Fahrschule für Kinder Konrad ist zwölf Jahre alt - und fährt Jaguar

Jugendliche spielen lieber mit Smartphones und interessieren sich weniger für Autos. Jaguar Land Rover versucht den Trend zu stoppen - mit einer Fahrschule für Kinder.

Fabian Hoberg

Von Fabian Hoberg


Konrad ist zwölf Jahre alt, er wohnt in Köln, sein ständiger Begleiter ist das heißgeliebte Smartphone. Immer, wenn er darf, daddelt er daran rum. Dann kommt erst einmal lange nichts, was seine persönlichen Interessen angeht. Autos liebt er noch, besonders ganz große und ganz schnelle. Selbst fahren durfte er noch nie.

Das ändert sich an einem Sonntag. Jaguar Land Rover bietet für beide Marken als einziger Hersteller ein Fahrtraining für Kinder zwischen elf und 17 Jahren an. Gefahren wird auf abgesperrten Privatgeländen an verschiedenen Orten in Deutschland und einer ruhenden Kalk-Sandsteingrube in Wülfrath bei Düsseldorf.

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Fahrschule für Kinder: Mobil unterwegs - ohne Handy

Konrad darf beide Fahrstunden testen - on- und offroad. Der Zwölfjährige öffnet aufgeregt die Tür des Jaguar F-Pace, erklimmt mit einem großen Satz den Fahrersitz. Auf der Beifahrerseite des Autos finden sich - wie bei jedem Fahrschulauto im Fußraum - Pedale für Gas und Bremse. So kann der Beifahrer bei einem Fahrfehler eingreifen. "Ist das cool", sagt Konrad und lümmelt sich wie ein Rapper in den Ledersitz: Lässig nach hinten gelehnt, eine Hand auf dem Lenkrad, für ihn die einzige richtige Sitzposition. Instruktor Martin de Jong belehrt ihn eines Besseren, erklärt ihm, wie er sich hinter dem Lenkrad positioniert und stellt ihm den korrekten Abstand zu Pedalen und Lenkrad ein.

Generation Z hat kaum noch eine emotionale Bindung zum Auto

"Beim Sitz- und Lenkradeinstellen gibt es keinen Unterschied zwischen Kindern und routinierten Autofahrern, das machen fast alle falsch", sagt de Jong. Seit 2001 arbeitet der 50-Jährige als Instruktor, seit einem Jahr für Schüler ohne Führerschein. "Du musst nicht sagen, wo du dir das abgeschaut hast, aber jetzt setz dich mal gerade hin, stell die Lehne steiler und halte mit beiden Händen das Lenkrad fest", sagt de Jong.

Konrad versucht einzuparken
Fabian Hoberg

Konrad versucht einzuparken

Noch den Sicherheitsgurt anlegen, leicht stramm ziehen und Konrad darf den Startknopf drücken. Beim ersten Mal tippt er zu zaghaft drauf. Erst beim zweiten Mal vibriert der Diesel unter der Haube - und Konrads Hände gleich mit. Mit dem Fuß auf der Bremse dreht er den Wählhebel der Automatik auf D, nun darf er den Wagen langsam rollen lassen. Konrad freut sich.

Immer weniger junge Menschen machen mit 17 oder 18 Jahren ihren Pkw-Führerschein. Nach einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) fuhren im Jahr 2005 noch 73 Prozent der 25- bis 29-Jährigen Auto, 2016 waren es nur noch 60 Prozent. Ein Großteil der sogenannten Generation Z hat praktisch keine emotionale Bindung mehr zum Auto. Für die Autohersteller ist das gefährlich. Denn das sinkende Interesse der Jüngeren führt zu einem geringeren Absatz in der Zukunft. Mit der Fahrschule für Kinder will Jaguar Land Rover dem entgegensteuern - und hofft auf eine frühe Bindung zu den britischen Marken.

"Stell dir vor, du willst einen Fußball ins Tor donnern"

150 Euro kostet der Fahrkurs jeweils für ein Kind, jedes weitere kommt günstiger. Ein teurer Spaß, von dem sich viele Eltern nicht abschrecken lassen. Die Fahrtrainings sind regelmäßig ausgebucht. Mindestens 1,42 Meter müssen die Teilnehmer groß sein - oder elf Jahre alt. Warum die Kinder das Mindestmaß von 1,42 Metern erfüllen müssen, konnte de Jong auch nicht erklären. Bis zu 1,50 Metern Größe müssen Kinder im Auto normalerweise mit einem entsprechenden Sitz gesichert werden.

Konrad ist bereits 1,70 Meter groß. Er tippt mit seinem rechten Schuh vorsichtig auf das Gaspedal, der Jaguar rollt los. Sein Grinsen wird breiter. Nach ein paar Runden auf dem Parkplatz bekommt er mehr und mehr Gefühl fürs Auto. Für eine Vollbremsung aus 30 km/h reicht es noch nicht, er tritt viel zu schwach aufs Pedal. "Du musst voll reintreten, stell dir vor, du willst einen Fußball ins Tor donnern", sagt Instruktor de Jong. Beim nächsten Versuch klappt es besser, de Jong ist zufrieden. Er fordert Konrad auf, den Jaguar auf bis zu 60 km/h zu beschleunigen, dann soll er wieder stark bremsen. Immer und immer wieder. Er erklärt seinem Fahrschüler das Zusammenspiel von Reaktionszeit, Bremsweg und Anhalteweg, wie wichtig das gedrosselte Tempo in einer Tempo-30-Zone ist. "Gas geben können alle Jungs gut, wichtiger ist aber das starke Bremsen", sagt er. Erst dann treten ABS und Bremsassistent in Aktion, verkürzen den Bremsweg. "Das ist ja voll schwierig", meint der Zwölfjährige erstaunt. Er presst die Lippen aufeinander, er strengt sich an. Konrad fährt von Runde zu Runde immer begeisterter, darf den Jaguar F-Pace mit 180 PS auf bis zu 70 km/h beschleunigen. "Autofahren ist ja voll geil", sagt er, bevor er seinen Fahrersitz räumen muss. "Es hilft alles nichts, wir müssen wieder tauschen", sagt de Jong und fährt den Jaguar in die Kalk-Sandsteingrube.

