E-Fahrrad i:SY Drive S8 ZR 20 Zoll reichen  

Sie sind praktisch und lassen sich leicht verstauen: Kompakte Elektrofahrräder wie das i:SY Drive S8 ZR liegen voll im Trend. Doch nicht jeder macht den mit.

Winfried Heinze / i:SY

Von Margret Hucko


Der Entwickler des i:SY-Rads kennt meine Nachbarin nicht. Martin Kuhlmeier kennt aber seine Kunden. Exakt sagte er mir einen Dialog voraus, den ich später zwischen Katrin, meiner Nachbarin, und ihrem Mann bezeugen durfte.

Sie, Anfang vierzig, sportlich: "Das Rad ist voll mein Ding."

Er, Anfang vierzig, sportlich: "Aber für Männer ist das nix."

Sie: "Die Farbe, das Reinorange, die kleinen Räder - das will ich auch."

Soviel vorweg: Am i:SY, einem kompakten E-Bike, von Hartje im niedersächsischen Hoya gefertigt, scheiden sich keine Ehen, sondern nur die Geister. Es spricht vor allem Frauen an, Männer offenbar weniger. Etwa 60 Prozent der Kunden seien weiblich, sagt Nora Rolfsmeier, zuständig für das Marketing von i:SY. Was Männer an dem Rad stört? Die Bereifung sei das Ausschlusskriterium, höre sie oft. Nicht etwa der Preis von 3099 Euro. Wer ein echter Kerl ist, fährt doch kein Kinderfahrrad mit 20-Zoll-Reifen, heißt es gerne.

Doch den Kritikern sei gesagt: Es kommt wirklich nicht auf die Größe an! Das i:SY fährt weder langsamer noch unkomfortabler als ein Fahrrad mit Standardbereifung. Im Gegenteil, die kleinen Reifen bringen viele Vorteile.

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i:SY DrivES 8ZR: Sogar beim Schieben hilft der Motor

Ein Beispiel ist die hervorragende Wendigkeit. Großstädter in Spanien oder Italien wissen das zu schätzen. Im Süden Europas erfreut sich die Universal-Reifengröße, die auch für Anhänger, Liege- oder Transporträder zum Einsatz kommt, größerer Beliebtheit als Hierzulande. Ein Blick auf die Balkone in Mailand oder Madrid würde reichen, um den Trend zum Kompaktrad sichtbar zu machen, meint Gunnar Fehlau vom Pressedienst-Fahrrad. Der mediterrane Bikeon - ein Balkon für Fahrräder - nimmt oftmals das deutsche Standardmaß von 28-Zoll nicht auf. Die sichere Unterbringung teurer E-Bikes stellt in Städten aber ein Problem dar.

Wo 20-Zoll-Reifen noch zum Einsatz kommen:

Der Markt für kompakte E-Bikes wächst kontinuierlich

Genau diese Widrigkeit könnte das E-Kompaktrad in den nächsten Jahren auch in Deutschland beflügeln. Florian Niklaus vom i:SY-Konkurrenten Winora sieht von Jahr zu Jahr einen steigenden Absatz solcher Räder. "Es ist zwar keine Explosion wie bei den E-Mountainbikes, aber eine kontinuierliche Entwicklung", sagt der Produktmanager. Hauptkäufer seien entweder Pendler, die ihr Fahrrad mit in die S-Bahn nehmen oder Fahrer von Campern und Wohnmobilen.

Das i:SY ist weniger flexibler als ein Faltrad, macht sich aber mit wenigen Griffen trotzdem schlank. Die Pedale lassen sich mit Hilfe eines Drück-Mechanismus anlegen, der Lenker lässt sich zur Seite wegklappen. Vielen reicht das schon. Wer sein Rad jedoch regelmäßig im ICE mitnehmen möchte, wird mit dem i:SY nicht glücklich werden. Es ist nicht so kompakt, um es in den Schnellzügen der älteren Generationen an Bord nehmen zu dürfen.

Für meine Nachbarin Katrin ist das zweitrangig. Sie saß noch nie auf einem E-Bike und ist erst einmal interessiert, wie sich das Rad überhaupt fährt. Der Lithium-Ionen-Akku (13,8 Ah/500 Wh) wird per Knopfdruck aktiviert. Entweder an der Batterie - oder direkt am zentralen Display. Purer Luxus, ein solches Maß an Bedienkomfort bieten selbst teure Räder eher selten. Alles Weitere funktioniert intuitiv. Aufsatteln, lostreten und per Schalter links neben dem zentralen Display eine der Fahrstufen von Eco bis Sport wählen. Katrin wählt Tour, eine mittlere Unterstützung und fährt ohne Probleme los. Die Trethilfe durch den Bosch-Mittelmotor, so berichtet sie später, sei deutlich spürbar gewesen. Ihre Freude darüber auch - ein breites Grinsen gehört bei Pedelec-Premieren meistens zum Standard.

