Die Erwartungen
Ich fahre wenig Auto und finde es in der Stadt auch eher unsinnig - ob mit Strom oder Benzin, Frittenfett oder Koks ist da egal. Die Energie für Stromautos muss ja irgendwo herkommen, und wenn die aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird, wo ist dann der Klimavorteil?
Darum bin ich ein Freund von ÖPNV und Fahrrad. Die Testfahrt wollte ich aus Neugier machen: Zieht ein E-Auto auf der Autobahn wie ein Benziner oder Diesel? Wie gucken Passanten, wenn sie nichts von dem Auto hören und wie ist das Fahrgefühl ohne Motorvibration?
Das begeistert
Der Ampera hat im Strombetrieb echt Wumms, und das geräuschlose Anfahren sorgte bei mir und bei den Beifahrern für "Oh" und "Ah". Als der Saft dann alle war, ging der Wagen völlig unmerklich in den Generatorbetrieb über - ich hatte vorher etwas Sorge, dass man plötzlich auf der A7 kurz hinter Hamburg-Schnelsen auf der linke Spur fährt und langsamer wird.
Lustig fand ich die Rückfahrkamera. Etwas skurril, sich die Sicht nach hinten auf einem Bildschirm anzeigen zu lassen. Das ist allerdings auch dringend nötig, weil der Ampera ziemlich verbaut ist, und man nach hinten raus wenig sieht. Das ist auch einer der Kritikpunkte. Außerdem bin ich selten in nagelneuen Autos unterwegs, das Interieur ist , verglichen mit meinem alten Golf, schon recht luxuriös.
Das nervt
Die Stromreichweite von maximal 40 Kilometern ist bei acht bis zehn Stunden Ladezeit jämmerlich. Ich vermute, das liegt auch an der bombastischen Ausstattung und der Größe des Autos. Ein Kilometer ging bestimmt für die monströsen Außenspiegel drauf. Der Kofferraum erschien mir klein, liegt das an der dicken Batterie? Die Knöpfe für die Lüftung und Musik waren schwer zu finden. Außerdem regelt die Elektronik bei einer Höchstgeschwindigkeit von 161 Stundenkilometern ab. Warum?
Die etwas albern animierten Displays haben zwar meiner Freundin ein "Ui, wie bei Knight Rider" entlockt, aber reden kann man mit dem Ampera trotzdem nicht. In ruhigen Seitenstraßen haben wir bemerkt, dass die Leute nicht so genau gucken, weil man draußen bei langsamer Fahrt wohl wenig von dem E-Auto hört. Da waren ein paar Schrecksekunden für Fußgänger und Insassen dabei. Die lustige Extra-Hupe zum Passanten erschrecken habe ich leider erst am Ende der Testfahrt entdeckt.
Fahrstrecke
Wie weit ich gefahren bin, weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall habe ich den Range Extender benötigt. Der ging nahezu lautlos an und das Auto war dann immer noch genauso gut zu fahren. Auch im Motorbetrieb war der Ampera als moderne Limousine im Innenraum flüsterleise.
Kaufbereitschaft
Da ich bisher keine Steckdose vor dem Haus habe und beim Abseilen eines Verlängerungskabels aus dem fünften Stock Angst vor Kabeldieben hätte, würde ich mir momentan kein Elektroauto kaufen. Wenn so ein Gefährt 120 Kilometer im Strombetrieb schaffen würde und der Wagen billiger wäre, dann vielleicht. Aber wie bereits ganz zu Anfang geschrieben: In der Stadt ist die beste Autofahrt meist einfach keine Autofahrt.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fahrkultur | RSS |
| alles zum Thema Elektroautos | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH