Extrem-Geländewagen von Icon Motors: Alte Schale, neuer Kern

Aus Los Angeles berichtet Tom Grünweg

Eigentlich wollte Jonathan Ward nur ein paar Oldtimer restaurieren, um eine Wette zu gewinnen. Jetzt jedoch baut der Mann den wohl schärfsten Geländewagen der Welt. Das Ding sieht aus wie ein Toyota FJ von 1960, unter der alten Blechhaut aber steckt neueste Technik.

Icon Motors: Hightech in alter Verpackung Fotos

Toyota FJ, Willys Jeep, Ford Bronco - an diese klassischen Geländewagen hat Jonathan Ward sein Herz verloren. "Die Autos sind so ähnlich wie Flip-Flops - einfach, unverwüstlich und saumäßig bequem", sagt der Mittvierziger aus Los Angeles. Mit der antiquierten Technik der Klassiker steht der ehemalige Schauspieler allerdings auf Kriegsfuß. Nach seinem Abschied vom Set und Theater verdiente er zwar sein Geld mit der Restaurierung früher Land-Cruiser-Modelle, doch irgendwann waren ihm die alten Autos einfach nicht mehr gut genug. Es folgten nach und nach eigene Interpretationen der Klassiker, von denen er mittlerweile 20 Exemplare im Jahr baut und zu Preisen zwischen 77.000 und 190.000 Dollar in die ganze Welt verkauft.

"Wir nehmen das Original und machen es ein kleines bisschen besser", umreißt er das Geschäftsprinzip der Firma Icon Motors in Van Nuys nördlich von Los Angeles. Etwa die Hälfte der 20 Mitarbeiter ist damit beschäftigt, neue Oldtimer zu bauen - was ein bisschen paradox klingt, es aber dennoch trifft.

Obwohl das mit dem alt und neu in diesem Fall gar nicht so einfach ist. Offiziell sind die Modelle von Icon Motors Oldtimer. Schon deshalb, weil die Fahrzeuge sonst gar keine Zulassung mehr bekommen würden. Doch vom Original übernimmt der Kleinserienhersteller nur die Fahrgestellnummer, das Typenschild und eine Handvoll Schrauben. Alles andere wird neu konstruiert und aus den besten Komponenten gebaut, die zu bekommen sind.

Den Rahmen zum Beispiel fertigt Icon Motors aus rostfreiem Edelstahl. Die im charmanten Retrodesign geformten Karosserien sind nicht lackiert, sondern mit einem Pulver aus Teflon und Polyester beschichtet, die praktisch eine Ewigkeit halten sollen, wie Ward verspricht. Achsen und Federn lässt er von Rennställen und Militärausrüstern fertigen, und auch der Motor ist über jeden Zweifel erhaben: Während die Originalautos weiland mit asthmatischen Vier- oder Sechszylindern auskommen mussten, steckt bei Icon Motors zumeist ein V8-Aggregat aus der Corvette unter der Haube.

Klassische Offroad-Modelle mit bis zu 450 PS unter der Haube

"Bis zu 5,7 Liter Hubraum und 450 PS sind möglich", sagt Ward und erklärt damit, weshalb seine Geländewagen so vorlaut klingen wie Rennwagen und beim Ampelspurt jedes moderne Serienmodell stehen lassen. Wer das einmal bei einer kurzen Testfahrt erlebt hat, der fragt nicht mehr, weshalb kaum jemand den 140 PS starken VW-Dieselmotor bestellt, den Ward ebenfalls im Angebot hat. Und der wundert sich auch nicht, weshalb regelmäßig die Polizisten zur Patrouillie ausrücken, wenn die Entwickler mal wieder auf Testfahrt sind.

Ebenso eindrucksvoll wie Technik und Fahrleistungen ist auch die Ausstattung. Ward ist detailverliebt und sagt er gebe nicht viel auf den Mist, den sie in Detroit einbauen würden. Das Cabrioverdeck und die Sitzbezüge bestellt er deshalb bei einem Zulieferer von Mercedes, die Nieten für die Plane lässt er aus Deutschland kommen, die cool aussehenden Sonnenblenden stammen ursprünglich aus einem Lear-Jet und die Instrumente sind aus massivem Aluminium nach speziellen Vorlagen gefräst. Wer sich über das sportlich-militärische Cockpitdesign wundert, findet die Erklärung dafür am Handgelenk des Firmenchefs: Dort baumelt eine Uhr von Bell & Ross, die Ward inspiriert hat. Der französische Uhrenmacher fertigt Chronografen im Cockpit-Design.

