Elektroauto-Tagebuch: Da staunen sogar Sportwagenfahrer

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Opel Ampera: Leiser Fahrspaß und die Frage nach der Ökobilanz

8. Teil: Test 1: Zieht ein E-Auto wie ein Benziner? Tester: SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Christoph Titz

Die Erwartungen

Ich fahre wenig Auto und finde es in der Stadt auch eher unsinnig - ob mit Strom oder Benzin, Frittenfett oder Koks ist da egal. Die Energie für Stromautos muss ja irgendwo herkommen, und wenn die aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird, wo ist dann der Klimavorteil?

Darum bin ich ein Freund von ÖPNV und Fahrrad. Die Testfahrt wollte ich aus Neugier machen: Zieht ein E-Auto auf der Autobahn wie ein Benziner oder Diesel? Wie gucken Passanten, wenn sie nichts von dem Auto hören und wie ist das Fahrgefühl ohne Motorvibration?

Das begeistert

Der Ampera hat im Strombetrieb echt Wumms, und das geräuschlose Anfahren sorgte bei mir und bei den Beifahrern für "Oh" und "Ah". Als der Saft dann alle war, ging der Wagen völlig unmerklich in den Generatorbetrieb über - ich hatte vorher etwas Sorge, dass man plötzlich auf der A7 kurz hinter Hamburg-Schnelsen auf der linke Spur fährt und langsamer wird.

Lustig fand ich die Rückfahrkamera. Etwas skurril, sich die Sicht nach hinten auf einem Bildschirm anzeigen zu lassen. Das ist allerdings auch dringend nötig, weil der Ampera ziemlich verbaut ist, und man nach hinten raus wenig sieht. Das ist auch einer der Kritikpunkte. Außerdem bin ich selten in nagelneuen Autos unterwegs, das Interieur ist , verglichen mit meinem alten Golf, schon recht luxuriös.

Das nervt

Die Stromreichweite von maximal 40 Kilometern ist bei acht bis zehn Stunden Ladezeit jämmerlich. Ich vermute, das liegt auch an der bombastischen Ausstattung und der Größe des Autos. Ein Kilometer ging bestimmt für die monströsen Außenspiegel drauf. Der Kofferraum erschien mir klein, liegt das an der dicken Batterie? Die Knöpfe für die Lüftung und Musik waren schwer zu finden. Außerdem regelt die Elektronik bei einer Höchstgeschwindigkeit von 161 Stundenkilometern ab. Warum?

Die etwas albern animierten Displays haben zwar meiner Freundin ein "Ui, wie bei Knight Rider" entlockt, aber reden kann man mit dem Ampera trotzdem nicht. In ruhigen Seitenstraßen haben wir bemerkt, dass die Leute nicht so genau gucken, weil man draußen bei langsamer Fahrt wohl wenig von dem E-Auto hört. Da waren ein paar Schrecksekunden für Fußgänger und Insassen dabei. Die lustige Extra-Hupe zum Passanten erschrecken habe ich leider erst am Ende der Testfahrt entdeckt.

Fahrstrecke

Wie weit ich gefahren bin, weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall habe ich den Range Extender benötigt. Der ging nahezu lautlos an und das Auto war dann immer noch genauso gut zu fahren. Auch im Motorbetrieb war der Ampera als moderne Limousine im Innenraum flüsterleise.

Kaufbereitschaft

Da ich bisher keine Steckdose vor dem Haus habe und beim Abseilen eines Verlängerungskabels aus dem fünften Stock Angst vor Kabeldieben hätte, würde ich mir momentan kein Elektroauto kaufen. Wenn so ein Gefährt 120 Kilometer im Strombetrieb schaffen würde und der Wagen billiger wäre, dann vielleicht. Aber wie bereits ganz zu Anfang geschrieben: In der Stadt ist die beste Autofahrt meist einfach keine Autofahrt.

Zum Autor
  • Christoph Titz ist stellvertretender Ressortleiter des UniSPIEGEL und des SchulSPIEGEL bei SPIEGEL ONLINE und fährt privat einen 15 Jahre alten Golf III Family in leicht ausgeblichenem Rot.

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insgesamt 355 Beiträge
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1. Fehleinschätzung
ditor 20.02.2012
Zitat von sysopAngst! So kann man das Gefühl vieler Menschen Elektroautos gegenüber zusammenfassen.
Das ist eine absolute Fehleinschätzung. Mir ist noch niemand begegnet der vor Elektroautos Angst gehabt hätte. Bedenken dass der Tank zu klein ist gibt es auch bei anderen Mobilen - aber Angst? Was der Autor wohl meint ist Interesse- das zeigt man nämlich hierzulande auch dadurch dass man kritisch hinterfragt.
2. Sehr repräsentativ
rennflosse 20.02.2012
Jemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
3. Hat sein Fahrrad keine Rückfahrkamera
Litajao 20.02.2012
Zitat von rennflosseJemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
Aus welchem Jahrhundert hat denn dieser "Tester" diesen Test geschrieben. Und eine Rückfahrcamera mit einem Elektromobil in Verbindung zu bringen, ist wohl das Blödeste, was ich schon lange gehört habe. Wäre es nicht besser, diesen Tester für Fahrräder einzusetzen, aber bitte keine Elektrofahrräder, geht wohl über seinen Horizont!!
4. Unverständnis
sweetums 20.02.2012
Ich kann bis heute nicht verstehen, warum es noch keine E-Autos für den Massenmarkt gibt. Hätte unsere Regierung mal die Abwrackprämie für den Aufbau eines vernünftigen Tankstellennetzes ausgegeben. Jederzeit wäre ich bereit mir ein E-Auto vor die Tür zu stellen. Aber bitte keine Spielzeugautos wie von Renault. Ich habe zwei Kinder und die sollten schon reinpassen. Aber wenn wir es in Deutschland nicht schaffen, bald kommen die Chinesen und machen uns dann vor, wie es geht.
5. Wieso...
cor 20.02.2012
...testet ein ÖPNV-Verfechter bzw. Radfahrer ein Elektromobil? Sollte das nicht der Besitzer eines Autos mit Verbrennungsmotor machen? Ist das nicht die Zielkundschaft? ...wird der Ampera als Elektromobil bezeichnet, obwohl es ein Hybrid ist? ...soll es einen Zusammenhang zwischen einer Rückfahrkamera und einem Elektromobil geben? ...wieso sind die letzten 10 Jahre der Automobilentwicklung eigentlich so völlig spurlos an Herrn Titz vorbeigegangen? ...ist dieser Artikel nur so unheimlich sinnbefreit?
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