El Tiburon Roadster Hai Way

Ein Hai auf Rädern: Die Automobilgeschichte ist voll von fantastischen Studien, die erst begeisterten und dann verschwanden. Dieses Mal: das aerodynamische Fiberglas-Wunder El Tiburon.

Geoff Hacker

Von Jürgen Pander


Es ist flach, glatt, geschmeidig - und nur an den vier Rädern, auf denen es steht, erkennt man, dass es sich um ein Auto handelt. Viel mehr als ein Pkw ist der El Tiburon (spanisch: der Hai) Roadster aus dem Jahr 1962 ein aerodynamisches Experiment. Der US-amerikanische Industriedesigner Henry Covington aus St. Petersburg in Florida fertigte Anfang der Sechzigerjahre ein Coupé (1961) und einen Roadster (1962) - eben das Modell El Tiburon - aus Fiberglas. Es ging Covington um Leichtbau, Eleganz und eine möglichst perfekte Aerodynamik, unter anderem durch einen vollkommen glatten Unterboden.

Ursprünglich sollte die Karosserie, die durchaus Ähnlichkeiten mit einem Fischkörper hat, auf dem Fahrgestell eines Porsche 356 befestigt werden. Tatsächlich jedoch wählte Covington einen Renault 4CV-Chassis. Das Basisfahrzeug musste nämlich ein möglichst kompaktes Heckmotorfahrzeug sein, denn unter die extrem flache Frontpartie der Fiberglas-Karosserie hätte kein Motor gepasst. Und mit einem Radstand von kaum 2,10 Meter sollte der El Tiburon ein kleines, schlankes, schnittiges Auto sein; ein Zwerg geradezu angesichts der Schlitten, die zu dieser Zeit auf den Highways der USA unterwegs waren.

Covington hoffte damals vermutlich auf eine Kleinserienproduktion des aufsehenerregenden Autos, das beispielsweise Titelthema des Magazins "Mechanix Illustrated" war, doch er starb, noch keine 40 Jahre alt, im Mai 1962. Eine Handvoll Fahrzeuge wurde zwar tatsächlich gebaut, doch dann schlief die Produktion ein. 1966 feierte das US-Automagazin "Road & Track" den El Tiburon als "the most streamlined car in the world", das windschnittigste Auto der Welt, doch auch danach geriet das außergewöhnliche Gefährt wieder in Vergessenheit.

Bis Geoff Hacker, ein damals 18 Jahre alter Autofan, im Jahr 1980 den schon ziemlich mitgenommenen Fiberglas-Prototypen kaufte, instand setzte und damit in Florida umher kurvte. Erst nach und nach interessierte sich Hacker, der heute die Webseite "Forgotten Fiberglas" betreibt, für die Geschichte des Autos. Er kaufte über die Jahre alle drei der noch vorhandenen El Tiburon Modelle von Covington auf und unterzog den Roadster vor ein paar Jahren einer Total-Restauration.

Radikal aerodynamische Formgebung

Auf dem Concours d'Elegance in Amelia Island 2013 dann hatte das extreme Auto im neuen Glanz den ersten Auftritt. Hacker hatte, um den Fahrspaß zu erhöhen, einen stärkeren Renault-Motor (R10) im Heck eingebaut und dazu das passende Viergang-Schaltgetriebe. In der Kategorie "Was haben die sich bloß dabei gedacht?", in der skurrile Auto-Unikate aller Art bei der Auto-Schönheitskonkurrenz antreten, war der El Tiburon Roadster der unumstrittene Star.

Ob das ebenso elegante wie konsequente Design aus Florida Einflüsse auf die Autowelt hatte? Eventuell haben die Kreativen der italienischen Designfirmen Bertone oder Zagato Bilder des Wagens gesehen, vielleicht auch einige Designer bei Sportwagenherstellern. Doch in seiner Radikalität ist der El Tiburon bis heute einzigartig geblieben.



insgesamt 10 Beiträge
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provocator 12.04.2016
1. Cooles Auto!
Ledersessel, Wurzelholz & Sechszylinder rein, Verdeck oder Hardtop drauf, dann wär er perfekt.
Brillenschlumpf 12.04.2016
2. Seifenkiste oder watt?
Dachte ja erst, das wäre ein Auto. Aber da es gerade bis zum Knie geht, ist es wohl eher eine aufgemotzte Seifenkiste. So einem Rollsarg wird hoffentlich bald die Zulassung entzogen. PS: Audi TT, das war noch Design...
berndschlüter 12.04.2016
3. Als Elektroauto würde der Motor auch vorne passen
Als Tretomobil würde es allerdings für mehr Aufsehen sorgen, als würdiger Nachfolger des Twike. Beide sind aerodynamisch gleich unökonomisch. Technisch, nicht künstlerisch gesehen.
Mertrager 12.04.2016
4. Design
Nicht alltagtauglich, aber schön anzuschauen. Hinweis für den Brillenschlumpf, Sehen Sie es wie beim Trabi: "Schicken vorab ein Modell". Man hätte mit einer "Baureihen"-Adaption ein größeres Modell bauen können. Nach meiner Beurteilung wären die technischen Probleme dabei großteils sogar geringer geworden.
Airkraft 12.04.2016
5. Wenn schon, sieht...
Wenn schon, sieht das Ding sieht eher einem Manta ähnlich und nicht einem Hai.
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