Abenteuer im Gelände
Fabian Hoberg

Abenteuer im Gelände

Dort wartet für die zweite Fahrstunde Sebastian Grunert mit einem weißen Land Rover Discovery Sport. Konrad klettert sofort hinein, stellt Sitz und Lenkrad auf seine Größe ein. Am liebsten will er direkt los ins Gelände. Doch Grunert erklärt ihm erst mal Grundsätzliches bei Geländefahrten. "Auch wenn es dir schwer fallen wird: Hier geht es um Langsamkeit, darum, die Strecke zu lesen und zu verstehen", sagt Grunert. 75 Prozent Steigung, 110 Prozent Gefälle, Wasserdurchfahrten und Verschränkungen. Das Areal umfasst zwölf Hektar - ungefähr 17 Fußballfelder - und wurde schon in den Siebzigerjahren stillgelegt. Konrad legt geübt die Fahrstufe ein, rollt los. Statt 20 km/h hat er mehr auf dem Tacho, die kleinen Steine tanzen in den Radhäusern. Instruktor Grunert bremst ihn ein, dirigiert ihn durch die matschigen Wege. "Das Auto lenkt ja alleine", sagt Konrad und ist erstaunt, wie der Untergrund mit seinen tiefen Furchen das Fahrverhalten des Autos bestimmt. Ohne festen Händegriff schwingt das Auto hin und her, Grunert korrigiert leicht. "Hier zählen viel Fahrgefühl und Langsamkeit, sonst setzen wir auf", sagt er. Konrads Augen werden größer, der Biss auf die Lippen fester.

Das Handy hat er nicht vermisst

Der Plan von Jaguar Land Rover scheint aufzugehen. Nach den beiden Fahrtrainings steht für Konrad fest, dass er in ein paar Jahren einen Führerschein machen und ein eigenes Auto kaufen will. Sein liebstes Spielzeug hat er während seiner dreistündigen Fahrt komplett vergessen. Das Handy lag die ganze Zeit über im Auto seines Onkels - er hat es nicht vermisst.

Video: Abgewürgt! - Anfänger auf dem Verkehrsübungsplatz

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dasfred 27.06.2018
1. Das immer weniger junge Leute den Führerschein
machen, hat wohl hauptsächlich damit zu tun, dass der Anteil an Schülern, die das Geld dafür nicht aufbringen können von Jahr zu Jahr steigt. Die Lust auf den eigenen Führerschein selbst, wird wohl nicht so stark nachgelassen haben. Bei dem Jungen musste ich eher daran denken, wie frustrierend es sein kann, mit zwölf schon angefixt zu werden und dann fünf Jahre auf den offiziellen Lappen, bzw. die Karte, warten zu müssen.
erzengel1987 27.06.2018
2. ok?
Würde ein Waldspaziergang nicht das gleiche bringen? Oder klettern? schwimmen? Das ist nämlich gefährlich wenn der Junge weiß wei man fährt kann es passieren, dass eines Morgens das Auto weg ist und der kleine Junge mal einkaufen gefahren ist oder zu seinen Freunden :-).
Yorch 27.06.2018
3. Wenn Konrad erwachsen ist, gibt es eh nur noch selbstfahrende Autos..
...da kann er dann wieder zu der abgesperrten Kiesgrube gehen und ein paar runden Fahren, betreut von arbeitslosen Fahrlehreren und Taxifahreren. Achne, wir sind in ja in Deutschland. Der Mindestlohn wird einfach so weit abgesenkt, dass sich jeder einen Fahrer leisten kann und sich Automatisierung nicht lohnt.
chrismuc2011 27.06.2018
4.
Das Desinteresse der Jugend ist doch verständlich. Hohe finanzielle Hürden, wie Führerscheinkosten, Autounterhaltung. Auf der anderen Seite ist es doch gut, dass sich das Verhalten über die Generationen ändert. Ein Auto ist heute ein Gegenstand ohne Emotionen auszulösen, viele Helferlein, kein direktes Fahrgefühl mehr ( mal von BMW M4, Porsche und Co abgesehen), man steht im Stau, man sucht sehr lange einen Parkplatz. Da die Jugend besonders in die Städte drängt, benutzt sie Fahrrad oder OPVN, und das ist gut so. Und wenn es mal autonomes Fahren gibt, braucht man kein eigenes Auto oder gar einen Führerschein.
hbb258 27.06.2018
5.
Zitat von Yorch...da kann er dann wieder zu der abgesperrten Kiesgrube gehen und ein paar runden Fahren, betreut von arbeitslosen Fahrlehreren und Taxifahreren. Achne, wir sind in ja in Deutschland. Der Mindestlohn wird einfach so weit abgesenkt, dass sich jeder einen Fahrer leisten kann und sich Automatisierung nicht lohnt.
...alles klar. Wann genau wurde eigentlich der Mindestlohn in Deutschland abgesenkt? Korrekt! Noch nie. Hier hat jemand eine nette Idee gehabt, dem Jungen gefällts und bestimmt vielen anderen Kindern auch. Dem 30-Jährigen der noch nie nen Bagger gefahren hat, dem kann man im Übrigen auch eine Bagger-Fahrstunde schenken. Auch dem gefällts. Warum so negativ?
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