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Fotokunst von Fabian Oefner: Zerplatzte Traumwagen

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Fabian Oefner

Ein Mercedes 300 SLR, ein Ferrari 330 P4, ein Jaguar E-Type: Der Fotograf Fabian Oefner lässt legendäre Oldtimer in die Luft fliegen - ohne dass dabei ein Schräubchen zu Schaden kommt.

So sieht es also aus, wenn ein Jaguar E-Type explodiert: die Felgen, der Kühlergrill, die Türen und jede Menge winzige Schräubchen fliegen nach allen Seiten davon. Auf dem Foto ist jedes dieser Teile genau zu sehen. Aber irgendwas fehlt… genau: die Explosion. Keine Stichflamme, nirgends auch nur ein Rauchwölkchen. Es scheint so, als ob sich das Auto mit voller Wucht selbst auflöst.

Die Momentaufnahme stammt von dem Fotografen Fabian Oefner. "Dieser Moment ist künstlich kreiert", sagt er, "ich erfinde sozusagen Zeit." Aber um Zeit zu erfinden, braucht man genau davon erst einmal jede Menge. Für seine Bilder musste der 29-Jährige tief in die Trickkiste greifen.

Oefner hat nicht nur den E-Type in die Luft fliegen lassen. Ein Mercedes 300 SLR Uhlenhaut Coupé sieht auf seinem Foto so aus, als ob sich in einer Linkskurve sämtliche Schrauben gleichzeitig lösen, die Flügeltüren wegflattern und die Fliehkräfte alle Karosserieteile und den Motor wegtragen. Und einen Ferrari 330 P4 lässt er zerbersten, als hätten sich dessen 450 PS nicht mit voller Kraft auf die Straße, sondern gegen das Heck gestemmt.

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Fotokunst von Fabian Oefner: Die zerplatzten Traumwagen
Bei den drei Traumautos handelt es sich um Modellfahrzeuge im Maßstab 1:18, die jeweils bis zu 400 Euro kosten. Der Grund, warum der Schweizer sich gerade für den Ferrari, den Mercedes und den Jaguar entschied, ist einfach: "Sie sind für mich die schönsten Autos, die je gebaut wurden."

Eigentlich gilt das auch für den Aston Martin DB5, aber in diesem Fall verlief seine Suche nach einem detaillierten Modell vergeblich. Oefner kam es nämlich darauf an, die Wagen in so viele Einzelteile wie möglich zerlegen zu können. Zuvor hatte er sich eine Skizze angefertigt, wie die Explosion genau aussehen soll. Dann begann der aufwendigste Teil der Arbeit.

Vor einer kleinen Leinwand fotografierte er jedes einzelne Teil - und zwar exakt in der Position, in der es auf dem fertigen Bild zu sehen sein würde. Dazu platzierte er die Schrauben, Motorhauben oder Stoßstangen auf kleinen Styroporplatten oder klebte sie auf Nadelspitzen, um sie auf die entsprechende Höhe zu bringen. Als Orientierungspunkte, an denen er die Teile ausrichtete, dienten ihm die Räder.

Pro Auto arrangierte er auf diese Weise zwischen 300 und 400 winzige Teile - jeweils so penibel, dass das Licht im gewünschten Winkel darauf fällt. Um wirklich das richtige Bild zu finden, fotografierte er sie in zig verschiedenen Perspektiven.

"Schlussendlich hatte ich für jedes Auto etwa 2000 Aufnahmen", sagt Oefner. Die gelungensten davon schnitt er am Computer passend zu, perfektionierte sie mit einem Bildbearbeitungsprogramm - und komponierte daraus schließlich ein einzelnes Foto.

Mit dem ersten Ergebnis war er allerdings unzufrieden. "Ich legte mit dem Mercedes los und fand das fertige Bild viel zu statisch", sagt Oefner. "Erst als ich alles so anordnete, als ob Fliehkräfte den Wagen nach rechts ziehen, wirkte es richtig dynamisch." Die Illusion war perfekt: Oefner hatte nach stundenlanger Arbeit einen Augenblick Zeit erfunden. Seine Werke bezeichnet er als die "langsamsten Hochgeschwindigkeitsbilder, die jemals erfasst wurden".

Betrachtet er die Bilder jetzt, so Oefner, findet er sie in einer Hinsicht trotzdem noch verbesserungswürdig. "Ich würde sie gerne komplexer machen", sagt er. Denn seine Modellautos sind zwar detailliert, aber, besonders was den Motor angeht, immer noch stark vereinfacht. Der 29-Jährige möchte am liebsten jedes Zylinderventil einzeln durch die Luft fliegen lassen - und er hat schon eine Idee, wie das klappen könnte: Nämlich mit richtigen Fahrzeugen. "Technisch wäre das machbar", sagt Oefner, "man bräuchte nur ein größeres Studio."

Bis ein Auftraggeber ihm dazu die passende Möglichkeit bietet, arbeitet der Fotograf an einem anderen Auto-Projekt - allerdings rein privat. In seiner Freizeit restauriert er einen Volvo P 1800. "Nächstes Jahr soll er fertig sein", sagt Fabian Oefner. Bisher war er einfach zu sehr damit beschäftigt, Traumautos explodieren zu lassen, statt welche zusammenzubauen.


"Disintegrating by Fabian Oefner". M.A.D. Gallery, Genf. Bis Mai 2014

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