Edelbronxl' Zündkatzen Zwei Takte zu Frauen und Mofas

Ihre Liebe gilt Zweitaktmotoren mit 1,5 PS: Die Edelbronxl' Zündkatzen sind die erste rein weibliche Mofa-Gang Deutschlands. Über den Reiz von Jeanskutten und 40 Jahre alten Zündapps.

Fabian Hoberg

Von Fabian Hoberg


Früher fand Jule Backenstraß Mofas "uncool und spießig". Heute trägt die 25-Jährige eine Jeanskutte, auf der das Vereinswappen der Edelbronx'l Zündkatzen genäht ist: Eine Mofa-Gang für Frauen, die erste dieser Art in Deutschland. Backenstraß ist die Präsidentin.

Backenstraß hat violett gefärbtes Haar, ihr Zündapp-Mofa ist blau, und wenn sie damit Gas gibt, kommt weißer Rauch aus dem Auspuff. "Räng-täng-täng" macht die Zündapp. "Wie konnte ich die ganzen Jahre nur ohne Mofa überhaupt leben?", fragt sich die gelernte Köchin.

2009 entdeckte sie ihre Liebe zum Mofa. Zuerst war da eine andere Liebe, nämlich zu ihrem Freund, einem Mitglied der Edelbronx'l. So nennt sich eine Gruppe von Männern aus Hauenstein in der Südpfalz, die in ihrer Freizeit an US-Oldtimern schrauben und jährlich ein Mofa-Rennen auf einem Acker veranstalten. Die Rennen sollten keine Herrenveranstaltung bleiben, weibliche Fahrerinnen wurden gesucht. "Ich habe spontan zugesagt", sagt Backenstraß. Obwohl sie bis dahin noch nie auf einem Mofa saß.

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Edelbronxl' Zündkatzen: Aufsatteln und abknattern

Vor dem Start war sie nervös, nach dem Rennen wollte sie gar nicht mehr absteigen. "Ich fand das Fahren mit dem Mofa so unglaublich lustig. Es wackelt, es knattert und du spürst plötzlich jeden Stein unter deinen Reifen und den Wind um dein Näschen". Gleich am nächsten Tag suchte sie nach einem eigenen Mofa. Von der Technik hatte sie keine Ahnung, "mir war anfangs nur das Aussehen wichtig. Am besten gefielen mir die alten Modelle." Es wurde dann eine Zündapp 442 von 1974.

"Mit Jungs wäre es nur halb so witzig"

Mit ihrer Begeisterung steckte sie ihre Freundinnen an, zu viert starteten sie bei weiteren Rennen. Bei der Klubgründung im Jahr 2013 waren sie zu sechst. Zugelassen sind bei den Zündkatzen nur Frauen, "weil es so etwas vorher nicht gab", sagt Backenstraß. "Außerdem wäre es mit Jungs nur halb so witzig. Die sind oft sehr ehrgeizig und verbinden mit dem Wort 'Fahrspaß' sofort Geschwindigkeit. Wir eben nicht. Außerdem genießen wir es, einfach nur Mädels zu sein, die ein verrücktes Hobby teilen und dabei auch mal ganz klischeehaft über Schuhe, Shopping und Frauenkram zu quasseln."

Zur Gang gehören unter anderem Katrin Graf, die eine Puch Maxi fährt, und Mona Dech, unterwegs auf einer Hercules Prima 4. Fragt man sie, was sie an ihren Mofas lieben, erzählen sie von dem Geräusch, wenn der Motor anspringt und vom Geruch des Benzin-Öl-Gemischs. Mittlerweile erkennen sie ihre Mofas schon aus der Ferne am Klang.

Sie erzählen aber auch davon, dass die Maschinen ihnen eine Entspannung zum hektischen Alltag bieten. "Mofas sind retro und analog", sagt Katrin Graf. "Das ist wie Schallplatten hören, danach mag man dann keine MP3s mehr".

