Einklappbare Fahrradhelme Alter Falter

FEND

Wohin mit dem Fahrradhelm, wenn man nicht im Sattel sitzt? Beim Einkaufen, im Restaurant oder im Stadion kann das Teil reichlich nerven. Abhilfe versprechen faltbare Kopfbedeckungen. Betonung auf "versprechen".

Ich trage beim Fahrradfahren immer einen Helm, auch im Alltag. Der Gewinn an Sicherheit ist es mir wert. Die nicht zu leugnenden ästhetischen Einschränkungen nehme ich in Kauf. Ein Problem aber habe ich noch nicht gelöst: Wohin mit dem Helm, wenn man nicht auf dem Fahrrad sitzt? Auf dem Kopf lassen, wie manche Radfahrer das beim Bäcker oder im Supermarkt tun, ist für mich definitiv keine Lösung.

Zum Autor
  • Hanna Becker
    Zunächst deutete wenig auf eine andauernde Liebesaffäre hin. Die erste Begegnung mit einem Fahrrad, an die Ralf Neukirch sich erinnert, endete mit einem Sturz. Doch irgendwann wurde für den SPIEGEL-Redakteur das Radfahren von der Notwendigkeit zur Leidenschaft. Seither hält er es mit John F. Kennedy: "Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren."

    Von den schönen Momenten, aber auch den sportlichen, technischen und persönlichen Herausforderungen des Radfahrens erzählt Ralf Neukirch regelmäßig in diesem Blog.

Ich besitze nur einen Helm, einen Rennradhelm. Der ist sehr sperrig. Wenn ich ihn in meinen Rucksack oder die Fahrradtasche stecke, geht dort sonst nicht mehr viel hinein. An der Hand mag ich ihn auch nicht tragen, wenn ich durch die Stadt laufe. Manchmal lasse ich ihn einfach am Fahrradlenker, wenn ich kurz einkaufe. Ideal ist das nicht. Der Helm war nicht ganz billig. Anschließen lässt er sich mit meinen Schlössern auch nicht.

Ich hatte mich deshalb schon vor geraumer Zeit entschieden, einen Falthelm zu kaufen. Die versprechen nicht nur Schutz bei Stürzen, sondern lassen sich verkleinern, wenn sie nicht auf dem Kopf sitzen. Ein kurzer Griff, schon stört der Helm in der Tasche nicht mehr. Das war jedenfalls meine Erwartung.

In der Praxis stellte sich die ganze Sache deutlich schwieriger dar. Der erste Helm, den ich ausprobierte, war ein Falthelm von Carrera. Der ist wie eine Ziehharmonika aufgebaut, man schiebt ihn einfach zusammen, wenn man ihn nicht braucht. Der Helm sieht gut aus und ist nicht zu teuer. Außerdem trägt er sich angenehm, was nicht selbstverständlich ist. Er hat nur einen Nachteil: Auch zusammenfaltet ist er nicht wirklich klein. Zudem muss man ihn mit einem Band zusammenhalten, sonst geht er selbstständig wieder auf. Mein Problem lässt sich damit nicht wirklich lösen.

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Innovative Fahrradhelme: Falten und walten

Das gleiche gilt für den Falthelm von Closca. Er besteht aus drei Elementen, die sich, anders als beim Carrera, nicht seitlich, sondern von oben nach unten zusammenschieben lassen. Richtig kompakt wird er dadurch auch nicht, außerdem finde ich das Design gewöhnungsbedürftig. Die Belüftung schien mir für heiße Sommertage auch eher gering auszufallen.

So lange ich auch suchte, ich wurde nicht fündig. Manche Helme waren zusammengefaltet schön klein, hatten dafür aber andere Nachteile. Der Plixi von Overade ist selbst für einen Fahrradhelm von beeindruckender Hässlichkeit. Außerdem hat er bei der Sicherheitsprüfung der Stiftung Warentest nur ein "ausreichend" erhalten. Damit kam er für mich nicht in Frage.

Andere, wie der Morpher des Londoner Erfinders Jeff Woolf, waren ebenfalls sehr kompakt. Aber der Ausklappmechanismus schien mir zu umständlich. Ein Falthelm sollte sich in Sekundenschnelle auf und wieder zuklappen lassen. Schön ist der Morpher übrigens auch nicht.

Als ich die Suche schon aufgeben wollte, wurde ich schließlich bei Kickstarter fündig. Das ist eine Crowdfunding-Plattform im Internet, auf der Privatpersonen, aber auch Firmen Kapital für ihre Ideen einwerben. Gerade im Fahrradbereich gibt es dort viele interessante Sachen. Meine Klingel habe dort vor Jahren gekauft und neulich eine Minipumpe zum Transport am Fahrrad, die mit dem Fuß bedient wird. Das Schöne ist, dass man die Sachen bekommt, bevor sie offiziell verkauft werden, und das auch noch billiger.

Dort entdeckte ich auch einen Helm, der die Antwort auf meine Problem zu sein schien: Der Fend-Klapphelm aus den USA sah gut aus, ließ sich klein zusammenfalten und große Fummelei war offenbar auch nicht nötig. Sorgen bereitete mir nur, dass der Helm fast schon zu leicht und luftig wirkte. Aber da er laut Hersteller die europäische und amerikanischen Sicherheitsstandards deutlich übertraf, bestellte ich den Fend.

Nun muss man bei Kickstarter zwei Dinge beachten: zum einen braucht man Zeit, weil die Dinge, die man ordert, erst noch produziert werden müssen. Zum andern gibt es keine Garantie dafür, dass einem das Bestellte auch wirklich gefällt. Ich habe mal eine Kaffeemühle geordert, mit der man aus Kaffeebohnen Rollsplit mahlen konnte, aber kein Espressopulver. Ein gewisses Risiko lässt sich also nicht vermeiden.

Es dauerte über ein Jahr, bis ich den Fend endlich vor einigen Wochen bekam. In zwei Punkten erfüllte der Helm meine Erwartungen. Der Fend sieht gut aus und lässt sich auf eine angenehme Größe zusammenfalten. Meine Befürchtung, er könne zu labil sein, erwies sich als grundlos. Es ist ein recht dicker, sehr stabiler Helm.

Er ist dafür relativ schwer, was im Stadtverkehr kein großes Thema ist. Unangenehmer ist, dass die Polsterung auf meinem Kopf nicht wirklich passt. Sie drückt nach längerer Fahrt. Zudem sitzt der Verschluss des Kinnriemens direkt am Hals, was ich unangenehm finde. Beides ist nicht so schlimm, dass es ein Ausschlussgrund wäre. Der Mechanismus verkleinert den Helm sehr wirkungsvoll, ist aber manchmal etwas hakelig. Alles in allem ist der Fend ein guter Helm, aber sicher nicht der "perfekte Helm", als der er angepriesen wird.

Ich habe bei meiner Suche nach einem Falthelm vor allem eins gelernt: Man muss Kompromisse machen. Mein Rennradhelm ist leicht, schick, bequem und luftig. Es gibt derzeit keinen Falthelm auf dem Markt, der all diese Attribute auf sich vereint. Wenn ich nur einen Helm für die Stadt brauchte, würde ich den Carrera kaufen. So bin ich meist doch mit meinen Rennradhelm unterwegs. Nur wenn ich größere Einkäufe erledigen muss, hole ich den Fend aus dem Schrank. Und natürlich warte ich weiterhin darauf, dass sich auf Kickstarter eines Tages etwas Besseres findet.



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34 Leserkommentare
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Hayas 02.02.2019
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