Erlkönig-Fotografin Brenda Priddy Albtraum der Autobauer

Testfahrer streckten ihr den Hintern entgegen und überfuhren fast ihren Sohn: Brenda Priddy lauert seit mehr als 20 Jahren geheimen Modellen der Autohersteller auf. Sie ist die berühmteste Erlkönig-Jägerin der Welt.

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Brenda Priddy

Am Arbeitsplatz von Brenda Priddy herrscht morgens um sieben Uhr 40 Grad Hitze. Vier Monate im Jahr verbringt die 54 Jahre alte US-Amerikanerin im Death Valley, dem Tal des Todes in der Mojave-Wüste. Damals, als sie noch Buchhalterin war, mag ihre Umgebung etwas freundlicher gewesen sein. Aber in ihrem alten Job hätte sie es garantiert nicht zu soviel Ruhm gebracht.

Brenda Priddy ist Fotografin, und in ihrer speziellen Disziplin gilt sie als die beste der Welt: Sie macht Jagd auf Erlkönige - geheime Prototypen der Autohersteller. Die meiste Beute macht sie im Death Valley.

Ihre Fotos erscheinen in Magazinen, Zeitungen und auf Internetseiten aus aller Welt, für ihre Ausdauer ist sie in der überschaubaren Szene der Erlkönig-Fotografen berühmt und bei Autobauern berüchtigt. Dass sie in den USA geradezu Kultstatus genießt und von den Autofans geliebt wird, hat einen Grund: Sie kriegt sie alle. "Es gibt kaum ein neues Auto, das mir nicht vor die Linse gefahren ist", sagt Priddy.

"Vom Jagdfieber gepackt"

Ihren Karriere startete eher durch Zufall, aber mit einem Paukenschlag. 1992 entdeckte sie vor dem Supermarkt ihres Heimatortes ein paar getarnte Fahrzeuge. Mit Autos hatte sie damals nicht viel zu tun, aber ihr Mann war ein echter Car-Guy. Ihm zuliebe flitzte sie nach Hause, holte ihre Kamera und drückte ab. Der Gatte freute sich über die Aufnahmen und die Redakteure des Magazins "Automobile", denen die Priddys die Bilder anboten, erst recht: Sie nahmen die Fotos auf das Cover der nächsten Ausgabe. Brenda Priddy hatte vor dem Supermarkt den neuen Ford Mustang abgelichtet - zwei Jahre, bevor er offiziell vorgestellt wurde.

Damals, sagt sie, "wurde ich vom Jagdfieber gepackt". Seit diesem Tag geht sie nicht mehr ohne Kamera aus dem Haus.

Rund um Phoenix gibt es mehrere Testcenter von Autoherstellern, Priddy kann vom Küchentisch aus immer mal wieder ein paar getarnte Fahrzeuge sehen. "Die wirklich spannenden Dinge passieren jedoch im Death Valley", sagt sie. Nach mehr als zwei Jahrzehnten dort weiß sie sich vor Schlangen und Skorpionen zu schützen und kennt vor allem die Hot Spots: die abgeschiedenen Werkstätten, Tankstellen, Servicestationen und Routen der Autohersteller.

Gruß mit nacktem Hintern

Ihr Verhältnis zu den Ingenieuren und Testfahrern ist kompliziert. Wenn sie abends in den wenigen Bars der Gegend - etwa dem Sourdough-Saloon - am Tresen stehen, sind sie Kumpel, trinken gemeinsam Bier und knüpfen Kontakte, die über viele Jahre und viele tausend Kilometer bis nach Deutschland oder Korea halten. "Aber kaum sitzen sie im Auto, wird das Verhältnis sehr, sehr distanziert", sagt Priddy. Und das ist eine höfliche Umschreibung für eine zum Teil offene Feindschaft.

Immer wieder werde ihr die Kamera weggenommen, erzählt Priddy, sie werde bedrängt und bedroht und einmal hätte ein Testfahrer um ein Haar ihren Sohn über den Haufen gefahren, als dieser mit der Videokamera einen Prototypen aus Deutschland im Visier behielt. Dass ihr französische Testfahrer mal den nackten Hintern entgegen gestreckt haben, war dagegen fast schon ein Spaß.

Sie berichtet aber auch von vielen angenehme Erlebnisse mit den Ingenieuren: Mal steckt plötzlich ein freundlicher Gruß oder sogar der Dienstplan einer Testcrew in der Fototasche. Mal schrieben die Tester "Hello Brenda" auf die Rückseite der Sonnenblende, so dass der Gruß auf dem späteren Foto gut zu lesen war. Und auf ihrer Facebook-Seite zeigt Priddy das Bild eines Hyundai aus dem Begleittross einer Testmannschaft, der ebenfalls speziell für sie beklebt wurde.

Priddy liebt ihre Arbeit, aber zuletzt sei der Job immer schwieriger geworden. Sie ärgert sich über die offiziellen Erlkönig-Bilder, die von den Herstellern zunehmend zu Marketingzwecken verbreitet werden. "Wenn die meine Arbeit mitmachen und die Fotos selbst verteilen, kann ich bald einpacken."

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Eberschmidt 22.10.2014
1.
"Testfahrer streckten ihr den intern entgegen" was denn streckten sie ihr intern entgegen? und was extern?
dwbrook 22.10.2014
2.
Zitat von Eberschmidt"Testfahrer streckten ihr den intern entgegen" was denn streckten sie ihr intern entgegen? und was extern?
Das waren französische Testfahrer. Die aben doch Schwierigkeiten mit dem a ... also war das deren intern. Ansonsten schätze ich die Arbeit von Frau Priddy und habe auch selbst inzwischen eine ansehnliche Sammlung von selbst geschossenen Bildern und Fotos von Erlkönigen.
philip2412 22.10.2014
3.
Daß das auf Bild 1 ein "Tarnmuster" sein soll,bezweifle ich aber ein bißchen.Die Frage istüberhaupt,ob ein nicht getarnter Erlkünig am wenigsten auffallen würde.Die meisten sind doch gar nicht in der Lage ein neues Auto zu erkennen.
fehlerteufelchen 22.10.2014
4. das tarnmuster
sind angeklebte fäden, die die luftströmung anzeigen. respekt, herr grünweg.
dutchinnz 22.10.2014
5. Das Auto in Foto 1
hat kein Tarnmuster, sondern ist mit Luftströmungsfäden beklebt. Das eine Auto-Redaktion diese Dinge nicht kennt, sagt wohl alles über die fachmännische Qualität der Redakteure, zumal dass dies nur einer von ihren vielen Fehlschüssen ist.
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