Seit Ward Icon-Motors gegründet hat, hagelt es Aufträge. Die ersten hundert Autos sind bereits gebaut und in alle Welt verkauft. "Große Jungs, die schon alles haben und sich mit ihrem vielen Geld immer neue Spielsachen kaufen wollen, gibt es nicht nur in Amerika", sagt der Unternehmer. Vor allem nach Asien, aber immer öfter auch nach Europa liefert er seine modernisierten Klassiker. Jetzt hofft er auf die neue Fabrik, die im nächsten Jahr fertig sein soll. "Dann haben wir endlich mehr Platz und können mit mehr Mitarbeitern die Produktionszeit halbieren."

Willys Jeep, Ford Bronco, Toyota FJ

Im Sortiment von Icon Motors ist die zivile Version des ersten Willys Jeep sowie ein spektakuläres Remake des Ford Bronco. Doch sein Herz schlägt für den Toyota FJ, den er mit kurzem und langem Radstand, mit Plane oder Pritsche und mit zwei bis sechs Sitzplätzen anbietet. Die wahrscheinlich berühmteste Generation des Land Cruisers wurde von 1960 bis 1984 gebaut und hat es dem Firmenchef seit den Jugendzeiten als Rucksacktourist und Globetrotter besonders angetan: "Egal in welchen Winkel der Welt wir damals gekommen sind, der FJ war immer schon da."

Als er später wegen einer Wette mit dem Restaurieren von Oldtimern begann, war die Auswahl des Autos logischerweise ein FJ. Wards Geschick sprach sich in einschlägigen Kreisen herum, sogar Toyota gab ihm Aufträge für die Restauration von FJ-Modellen für Museen und Sammlungen. Damit blieb er den Japanern so gut in Erinnerung, dass sie ihn um Designvorschläge für das Retromodell FJ Cruiser baten, das 2003 präsentiert und 2006 eingeführt wurde . "Was am Ende in Serie ging, hatte mit dem von mir gestylten Auto nicht mehr viel gemein", sagt Ward. "Aber es war der Moment, in dem wir vom Restaurieren zum Konstruieren wechselten und mit dem Bau der ersten Icon-Modelle begannen."

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insgesamt 20 Beiträge
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1. wagen
murane 16.11.2011
Zitat von sysopEigentlich wollte Jonathan Ward nur ein paar Oldtimer restaurieren, um eine Wette zu gewinnen. Jetzt jedoch baut der Mann*den wohl schärfsten Geländewagen der Welt. Das Ding sieht aus wie ein Toyota FJ von 1960, unter der alten Blechhaut aber steckt neueste Technik. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,795928,00.html
Geländewagen...vermute ich
2. toll
axelkli 16.11.2011
interessantes Konzept und tolle Wagen. Erinnert mich an die US-Firma, die den Porsche 911 aus den 70ern wieder neubaut. So'n kleiner CJ mit Corvette-Motor ist bestimmt eine tolle Sache.
3. Toll - bis zum Motor
wetnoodle 16.11.2011
Da trennt sich dann die off-road Spreu vom Weizen, wenn man zu einem V8 Benziner greift, nur weil der so schön wie ein Sportwagen klingt und an der Ampel nicht wie ein off-roader abgeht... Ein "langweiliger" Diesel mit ordentlich Bums unten rum ist für wahres off-road Vergnügen trotzdem besser geeignet als ein chevy small block für die show.
4. Die echten Schätze gibts auf deutschen Straßen:
Schwabenelch 16.11.2011
Ein schöner Bericht und schon sehr interessant. Die Rettung automobilen Kulturguts ist einfach wichtig. Es gibt auch ein schönes Beispiel aus der Pfalz: ein Saab-Retter mit der kompletten Story: http://www.hannes.trollmania2007.de Immer ist es schön zu sehen, wenn ein Auto nicht so einfach runtergefahren, abgeleast und in die Schrottpresse geworfen wird.
5. Bleibt zu hoffen, sie kehren ins Straßenbild zurück!
Mannskerl 16.11.2011
Zitat von sysopEigentlich wollte Jonathan Ward nur ein paar Oldtimer restaurieren, um eine Wette zu gewinnen. Jetzt jedoch baut der Mann*den wohl schärfsten Geländewagen der Welt. Das Ding sieht aus wie ein Toyota FJ von 1960, unter der alten Blechhaut aber steckt neueste Technik. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,795928,00.html
Hach! Wunderbar, die alten Kisten. Das waren noch Zeiten, mit RICHTIGEN Geländewagen statt diesen feminisierten und homosexualisierten "SUV"s. Aber meinten Sie statt FJ nicht eher F? Und: Ob die mit der "modernen Technik" auch anständig klingen? Elektronik kann sehr nervig sein.
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