Die Trethilfe verrichte ihre Arbeit nahezu lautlos. Das liegt womöglich am modernen Riemenantrieb, denn wo andere Fahrräder eine schmierige Kette besitzen, arbeitet beim neuen i:SY ein straffes Karbonband. Dieses besitzt viele Vorteile: Es kommt ohne Wartung aus, Nässe oder Kälte können ihm weniger anhaben. Dank besserer Kraftübertragung auf das Hinterrad sorgt der Riemen für schnelleres Fortkommen.

"Irgendwann werden auch Mountainbikes 20-Zoll haben"

Die Trittfrequenz lässt sich mit einer Acht-Gang-Shimano-Schaltung regeln, aufgrund der E-Unterstützung bis 25 km/h radelt man die meiste Zeit in den Gängen fünf bis acht. Nur ohne E-Unterstützung ist es keine Freude, mit dem i:SY zu fahren. Das ist vielleicht der größte Schwachpunkt, und er gilt derzeit für fast alle Pedelecs. Denn ein Gewicht (inklusive Akku) von mindestens 22,5 Kilo ist einfach zu hoch, um mit reiner Muskelkraft stressfrei voranzukommen.

Hätte Entwickler Martin Kuhlmeier mit so einem Schwergewicht sein erstes Radrennen absolviert - wer weiß, vielleicht hätte es das i:SY nicht gegeben. Als Zehnjähriger verabredete er sich mit Freunden zu einem Sprint im Wald. Kuhlmeier baute sich eigens dafür ein 20-Zoll-Rad - mit Rücktritt, ohne Bremse, nur ein Gang. "Ich hab mich als Erster ins Ziel gerettet", erzählt er heute. Seither überzeugt ihn das Fahrradmaß. "Irgendwann werden auch Mountainbikes 20-Zoll haben", sagt der i:SY Entwickler. Und wenn nicht, baut er vielleicht einfach selber eins.

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insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
ramskamp 29.08.2017
1. 20 Zoll reichen
um auf dem Campingplatz morgens die Brötchen zu holen.
werner-xyz 29.08.2017
2. Na ja
selbst noch nicht ausprobiert, aber nach fast 40 Jahren auf dem Fahrrad ist mir das Konzept "one size fits all" bei Fahrrädern eher suspekt. Aber mit meinen 1,93m und langen Beinen (aktuell 61er Rahmenhöhe bei 28") bin ich vielleicht auch nicht die Zielgruppe für das Rad. Könnte aber natürlich auch der Grund sein, warum viele andere Männer auch kein Interesse an dem Rad haben. Und der Name, na ja Hauptsache irgendwas komisches mit nem i drin. Auch die Webseite glänzt nicht gerade mit technischen Details. Wirkt alles irgendwie so: "Wir sind cool und hip und Ihr müsst das unbedingt kaufen. Ob es was taugt ist ja Nebensache." Aber vielleicht bin ich zu sehr Techniker um Hip zu sein.
mr.pixel 29.08.2017
3. 20 Zoll Mountainbine
kann man bauen, aber sehr viel Spaß auf dem Trail hat man damit wahrscheinlich nicht.
anton_ansichtsbuch 29.08.2017
4. In der Falle
Willkommen in einer neuen Abhängigkeit von Batterien, Elektrofachbetrieben und Kleinkrediten. Mit Radfahren hat das nichts mehr zu tun. 'Caveat emptor!' Mit einem leichten Rad fahren alle leichter, und 10 kg lassen sich auch mal die Treppe hochtragen. Gebraucht ist man ab 50 Euro dabei, wenn man Glück und nette Verkäuferinnen hat.
tickersieben 29.08.2017
5. Vermeintlich "klein"........
....aber nur vermeintlich. In Wahrheit bedeuten 20 Zoll absolut keinen Nachteil. Erst recht nicht, wenn - wie bei dem vergleichbaren RAd der Marke Riese&Müller - man vollgefedert fährt. Vielleicht hilft aber auch ein Blick auf Rennmotorräder: Diese fahren ausnahmslos auf "kleinen" Laufrädern, warum wohl............. Und wenn es selten genug mal notwendig wird: Kofferraum des Golf (z.B.) auf, Rad rein, Kofferraum wieder zu.
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