Die Puch Maxi S von Katrin Graf
Fabian Hoberg

Die Puch Maxi S von Katrin Graf

Neben der Puch Maxi S von 1979 besitzt Graf noch eine Simson S51 und eine Zündapp Bergsteiger. Wie zuverlässig sind die Oldies? "Bei Ausfahrten denke ich immer: Wer holt mich ab, wenn die Kiste verreckt?", sagt Backenstraß. Doch ihre Zündapp läuft heute immer noch. Man könnte aber auch sagen: Sie läuft heute immer noch nicht perfekt. Denn die Zündkerzen verölen schnell und der Auspuff verrußt oft. Dafür gibt es aber billige Ersatzteile. "Mofa-Fahren ist ja nur ein Hobby, das sollte möglichst günstig sein."

Reparaturen erledigen die Zündkatzen oft selbst. "Auf die Hilfe der Jungs können wir meist verzichten, wir haben aber auch kein Problem damit, sie mal zu fragen", sagt Mona Dech, die als Modedesignerin arbeitet. Neben der Technik spielt bei der Gang auch die Kleidung eine wichtige Rolle. Bei Ausfahrten tragen die Zündkatzen stets ihre Kutte, bestickt mit Logos und dem jeweiligen Namen. "Damit jeder weiß, wer auf der Maschine sitzt. Außerdem verbreitet das Angst und Schrecken", sagt Backenstraß und grinst dabei. Wenn sie auf Tour ist, hat sie einen Patronengürtel mit Zündkerzen um die Hüfte geschnallt.

Bei gemeinsamen Ausfahrten der Zündkatzen gehört die Kutte zm Dresscode
Fabian Hoberg

Bei gemeinsamen Ausfahrten der Zündkatzen gehört die Kutte zm Dresscode

Mit den Maschinen zuckeln die Zündkatzen im Sommer durch die Region und fahren übers Wochenende auch mal zu Mofa-Treffen wie dem Ötztal Alpenmarathon Mofa oder dem Red Bull Alpenbrevet. Dort treffen sie Gleichgesinnte, quatschen über ihre Zweitakter, das richtige Benzin-Öl-Gemisch und die aktuelle Ersatzteillage. "Aber eigentlich fahren wir dahin, um nette Leute zu treffen und Party zu machen", sagt Backenstraß. "Die meisten Mofa-Klubs nehmen sich genauso wenig ernst wie wir."

Woran man das ganz gut merkt: Wo viele Mofa-Fahrer sofort den Motor frisieren, sobald sie sich eine Maschine zugelegt haben, können die Zündkatzen ganz gut mit den 25 km/h Höchstgeschwindigkeit leben. "Wir knattern fröhlich vor uns her und wollen unter keinen Umständen irgendetwas an unseren Mofas pimpen oder tunen", sagt Backenstraß. "Außerdem", ergänzt Katrin Graf, "gibt es bei uns viele Kontrollen."

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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
lupenreinerdemokrat 27.05.2017
1.
Herrje Mädels! Mofas und Jeanskutten? Das war mal vor über 40 Jahren! ;-) Aber nichtsdestotrotz: schick seht ihr aus! Nur mit den Zweitaktern..... das dürfte Empörung bei den grünen Miesepetern hervorrufen, also besser auf E-Bike umsteigen, hehehe
adrianhb 27.05.2017
2.
als Fahrradfahrer biste von sowas immer begeistert ...
denkdochmal 27.05.2017
3. Auf diese liebenswürdige Gang...
paßt prima das Lied von Martina Schwarzmann mit dem Lied "I mecht"... in dem sie u.a. beschreibt, daß sie nur zu gern in selbst gestrickter Kutte und dem Mofa zum Bikertreffen fahren mecht (möchte) .. ;-) Fiiiel Schpaß!
Leser222 27.05.2017
4. Sandkastenrocker von der Förmchenbande
Gut gefallen mir die gewaschenen und gebügelten Kutten, zusammen mit dem "Shopperlenker" (SIC!) eine schöne Kombination.
Flying Rain 27.05.2017
5. Nachdem
Nachdem ich mit 15-17 bei 25km/h rumgetuckert bin werde ich nie mehr ein so gefährlich langsames Gefährt fahren. Dann lieber eine Max oder Superfox.
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