noch der letzte Azubi so ein Auto leisten. Und wenn die Verbrenner dann wirklich mal auslaufen, ist die E-Technik längst soweit, als ausgereiftes Massenprodukt auch (noch) kostengünstig(er) hergestellt werden können. Dennoch teile ich die Auffassung des Artikels, dass das Ende des konventionellen Automobils kommen wird. Aber nicht als Folge zu hoher Kosten, sondern schlicht aufgrund der kommenden Megatrends. Die sich rasant weiter entwickelnde IT wird die Nutzung wie auch die Angebotsgestaltung öffentlicher Verkehrsmittel verbessern. Das autonome Fahren wird Lücken in den heutiogen Mobitätsketten schließen und neue, preiswerte Mobilitätsangebote ermöglichen, die zwangsweise die Frage aufwerfen, warum man für etwas, das man jederzeit on demand haben kann, sich noch einen automobilen Klotz ans Bein binden soll, der 23 Stunden am Tag nur rumsteht und einen Haufen Aufwand und Kosten verursacht. Das Leben ändert sich eben. Früher hat man Brot selber gebacken und jeder hatte dafür einen Ofen zuhause. Seit man es beliebig im Laden kaufen kann, macht das maum mehr jemand. Das klassicshe Eigentums-Auto hat so lange seine Berechtigung, wie es die größmögliche Flexibiltät zu einem niedrigen Gesamtpreis bieten konnte. Sobald es preiswerte und gleichgute oder bessere Alternativen gibt, werden diese auch genutzt werden.
RobMcKenna 22.06.2017
5.
Zitat von streckengeherDanke, eine tolle, ehrliche Meinung. Ihre Schlussfolgerung teile ich allerdings nicht. Jedenfalls nicht in dieser Kausalität. Natürlich bedeuten neue Entwicklungswege zunächst auch höhere Produktionskosten. Aber das Ende des fossilen Antriebs ist noch keinesfalls erreicht und für die Antriebstechnik geht der Produktionsaufwand weiterhin eher nach unten. Wenn die Inder oder Chinesen mit ihrem Billigauto wirklich ernst machen, kann sich noch der letzte Azubi so ein Auto leisten. Und wenn die Verbrenner dann wirklich mal auslaufen, ist die E-Technik längst soweit, als ausgereiftes Massenprodukt auch (noch) kostengünstig(er) hergestellt werden können. Dennoch teile ich die Auffassung des Artikels, dass das Ende des konventionellen Automobils kommen wird. Aber nicht als Folge zu hoher Kosten, sondern schlicht aufgrund der kommenden Megatrends. Die sich rasant weiter entwickelnde IT wird die Nutzung wie auch die Angebotsgestaltung öffentlicher Verkehrsmittel verbessern. Das autonome Fahren wird Lücken in den heutiogen Mobitätsketten schließen und neue, preiswerte Mobilitätsangebote ermöglichen, die zwangsweise die Frage aufwerfen, warum man für etwas, das man jederzeit on demand haben kann, sich noch einen automobilen Klotz ans Bein binden soll, der 23 Stunden am Tag nur rumsteht und einen Haufen Aufwand und Kosten verursacht. Das Leben ändert sich eben. Früher hat man Brot selber gebacken und jeder hatte dafür einen Ofen zuhause. Seit man es beliebig im Laden kaufen kann, macht das maum mehr jemand. Das klassicshe Eigentums-Auto hat so lange seine Berechtigung, wie es die größmögliche Flexibiltät zu einem niedrigen Gesamtpreis bieten konnte. Sobald es preiswerte und gleichgute oder bessere Alternativen gibt, werden diese auch genutzt werden.
Ich glaube, der Vergleich hinkt ein wenig. Ich bin nun weder ein "Auto-Messie", der sich die Karre gnadenlos vollmüllt, noch habe ich mein Auto mit irgendwelchem Deko-Zierrat ausgestattet (wie man es Frauen gerne nachsagt) - trotzdem habe in Summe viel Kleinkram im Auto (z.B. Küchen- und Feuchttücher zum Reinigen), die ich eigentlich nicht missen möchte bzw. die ich mir als reichlich umständlich vorstelle, die jedes Mal in ein "Sharing"-Fahrzeug packen zu müssen. Und das halte ich vom Umfang her noch für eher für harmlos im Vergleich zu dem, was viele andere Zeitgenossen so treiben. Von daher glaube ich nicht so recht daran, dass sich Car-Sharing - wie auch immer das im Detail nun konkret umgesetzt sein mag - wirklich auf breiter Front durchsetzen wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.